Bremen  Evakuierungsflieger und „Mutterschiff für Drohnenschwärme“ – was der A400M alles kann

Peter Hanuschke
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Von Peter Hanuschke
| 20.08.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Militärtransporter A400M scheint sich elf Jahre nach Auslieferung der ersten Maschine doch noch etabliert zu haben: Foto: Airbus Defence and Space
Der Militärtransporter A400M scheint sich elf Jahre nach Auslieferung der ersten Maschine doch noch etabliert zu haben: Foto: Airbus Defence and Space
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Die A400M-Transportflugzeuge der Bundeswehr sind mehr als nur Transportmittel. Sie dienen als fliegende Lazarette, Tankstellen und künftig sogar als „Mutterschiffe“ für Drohnenschwärme.

Die Transportflieger A400M der Bundeswehr waren schon mehrfach erfolgreich im Einsatz: Erst Mitte hatten zwei A400M vom Lufttransportgeschwader 62 im niedersächsischen Wunstorf über dem Gazastreifen über 190 Tonnen Hilfsgüter an Fallschirmen abgesetzt. Auch andere Nationen haben den Transportflieger in Krisengebieten eingesetzt.

Die A400M ist ein Gemeinschaftsprojekt von Spanien, Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich und wird als fliegendes Schweizer Taschenmesser bezeichnet. In Frankreich gibt es außerdem neu den Namen „Unser größtes Kampfflugzeug“. Was kann die teilweise in Norddeutschland gefertigte Maschine, deren Einzelteile unter anderem aus Stade und Bremen stammen? Eine Übersicht.

Die A400M ist nicht nur für den Transport von Truppen, schweres Gerät und Hilfsgüter ausgelegt. Die deutsche Luftwaffe nutzt die A400M auch als fliegendes Lazarett. In der sogenannten MedEvac-Konfiguration verfügt das Flugzeug über sechs Patiententransporteinheiten, von denen zwei für die intensivmedizinische Behandlung ausgestattet sind. Der Transportflieger kann auch als fliegende Tankstelle eingesetzt werden.

Laut Airbus kann die A400M in der Basiskonfiguration 63.500 Liter Treibstoff mitführen und zwei Eurofighter gleichzeitig oder eine andere A400M in der Luft betanken. Bei humanitären Einsätzen kam die A400M-Maschinen der deutschen Luftwaffe unter anderem bei den Evakuierungsmissionen aus Kabul und dem Sudan zum Einsatz. Auch Einsätze bei Naturkatastrophen gehörten zu den Aufgaben – wie etwa jüngst in der Türkei.

Wie lässt sich ein größerer Drohnenschwarm absetzen? Durch eine A400M. Der bereits getestete Demonstrator für diese Einsatzmöglichkeit wurde im Bremer Airbus-Werk entwickelt. Getestet wurde, wie sich die A400M im Rahmen des künftigen sogenannten europäischen Future Combat Air System als „Mutterschiff“ für Drohnen einsetzen lässt. „Wir hatten mit der Entwicklung dieses Systems angefangen, als wirklich nicht absehbar war, dass sich die geopolitische Situation so verändert, dass ein größerer Bedarf entstehen wird“, sagte A400M-Programmleiter Gerd Weber im Gespräch mit unserer Redaktion. „Jetzt steht diese Fähigkeit bei einigen Nationen ganz oben auf der Wunschliste.“

Diese Art „Mutterschiff“ für Drohnen gebe es von der Kapazität her so nicht in Europa. „Unser System soll bis zu 50 mittelgroße Drohnen, die wir als Remote-Carrier bezeichnen, aufnehmen und überall in der Welt aussetzen können.“ Vor dem Hintergrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten habe sich für den A400M offenbar der Name „großes Kampfflugzeug“ entwickelt.

Das Drohnen-System oder die Installation eines Lazaretts wird bei Airbus immer im Roll-on-roll-off-Verfahren angeboten. Die gesamte Anlage könne relativ einfach und schnell im Laderaum integriert werden und ebenso schnell wieder herausgenommen werden, um wieder ganz normale logistische Aufgaben übernehmen zu können, so Weber. Die Plattform innerhalb des A400M ermögliche diese universellen Einsatzmöglichkeiten.

Der große Vorteil sei, dass die Flugzeuge weniger anfällig seien, insbesondere, wenn die Flugzeuge dort eingesetzt werden, wo keine befestigten Start- und Landebahnen vorhanden seien – egal ob da etwa viel Hitze oder Staub sei, so Weber. „Hinzu kommt, dass das Flugzeug mit den vier Triebwerken bewusst sehr viel Power hat, weshalb wir auch mit sehr kurzen Start- und Landebahnen auskommen. Mit einer personellen Besetzung im Transportraum reichen 700 Meter zum Starten. Das ist schon sehr wenig für ein Flugzeug solcher Größe. Außerdem werden die Propeller auch zum Bremsen genutzt – dadurch wird eine unglaubliche Bremswirkung erzeugt.“

Wichtig sei auch, dass die A400M rückwärts fahren könne. Das sei wichtig, wenn es beispielsweise keine Infrastruktur am Boden gebe und beispielsweise am Ende der Landebahn zum Wenden rückwärts gefahren werden müsse. Das könne ein Flugzeug mit einem Turbo-Fan, also mit einem Strahltriebwerk, nicht. „Wir können wegen der Turboprop-Triebwerke auch eine Luft-zu-Luft-Betankung von Helikoptern vornehmen, weil auch ein extrem langsamer Flug möglich ist.“ Diese Spezialanfertigung für dieses Flugzeug hat seinen Preis.

Im Video: So sieht eine Betankung in der Luft aus:

Ein Triebwerk von der Stange wäre zwar günstiger, würde aber die taktischen Einsatzmöglichkeiten deutlich einschränken. Gut sei auch, dass die Rotoren gegenläufig arbeiten. Dadurch müsse der sogenannte Drag, also die aerodynamische Kraft, die der Bewegung eines Flugzeugs durch die Luft entgegenwirkt und durch einseitig in eine Richtung drehender Triebwerke verstärkt werde – was der Normalfall sei - nicht durch die Flugsteuerung ausgeglichen werden.

Derzeit entwickelt und testet Airbus ein Feuerlösch-Kit, mit dem sich die A400M auch als Löschflugzeug einsetzen lässt. Bei dieser Flugerprobungskampagne mit dem Prototyp des A400M-Roll-on/Roll-off-Feuerlöschsystems gab es mehrere Tests in Spanien, bei denen jeweils 20.000 Liter Flammschutzmittel abgeworfen wurden. Das Roll-on/Roll-off-Kit erfordert laut Airbus keine Modifikationen am Flugzeug und ist daher mit jedem Flugzeug der A400M-Flotte kompatibel.

Die maximale Reichweite liegt laut Herstellerangaben bei über 8.700 Kilometer –  mit voller Nutzlast kann die 45,10 Meter lange A400M laut Bundeswehr eine Strecke von 3.300 Kilometer fliegen. Mit dem Flugzeug kann die Bundeswehr unter anderem einen Transporthubschrauber NH90, einen Schützenpanzer Puma oder vier Geländefahrzeuge Wolf befördern. Bis zu 116 Fallschirmjäger finden Platz. Jedes der vier Turboprop-Triebwerke verfügt über knapp 11.000 PS, die die A400M zu einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 750 Stundenkilometer antreiben.

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