Frau am Freitag Männer im Spagat zwischen Arbeit und Familie


Bitte nicht schon wieder ein Text über Care-Arbeit?! Doch. Zwischen Wäschebergen, Job und schlaflosen Nächten fragt sich die Frau am Freitag: Wer denkt eigentlich an die Männer?
Man kommt derzeit kaum um das Thema herum, zuletzt sorgte es für Diskussionsstoff in der Redaktion: Care-Arbeit. Zu Recht. Denn sie ist unsichtbar, unbezahlt, oft ungleich verteilt – und sie betrifft Millionen von Familien jeden Tag. Es ist ein ständiger Balanceakt: Erwerbsarbeit, Kinder, Haushalt, eigene Bedürfnisse. Vor allem dann, wenn Frau das Gefühl hat, sie stemme das meiste allein.
Doch in dieser berechtigten Debatte frage ich mich oft: Wo bleibt eigentlich der Blick auf die Männer? Das traditionelle Rollenbild, das Frauen in die Fürsorge drängt, legt Männern die Versorgerrolle genauso auf die Schultern. „Sei stark, sei der Ernährer, funktioniere.“ Das klingt nach Verantwortung – und auch nach sehr viel Druck. Und wer permanent arbeitet, verpasst leicht das Eigentliche: Nähe, Alltag, die kleinen Momente mit den Kindern. Und die sind, trotz Müdigkeit oder Trotzphasen, eben nicht nur Last, sondern auch Freude.
Wenn ich an Care-Arbeit denke, denke ich an schlaflose Nächte, ja. Aber auch an kleine Kinderhände, die sich beim Spaziergang beinahe unbemerkt um ausgewachsene Finger klammern. An ein erstes „Mama, guck mal!“ und daran, dass die Küche dann halt aussieht wie ein Schlachtfeld. Diese Ambivalenz – anstrengend und schön zugleich – taucht in den Diskussionen oft zu selten auf.
Und manchmal erschrecke ich selbst, wenn ich darüber schreibe. Würden meine Kinder irgendwann meine Texte lesen, sollen sie nicht glauben, sie seien ein Hindernis oder eine Last gewesen. Strukturen können belastend sein, aber die Kinder selbst sind es nicht. Eher sind sie der Grund, warum wir diese Strukturen verändern müssen.
Vielleicht sollten wir also weniger fragen, wer alles trägt – sondern mehr darüber sprechen, was wir alle gewinnen, wenn wir es gemeinsam tun.