Hannover Wie gut sind Schulen in Niedersachsen auf einen Amoklauf vorbereitet?
Einen Amoklauf gab es in Niedersachsen schon seit vielen Jahren nicht mehr. Aber falls es dazu käme: Wären die Schulen vorbereitet?
Gleich vorweg: In diesem Jahrtausend gab es noch keinen Amoklauf an einer niedersächsischen Schule. Aber: Amokdrohungen gibt es immer wieder, die Gewalt in Schulen nimmt zu. Vor rund zwei Jahren kam es zu einem großen Amokalarm am Osnabrücker Sonnenhügel, der Schulleiter landesweit ins Grübeln brachte: Wie gut sind niedersächsischen Schulen auf einen solchen Notfall vorbereitet?
Das erste Problem: „Was soll man denn überhaupt ganz konkret vorbereiten?“, fragt ein Schulleiter. Alle niedersächsischen Schulen baulich auf Amokläufe vorzubereiten, ist schlicht unrealistisch – zu teuer, aber oftmals, wie etwa bei selbstverschließenden Türen, auch mit dem Brandschutz oder anderen Vorgaben schwer vereinbar.
Das Landeskriminalamt (LKA) stellt allen niedersächsischen Schulen eine eng bedruckte, 19-seitige „Handreichung“ zur Verfügung, der der Redaktion vorliegt. Was genau drin steht, darf nicht beschrieben werden, um potenziellen Tätern ihr Vorhaben nicht zu erleichtern. Deshalb nur so viel: Das Papier ordnet das Thema umfassend ein und gibt konkrete Handlungsempfehlungen – allerdings nur darüber, wie mit Amokdrohungen umzugehen ist.
Sollte es nicht bei einer Drohung bleiben, hat das Kultusministerium eine „Handreichung für den Umgang mit Krisensituationen in Schule“ entwickelt. Die grundsätzliche Strategie, so viel darf gesagt werden, lautet: Verbarrikadieren. Und dann warten, bis die Polizei die Lage übernimmt, die solche Gefahrenlagen regelmäßig in den Sommerferien trainiert.
Das zweite Problem: In einer entsprechenden Krisensituation stünden auch Lehrer gegebenenfalls unter Schock, hätten aber weiterhin die Verantwortung für Dutzende Schüler. Wer mit Lehrern über das Thema spricht, merkt man schnell: Viele fühlen sich auf eine solche Situation nur unzureichend vorbereitet.
Konkrete Amok-Übungen gibt es nicht, und das aus gutem Grund: „Polizei und Landeskriminalamt raten explizit davon ab, solche Übungen zu machen“, heißt es aus dem Kultusministerium. Denn wenn es zu Amokläufen kommt, ist oder war der Täter in der Regel selbst Teil der Schulgemeinschaft. Bei Übungen ließen sich so die Abläufe in der Praxis studieren.
Schulleiter sollen deshalb Sorge tragen, dass alle Lehrkräfte im Ernstfall wissen, was zu tun ist. An einer niedersächsischen Schule beispielsweise wurde eine Kollegin nach dem Vorfall am Osnabrücker Sonnenhügel zu einer Fortbildung geschickt. Was sie dort gelernt hat, deckt sich mit den Empfehlungen des LKA-Handbuchs. Im Rahmen einer Dienstbesprechung hat sie dann allen anderen Kollegen von ihren Erkenntnissen berichtet. Das aber ist nun aber auch schon wieder eine Weile her.