Osnabrück  VfL Osnabrück zum 13. Mal im NFV-Pokal an einem Underdog gescheitert

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 04.09.2025 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Eine bittere Niederlage im Elfmeterschießen: In seiner ersten Saison (2017/18) als Cheftrainer schied Daniel Thioune mit dem VfL bei der SV Drochtersen/Assel aus. Foto: osnapix
Eine bittere Niederlage im Elfmeterschießen: In seiner ersten Saison (2017/18) als Cheftrainer schied Daniel Thioune mit dem VfL bei der SV Drochtersen/Assel aus. Foto: osnapix
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Das Gefühl kennen die Freunde des VfL Osnabrück – doch keiner kann sich daran gewöhnen: Pokal-K.o. bei einem unterklassigen Außenseiter. Am Dienstag (2. September 2025) war es mal wieder so weit: Mit dem 4:5 im Elfmeterschießen beim SSV Jeddeloh II unterlag der VfL zum 13. Mal seit 1993 im Niedersachsenpokal einem Underdog.

Mit der Niederlage im Elfmeterschießen (4:5) nach torlosen 120 Minuten beim SSV Jeddeloh hat der VfL Osnabrück die größte Chance verpasst, in der Saison 2026/27 am lukrativen DFB-Pokal teilzunehmen. Erreichen kann der Club dieses Saisonziel nun nur noch durch eine Endplatzierung in der 3. Liga unter den ersten vier. Es war die 13. Niederlage in diesem Wettbewerb gegen einen Underdog; nur zwei der nunmehr sieben Elfmeterschießen gegen einen unterklassigen Verein entschied der VfL für sich: Auf dem Weg zum Pokalsieg 2014/15 unter Trainer Maik Walpurgis gewann der VfL das Halbfinale beim VfB Oldenburg und das Endspiel gegen den SV Meppen in den Duellen vom Punkt; die beiden Bezirksrivalen spielten damals viertklassig

Der letzte unplanmäßige K.o. des Favoriten aus Osnabrück gegen einen unterklassigen Kontrahenten liegt nicht lange zurück und hat weit über das Ergebnis hinaus traurige Berühmtheit erreicht: Trainer Marco Antwerpen und sein Assistent Frank Döpper wurden in der ersten Instanz wegen versuchter Spielmanipulation vom DFB-Sportgericht gesperrt. Das 2:4 im Finale gegen den Regionalligisten Blau-Weiß Lohne brachte den VfL um die kostbare Teilnahme am DFB-Pokal.

Fünf Jahre lang war der VfL zuvor von einer Pokal-Pleite gegen einen Außenseiter verschont geblieben, zuvor hatte es eine kuriose Doublette gegeben: Ausgerechnet Erfolgstrainer Daniel Thioune scheiterte zweimal in Folge mit seiner Mannschaft bei der SV Drochtersen/Assel. Am 2. April 2018 verschärfte sich die Krise in seiner ersten Saison als Cheftrainer durch eine Niederlage bei dem Regionalligisten . Der in der Liga nach unten trudelnden Mannschaft gelang kein Tor; das Elfmeterschießen nach 90 Minuten (Verlängerungen waren noch nicht vorgesehen) gewann der Außenseiter - dank der Paraden von Philipp Kühn, der wenige Monate später zum VfL wechselte, und eines peinlichen Elfmeter-Fehlschusses von Ahmet Arslan.

Ein Jahr später verlor der VfL an gleicher Stelle (1:2), doch sportlich tat das nicht weh, denn der VfL hatte bereits den Aufstieg und damit auch die DFB-Pokal-Teilnahme sicher. Sondern, weil sich „Koka“ Engel, der verbissen und erfolgreich um sein Comeback nach einer Lungenembolie gekämpft hatte, bei einem unglücklichen Zusammenprall einen Schien- und Wadenbeinbruch zuzog.

Begonnen hatte die Blamagen-Serie mit Gerd-Volker Schock. Der Manager, der im Sommer 1998 auch das Traineramt übernommen hatte – mit dem erklärten Ziel „Meisterschaft“. Nach einem mäßigen Start in der Regionalliga Nord kam die 0:1-Niederlage beim emsländischen Oberligisten TuS Lingen zur Unzeit. Doch der VfL erholte sich, wurde Meister, scheiterte jedoch in zwei Aufstiegsversuchen.

Schock war nicht der erste prominente Coach, der mit dem VfL in eine Pokalfalle tappte, weil er der Versuchung erlag,  gegen einen unterklassigen Gegner einige Akteure aus der stärksten Elf zu schonen und Reservisten eine Chance zu geben; in Lingen startete der VfL ohne seine Topstürmer Jacek Janiak und Christian Claaßen.

„Unser Kader muss auch in der Breite stark genug sein, um gegen einen Oberligisten zu bestehen“, sagte Jürgen Gelsdorf im August 2001 einen Tag vor dem Spiel beim FC Schüttorf 09. Einen Tag später war der bundesligaerfahrene VfL-Trainer fassungslos und fragte in die Runde: „Wo sonst soll ich denn Spieler aus der zweiten Reihe testen, wenn nicht in einem solchen Spiel?“ Ein A-Jugendlicher und drei Spieler aus der Niedersachsenliga-Reserve standen im Team, das im Elfmeterschießen (1:1, 3:4) scheiterte, weil Krzysztof Kowalik und Wolfgang Schütte vergaben.

Ein Jahr später fuhr Gelsdorf mit der besten Mannschaft zum Verbandsligisten BSV Rehden. Doch die Feierabendfußballer machten an diesem 10. September 2002 das Spiel ihres Lebens und düpierten den späteren Aufsteiger mit 3:1. „Das roch nach Arroganz“, sagte Manager Lothar Gans.

„Wer sich aufdrängen will, hat jetzt die Gelegenheit!“ Mit dieser Aufforderung motivierte Wolfgang Sidka nach einem gelungenen Start in der Regionalliga Nord sein mit Ergänzungsspielern und Reservisten besetztes Team vor dem Gang zum Oberligisten Blau-Weiß Lohne. Mit Mühe rettete sich der VfL am 18. August 1999 (2:2) ins Elfmeterschießen – und verlor 4:5, weil Uwe Hartenberger als einziger Schütze vergeigte. K. o. in der ersten Runde…

Und schließlich machte auch Uwe Fuchs denselben Fehler, als er glaubte, am 12. November 2011 beim TuS Heeslingen einige Spieler aus der zweiten Reihe aufbieten zu können. Bei dem fünftklassigen Klub verlor der VfL mit 2:3, es war der Anfang vom Ende der kurzen Amtszeit des glücklosen Trainers.

Wie folgenschwer die Langzeitwirkung eines unerwarteten Scheiterns im Landespokal sein kann, weiß Sportdirektor Joe Enochs aus eigener Erfahrung. Die Halbfinalniederlage bei der fünftklassigen SG Egestorf-Langreder (1:1, 3:5 im Elfmeterschießen) am 13. April 2016 warf seine Mannschaft in seiner ersten Saison als Cheftrainer aus der Bahn, die bis dahin eine gute Saison gespielt hatte und ein Anwärter auf Platz 3 war. Doch nach dem K.o. gegen den Fusionsclub aus Barsinghausen knickte der VfL ein und gab am letzten Spieltag durch ein 1:2 gegen Fortuna Köln die große Chance aus der Hand, sich Platz vier und damit die Teilnahme am DFB-Pokal zu sichern; dazu hätte ein Unentschieden gereicht.

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