Neuer Investor für Reißverschlusshersteller  Opti-Mitarbeiter in Rhauderfehn bekommen Geld

Astrid Fertig
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Von Astrid Fertig
| 04.09.2025 17:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Thomas Gelder von der IG Metall (2. von links) und der Opti-Betriebsrat – Thomas Engelkens (von links), Rainer Schmidt, Guido Papencordt, Bärbel Baalmann, Schwerbehindertenbeauftragter Manfred Hoek, Wilfried Specker sowie Dieter Penning – setzten am 31. Juli 2025, die Opti-Belegschaft vom Verkauf des Werkes in Kenntnis. An diesem Mittwoch, 3. September, erfolgte das erste Gespräch mit dem neuen Investor, der deutschen Investmentgesellschaft Accursia Capital. Foto: Marion Janßen
Thomas Gelder von der IG Metall (2. von links) und der Opti-Betriebsrat – Thomas Engelkens (von links), Rainer Schmidt, Guido Papencordt, Bärbel Baalmann, Schwerbehindertenbeauftragter Manfred Hoek, Wilfried Specker sowie Dieter Penning – setzten am 31. Juli 2025, die Opti-Belegschaft vom Verkauf des Werkes in Kenntnis. An diesem Mittwoch, 3. September, erfolgte das erste Gespräch mit dem neuen Investor, der deutschen Investmentgesellschaft Accursia Capital. Foto: Marion Janßen
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Ende Juli hatte die Aequita die Opti-Firmengruppe verkauft an die Accursia Capital, einen weiteren Münchner Investor. Der kam diese Woche zu Gesprächen nach Rhauderfehn. Und die verliefen erfreulich.

Rhauderfehn - In dieser Woche fand bei dem Reißverschlusshersteller Opti an der 1. Südwieke 180 in Rhauderfehn das erste Gespräch statt zwischen der Firmenleitung, dem Betriebsrat sowie Vertretern des neuen Eigentümers der Opti-Gruppe, der in München ansässigen Investmentgesellschaft Accursia Capital GmbH. An die war die Opti-Gruppe Ende Juli vom bisherigen Investor, der Münchner Aequita, verkauft worden.

Thomas Gelder, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, der an dem Gespräch beteiligt war, teilte jetzt mit, man habe sich am Mittwoch getroffen und ausgetauscht. Am Donnerstag rief die Arbeitnehmervertretung des Rhauderfehner Werks die Belegschaft zu einer Info-Veranstaltung zusammen, wie Betriebsratsvorsitzender Marcel Taubert bestätigte.

Verhaltene Freudebei Belegschaft

Das Resultat des ersten Zusammentreffens vom neuen Investor und Opti-Mitarbeitern löste erst einmal verhaltene Freude aus: Es gibt Geld. Und einen neuen Namen. Statt Opti heißt die Firmengruppe künftig Yourzip Germany GmbH. Der Name Opti werde hingegen weiterhin auf den Produkten stehen sowie auf dem Firmenschild am Werkstor in Rhauderfehn, kündigte Gelder an.

Der Firmenname Opti bleibt auf dem Schild an der 1. Südwieke vor dem Werk weiterhin bestehen. Tatsächlich hat der neue Eigentümer die Firma umbenannt: Sie heißt jetzt Yourzip Germany GmbH. Foto: Astrid Fertig
Der Firmenname Opti bleibt auf dem Schild an der 1. Südwieke vor dem Werk weiterhin bestehen. Tatsächlich hat der neue Eigentümer die Firma umbenannt: Sie heißt jetzt Yourzip Germany GmbH. Foto: Astrid Fertig

Bei dem rund anderthalbstündigen Gespräch zwischen ihm, dem Opti-Betriebsleiter und Prokuristen Udo Waden, Marcel Taubert und Guido Papencordt vom Betriebsrat sowie Oliver Würtenberger, Senior Advisor der Accursia Capital, sei vereinbart worden, dass der neue Investor den Opti-Mitarbeitern das Geld zahlt, dass ihnen die Aequita vorenthalten hatte.

Accursia zahlt Lohnerhöhung und Einmalzahlungen

Mit der Gehaltsabrechnung im Juli hatte die Geschäftsleitung darüber informiert, dass sie sich nicht an die geltenden Tarifverträge halten wolle: Weder wurde die ab Juli fällige Einmalzahlung von 275 Euro ausgezahlt, noch gab es die ab 1. August geltende Lohnerhöhung von zwei Prozent. Das soll sich nun ändern. Beides sicherte die Accursia Capital zu. Bis Jahresende sollen alle Mitarbeiter am Standort Rhauderfehn ihr Geld erhalten, die Einmalzahlung ebenso wie die tarifliche Lohnerhöhung. Bei der Betriebsversammlung am Donnerstag seien laut Gelder alle froh gewesen, dass es keine neuen Hiobsbotschaften gab. Doch die Unsicherheit bleibe.

Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, hat weiterhin Sorge um den Standort des Unternehmens. Archivfoto:Marion Janßen
Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, hat weiterhin Sorge um den Standort des Unternehmens. Archivfoto:Marion Janßen

Die Atmosphäre war angenehm, schildert IG-Metall-Bevollmächtigter Gelder. Der Gesprächsverlauf sei deutlich besser gewesen als mit dem Vorgänger Aequita. „Man ist gesprächsbereit. Uns wurde gesagt, man brauche Zeit. Das ist ja auch normal“, so Gelder. Im ersten Aufschlag sei das Auftreten in Ordnung gewesen. Die Verhandlungsergebnisse seien ein erster Schritt, die Opti-Mitarbeiter in Rhauderfehn wieder zu motivieren, die in den vergangenen Monaten durch die firmeninternen Entwicklungen sehr gebeutelt worden seien. Doch die Sorge um den Standort bleibe, so Gewerkschafter Gelder. Die Accursia-Vertreter hätten kein Zukunftskonzept vorgelegt.

Fehlendes Zukunftskonzept schürt Unsicherheit

„Es bedarf weiterhin der Gespräche und Verhandlungen“, machte Gelder deutlich. Der neue Investor müsse sein Zukunftskonzept vorstellen. Zwar hätten die Accursia-Vertreter zugesichert, zeitnah auf den Standort Rhauderfehn zukommen zu wollen. „Aber das heißt ja alles erstmal nichts. Vielleicht zahlen sie ja das Geld, entlassen dann aber etliche Mitarbeiter“, bringt Gelder seine Sorgen auf den Punkt. Doch erstmal blieben alle. Er könne den neuen Kapitalgeber nicht einschätzen und hoffe einfach, dass das Werk Rhauderfehn weitergeführt werde. Was Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft mit der Aequita erlebten, die auf diversen Demonstrationen „Heuschrecke“ genannt wurde,, sei „überhaupt nicht in Ordnung gewesen, sagt Gelder. Das scheint beim aktuellen Eigentümer anders zu sein.

Betriebsratsvorsitzender zufrieden

Als „letzte Schandtat der Aequita“ bezeichnet Marcel Taubert, Opti-Betriebsratsvorsitzender, die vorenthaltene Lohnerhöhung und Einmalzahlung. Es sei zu begrüßen, dass der neue Gesellschafter angekündigt habe, sich an die tarifliche Bindung halten zu wollen. Der neue Firmenname Yourzip erscheine zwar erst einmal seltsam. Aber von Seiten der Kunden gebe es deshalb keine Bedenken, so Taubert. Auch er bestätigt, das das erste Gespräch mit der Accursia GmbH harmonischer verlaufen sei als die mit der Aequita. Er sei froh, dass eine Einigung erzielt worden sei, was die ausstehenden Zahlungen betreffe.

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