Osnabrück Umfrage-Hammer in Sachsen-Anhalt: Dieser Kniff bringt die AfD auf neues Level
Ein Jahr vor der Landtagswahl liegt die AfD in Sachsen-Anhalt auf einmal bei 39 Prozent, weit vor der CDU. Dahinter steckt auch ein Strategiewechsel: Die rechte Partei wandelt sich gerade – mit einem neuen Stil, der so einfach wie entwaffnend ist.
„Angst für Deutschland“ hieß ein Bestseller, den vor einigen Jahren die damalige „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann über den Aufstieg der AfD geschrieben hat, und der Sound des Titels prägt die Auseinandersetzung mit der Partei bis heute: Noch immer halten viele das Ganze für ein letztlich fremdartiges Protestphänomen, bei dem Unsympathen wie Höcke oder Weidel mit finsterer Miene noch finstere Parolen herunterschimpfen. Und das muss doch, so würde man meinen, zwangsläufig irgendwann leer drehen, denn Angst ist ja nichts, was Menschen auf Dauer gern hätten.
Die neue Hammer-Umfrage aus Sachsen-Anhalt, bei der die AfD ein Jahr vor der Landtagswahl nun auf 39 Prozent kommt und die regierende CDU (27 Prozent) weit hinter sich lässt, wäre allerdings ein guter Anlass, diese klassische Analyse zu überdenken. Der spektakuläre Erfolg der AfD, der darin zum Ausdruck kommt, hat nämlich auch damit zu tun, dass die Partei den nächsten und womöglich entscheidenden Schritt gemacht hat.
Ihr Magdeburger Spitzenmann ist zwar inhaltlich selbst für AfD-Verhältnisse einer von den ganz Strammen. Die Art, mit der Ulrich Siegmund seine Positionen in seinen Social-Media-Videos vorträgt, ist aber eine geradezu entwaffnend neue. Er spricht von Hoffnung, lacht viel, jubelt mit Anhängern, wirkt jugendlich gut gelaunt mit seinen 34 Jahren. Seine Botschaft lautet: Deutschland ist abgehängt, ja, aber das wird ja bald wieder anders, wenn nur wir bald drankommen. Ein Höcke in heiter, der plötzlich nicht mehr Angst predigt, sondern Mut.
Ist dieser Stil nun also unbesiegbar? Natürlich nicht: Auch die anderen Parteien können ja versuchen, das offensichtliche Bedürfnis der Menschen nach Aufbruch und Zuversicht anzusprechen, und das womöglich glaubwürdiger als die Rechten. Nur: Dazu müssten sie sich nur schnell genug auf den Strategiewechsel der AfD einstellen. Ob sie das schaffen? Die Zahlen aus Sachsen-Anhalt müssten jedenfalls noch die allerletzten aufgeweckt haben.