Osnabrück Vandalismus plus Diebstahl beim TSV Havelse: Polizei sucht Zeugen - und in Fanszene des VfL Osnabrück
Die Polizei Hannover hat einen Schaden im sechsstelligen Bereich durch erhebliche Sachbeschädigungen im Stadion des TSV Havelse bestätigt - verursacht in der Nacht vor dem Gastspiel des VfL Osnabrück bei den Garbsenern. Die Ermittler vermuten die Täter in der Fanszene des VfL - und suchen nun nach Zeugen.
Im Zeitraum zwischen 19 Uhr am Freitagabend und 7 Uhr am Samstagmorgen haben die Täter zugeschlagen: Das haben erste Ermittlungen der Polizei zur Vandalismus-Aktion im Stadion des TSV Havelse vor dem Gastspiel des VfL Osnabrück beim Vorortklub von Hannover in der 3. Fußball-Liga ergeben. Die Polizei bestätigt einen Schaden im sechsstelligen Bereich, teilt mit, dass sie die Täter aufgrund des Inhalts der Schmierereien, die Ticketpreise thematisieren, in der Fanszene des VfL Osnabrück vermutet - und ruft Zeugen auf, sich zu melden.
„Sie besprühten die Wände mit über hundert Graffiti, beschädigten Türen und Tore und brachen in die Sprecherkabine ein, wo sie Technik und Kleidung entwendeten. Außerdem wurden vor dem Stadion abgestellte Fahrzeuge eines Fußballvereins beschädigt“, teilte die Polizei zu den Taten im Detail mit. Man habe Spuren gesichert und Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und Einbruchdiebstahls eingeleitet.
Währenddessen hat auch beim VfL Osnabrück die Aufarbeitung der Ereignisse begonnen - insbesondere mit Blick auf die problematische Plakataktion während des Spiels im Gästefanblock im Eilenriedestadion, als sich größere Teile der Fans mit den Straftätern aus der Nacht zuvor solidarisierten. Dabei geht man zweigleisig vor: Einerseits hält man den Kontakt zum TSV Havelse, dem man Hilfe anbietet: Bei den Aufräumarbeiten durch eigene helfende Hände oder durch die Vermittlung des Kontaktes zu Fachfirmen aus dem eigenen Sponsorenpool.
Andererseits führt der Verein nach erfolgter Abstimmung in den Gremien zu Beginn der Woche nun intensive persönliche Gespräche mit der eigenen Fanszene. Wobei klargemacht wird, dass man Vandalisus weiterhin auf das Schärfste verurteilt und nicht duldet. „Bei allem Verständnis für ein berechtigtes Protestanliegen darf das nicht der Weg sein“, sagt Geschäftsführer Michael Welling, der zu diesem Thema aber in ausdrücklicher Abstimmung mit dem Präsidium und dem Beirat spricht.
„Wichtig war uns auch, zu signalisieren: Wir wollen den Dialog mit den Fans weiter aufrechterhalten. Diese völlig inakzeptable Aktion hat allerdings leider einiges an von dem Vertrauen zerstört, was Fans und Verein in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, und nachhaltig beschädigt.“ Veränderungen im Verhältnis zu den Fans, etwa bei der Zusammenarbeit an Spieltagen, stehen somit im Raum - schon im Statement nach dem Havelse-Spiel hatte die VfL-Führung signalisiert, dass man nach diesen Vorfällen nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen kann. „Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob eine Annäherung hier möglich sein wird“, so Welling.
Positioniert hat sich die Fanabteilung des VfL mit Blick auf eine lebendige und friedliche Fankultur. Protest gehöre ausdrücklich dazu - aber nicht in der Form, wie es in Havelse der Fall war, teilt die FA in einem Statement gegenüber den NOZ Medien mit und ergänzt: „Bei unserem VfL hat sich in den letzten Jahren ein vertrauensvolles und produktives Netzwerk im Bereich der Fanarbeit gebildet. Als Teil dieses Netzwerks setzen wir nun alles daran, dass sich diese Struktur als belastbar erweist und aus ihr heraus das Thema nachhaltig aufgearbeitet wird.“
Nicht geäußert zu den Vorfällen hat sich bis dato die führende Ultra-Gruppierung Violet Crew: Ein am Mittwoch zu den Vorfällen versendeter Fragenkatalog blieb bis dato unbeantwortet. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass in der Ultraszene selbst leidenschaftlich über den Sinn der Aktion diskutiert wird und auch dort verschiedene Standpunkte aufeinanderprallen: Zwischen jenen, die für Protest in gerne auch mal unangepasster, aber friedlicher Form eintreten - und erlebnis-orierntierteren jüngeren Gruppierungen mit deutlich weniger Hemmungen, auch im illegalen Raum zu eskalieren.
Gehandelt hat indes VfL-Fan Lorenz Menkhaus, der über das Internet eine Spendenaktion für den TSV Havelse unter dem Motto „Gegen blinde Zerstörung“ ins Leben gerufen und mit 90 Unterstützern schon knapp 2000 Euro (Stand. Freitagnachmittag) gesammelt hat. „Ich war in Hannover im Stadion im Zusatzblock an der Seite und habe deshalb vom Ausmaß der Ereignisse und den ganzen Zusammenhängen erst auf der Rückfahrt im Zug mitbekommen. Dass nun vor allem Amateur- und Jugendsportler sowie das Ehrenamt darunter leiden, hat mir einfach total leid getan“, berichtet der 29-Jährige.
Im Zentrum der Aktion stehe nicht der Gedanke, Geld zu geben für ein reineres Gewissen, so der Dauerkarteninhaber. „Mir geht es einfach darum, mit einer Geste ein Zeichen zu setzen: Wir als VfL-Gemeinschaft stehen für andere Werte wie Zusammenhalt und Familienfreundlichkeit, die wir in den letzten Jahren erfolgreich etabliert haben.“ Als Zielmarke hat Menkhaus 1912 Euro angesetzt - das Gründungsjahr des TSV Havelse haben die Spender aus Osnabrück somit bereits geknackt...