Osnabrück Umgang mit Randale in Havelse wird zur Belastungsprobe für den VfL Osnabrück und seine Fans
Nach dem Heimspiel gegen Hansa Rostock am Sonntag will der VfL Osnabrück die Becherpfand-Spenden an den TSV Havelse überweisen. Auf dessen Anlage hatten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Chaoten aus der Fanszene des VfL randaliert. Die Zeichen, dass der VfL auf klare Distanz zu jenen geht, die Straftaten begehen oder diese decken, werden deutlicher.
Am Sonntag (13:30 Uhr, Bremer Brücke) empfangen die Fußballer des VfL Osnabrück den FC Hansa Rostock. Der Erlös aus den rund um die Drittliga-Partie gespendeten Getränkebechern, deren Pfand die Fans nicht selbst zurückfordern, geht dabei an den TSV Havelse - meistens handelt es sich hier um eine Summe jenseits der Marke von 2000 Euro. Das Geld soll an den eingetragenen Verein der Garbsener und damit die Jugendarbeit des TSV gehen - es ist aber das erste Mal, dass die Spende an einen anderen Drittliga-Fußballklub und nicht an eine karitative Organisation oder das eigene Nachwuchsleistungszentrum geht. Und die Debatten dazu sind nicht der einzige Punkt, der Spannungen im VfL-Umfeld offenbart.
Im Vorfeld des VfL-Gastspiels beim TSV Havelse vor neun Tagen war es auf dem Vereinsgelände in Garbsen zu einem Einbruch mit Sachbeschädigung gekommen - die Täter werden im Umfeld der Fanszene der Lila-Weißen vermutet. Die Polizei ermittelt, der TSV arbeitet an der Beseitigung der Schäden – und der VfL teilt mit, er habe Hilfe zugesagt, etwa beim jüngsten Besuch des VfL-Präsidiums zum Niedersachsenpokalduell der U19, das Havelse souverän mit 4:1 nach 3:0-Pausenführung gewann.
Zum Start des Vorverkaufs der Havelse-Tickets hatte die Klubführung des VfL zusammen mit VfL-Faninstitutionen die - aus deren subjektiver Sicht - hohen Ticketpreise der Garbsener sehr deutlich kritisiert, obwohl diese nur minimal teurer waren als Gästetickets an der Tageskasse in Osnabrück.
Nun stellen Präsidium und Geschäftsführung der Lila-Weißen für das Rückspiel an der Bremer Brücke im Februar dem TSV Havelse das gesamte Gästekontingent an Eintrittskarten kostenlos zur Verfügung. Es handelt sich dabei um etwa 1.200 Tickets, die der TSV selbstbestimmt verwenden kann. Die Pfandspende indes reiht sich ein in eine Sammelaktion, die der TSV Havelse selbst gestartet hatte, sowie die Initiative eines Fans des VfL mit derselben Stoßrichtung.
Dazu teilen die Lila-Weißen mit, dass die Aufarbeitung der Vorfälle in Havelse für den VfL damit nicht beendet sei. „Erste Gespräche mit der organisierten Fanszene haben stattgefunden“, heißt es. Interessant ist der abschließende Satz der Mitteilung: Nun gehe es „auch darum, eine mögliche Basis für die Zukunft zu entwickeln mit denjenigen Personenkreisen, die dafür auf Basis der Klubwerte bereit sind.“
Das klingt nach einer klaren Absetzbewegung der VfL-Führung von jenen kleinen Teilen der Fanszene, deren Handlungen zuletzt nicht mehr auf dem Boden der Gesetze und der freiheitlich demokratischen Grundordnung fußten - und wohl auch zu jenen aus der Szene, die bereit sind, Taten solcher Leute tolerierend zu decken. In jedem Fall stellt der Vorfall sowie der Umgang damit das zuletzt so harmonische Verhältnis zwischen Verein und Fans, die in den letzten Jahren so gut wie immer als Einheit auftraten, auf eine harte Belastungsprobe.
Selbiges gilt wohl auch für den Zusammenhalt innerhalb der Fanszene selbst: Beim Heimspiel am Sonntag gegen Rostock werden sich gerade in der Ostkurve Menschen treffen, die höchst verschiedene Meinungen zu den Vorkommnissen in Havelse haben und sicher auch am Rande des Spiels darüber debattieren. Interessant wird sein, zu beobachten, ob diese Dinge Auswirkungen auf die Stimmung im Stadion und den Support der Mannschaft haben werden.
Veränderungen im VfL-Umfeld sind bereits jetzt an Kleinigkeiten spürbar. Etwa in der Übernahme und Verbreitung des Zeugenaufrufs der Polizei zu den Havelse-Vorfällen durch die Vereinsmedien: Ein zumindest ungewöhnliches Vorgehen, das aber nochmal zeigt, wie sehr die VfL-Führung die Geschehnisse in Garbsen verurteilt. Auch die zuletzt reduzierten Aktivitäten im Fanprojekt deuten auf eine mögliche Zäsur hin. Neben der Absage von Veranstaltungen gibt es auch keine für das Wochenende im Stadtteil Schinkel geplante Bemalung von Stromkästen in den Farben lila-weiß, obwohl die Freigabe der Stadtwerke dafür schon vorlag.