Prozess in Aurich Ehepaar gesteht Missbrauch der Nichte
Ein 34-jähriger Mann aus Südbrookmerland hat gestanden, seine damals neunjährige Nichte mehrfach missbraucht zu haben. Seine Frau gab zu, ihm dabei geholfen und eine der Taten fotografiert zu haben.
Aurich/Südbrookmerland - Bis auf den letzten Platz gefüllt war am Mittwochnachmittag der Zuschauerraum im Schwurgerichtssaal des Auricher Landgerichts. Zahlreiche Besucher wollten selbst hören, was die beiden Angeklagten zum Vorwurf, ihre neunjährige Nichte missbraucht zu haben, zu sagen hatten. Die Aussagen der Beschuldigten schockierten einige Prozessbeobachter dann aber derart, dass sie den Saal verließen.
Wie berichtet, wird einem 34-jährigen Mann aus Südbrookmerland vorgeworfen, seine damals neunjährige Nichte mehrfach sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Seiner Ehefrau wird vorgeworfen, ihn dabei unterstützt und mindestens eine der Taten fotografiert zu haben. Darüber hinaus geht es im Verfahren gegen den Mann um den Besitz von Kinderpornografie und einen Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz.
Große Erinnerungslücken im Geständnis
Wie bereits zum Prozessauftakt vor zwei Wochen angekündigt, räumte der Angeklagte den Tatvorwurf im Wesentlichen ein. Dazu hatte er gemeinsam mit seinem Verteidiger eine Erklärung vorbereitet. Sich an einzelne Taten und zeitliche Abläufe zu erinnern, fiel dem 34-Jährigen sichtlich schwer. Zwar gab er zu, das Mädchen mehrfach sexuell missbraucht zu haben. An Details konnte er sich aber zumeist nur schwer und oft auch gar nicht erinnern.
Zunächst habe es mit harmlosen Berührungen angefangen und sich dann immer weiter gesteigert. Die Neunjährige sei seinerzeit häufig im Haus von ihm und seiner Frau gewesen, um mit der gemeinsamen Tochter zu spielen. Die Mädchen hätten sich gut verstanden. Später habe er immer wieder seine Frau gebeten, das Mädchen zu bitten, sie zu besuchen. Auch mit dem Vorsatz, sich in sexueller Weise an ihr zu vergehen.
Nach der ersten Tat habe er seiner Frau davon berichtet, so der Angeklagte. Damals habe sie ihn noch als „Schwein“ bezeichnet, wie er später auf Nachfrage angab. „Später wollte sie auch, dass ich das mache.“
Frau wollte angeblich Beweise sammeln
Davon wollte die Frau indes nichts wissen. Sie gab zwar zu, von den Taten gewusst und diese auch durch das Einladen des Mädchens unterstützt zu haben. Dies habe sie jedoch nur aus Angst vor ihrem Mann getan, der sie immer wieder geschlagen habe. Außerdem habe er in verschiedener Weise gedroht. Beispielsweise damit, dass er die Eltern der Beschuldigten „abstechen“ oder das Haus anzünden wolle, während die Familie darin schlafe.
Doch in ihrer Aussage verstrickte sich die Angeklagte immer wieder in Widersprüche. So gab sie an, sich per Whatsapp mit ihrem Mann über die Taten ausgetauscht zu haben, um etwas Schriftliches gegen ihn in der Hand zu haben. Aus dem gleichen Grund habe sie auch eine der Taten fotografiert. Wie berichtet, wird ihr unter anderem dies zur Last gelegt. So soll sich das Mädchen laut Anklage während einer Tat hilfesuchend an ihre Tante – die Beschuldigte – gewandt haben. Die habe jedoch nur ein Foto gemacht und sei dann gegangen.
Das Foto, so die Angeklagte am Mittwoch, sollte als Beweis gegen ihren Mann dienen. Danach habe sie ihn aufgefordert, sich selbst bei der Polizei anzuzeigen. Doch diese Aufforderung gab es erst neun Monate nach dem Foto. Und sie zielte nicht auf den Missbrauch, sondern auf den Besitz von Kinderpornos ab. Kurz zuvor hatte die Polizei die Wohnung des Paares durchsucht und dabei das Handy des Beschuldigten sichergestellt.
Neunjährige wandte sich an Patentante
Für die zahlreichen Zuschauer im Gerichtssaal waren die Angaben der Beschuldigten reine Schutzbehauptungen, was einige von ihnen auch durchaus hörbar kundtaten. Wenngleich Richter Bastian Witte sich der Aufforderung eines Verteidigers anschloss, im Zuschauerraum leise zu sein, zeigte er an die Angeklagte gerichtet durchaus Verständnis für die Reaktionen. Es gebe bislang nicht sonderlich viele Anhaltspunkte dafür, dass ihre Geschichte stimmt. „Das macht keinen Sinn“, so der Vorsitzende.
Ebenfalls als Zeugin vernommen wurde am Mittwoch die Patentante des mutmaßlichen Opfers. Ihr hatte sich das Mädchen offenbart und von einer Vergewaltigung berichtet, bei der auch das Foto entstanden sein soll. Dass es zu einer Vergewaltigung gekommen ist, bestreitet der Angeklagte indes, während er Missbrauchstaten eingeräumt hat. Diese habe es neun oder zehn Mal gegeben. Die Patentante gab an, bezüglich des Beschuldigten von Anfang an kein gutes Gefühl gehabt zu haben. „Ich habe ihn gesehen und gewusst, dass er auf Kinder steht“, sagte sie.
Seitens des Gerichts hatte es die Hoffnung gegeben, dass dem Mädchen durch die Einlassungen der Angeklagten eine Aussage vor Gericht erspart bleiben würde. Weil jedoch der Vergewaltigungsvorwurf streitig ist, ist eine Vernehmung des mutmaßlichen Opfers unumgänglich. Die wird am nächsten Prozesstag, dem 24. September, erwartet. Wie Richter Bastian Witte unserer Redaktion auf Anfrage sagte, wird die Öffentlichkeit für die Vernehmung aller Voraussicht nach ausgeschlossen.