Osnabrück Drohnen über Polen – die Nato muss alarmiert sein, aber nicht panisch
Panik ist der schlechteste Ratgeber in Zeiten erhöhter Spannung. Nach dem Abschuss mutmaßlich russischer Drohnen über Polen braucht es kühle Köpfe bei der Nato – nicht Alarmismus, sondern kluge Bündnispolitik.
Nichts Genaues weiß man nicht – mit diesem altbekannten Spruch lässt sich der Stand der Dinge nach dem Abschuss mutmaßlich russischer Drohnen über Polen wohl am ehesten zusammenfassen. Fakt ist: Kampfjets stiegen auf, Drohnen wurden zerstört, Trümmer sind auf polnischem Territorium niedergegangen.
Wer aber genau hinter der Luftraumverletzung steckt, welche Absicht ihn leitete, ob Moskau die Verteidigungsbereitschaft der Nato aktiv testen wollte oder es sich um technische Irrläufer handelte – all das bleibt im Nebel von Mutmaßungen. Und weil so vieles unklar ist, hat die Nato besonnen reagiert – und das sollte auch so bleiben.
Ja, Russland testet seit Längerem fortlaufend die Geduld und Wehrhaftigkeit des Westens. Ja, Provokationen gehören zum Arsenal hybrider Einschüchterung. Wer aber jetzt die Schlagzeilen mit der Rhetorik eines drohenden Dritten Weltkrieges füttert, der spielt Wladimir Putin geradewegs in die Karten. Der Kreml lebt schließlich von Eskalationsängsten. Macht sich, wer das Armageddon beschwört, nicht zum Komplizen dieses Spiels?
Die Nato tut gut daran, nichts übers Knie zu brechen. Besonnenheit ist Stärke, nicht Schwäche. Das Bündnis hat Mechanismen, Vorfälle wie diesen zu prüfen, einzustufen und geschlossen darauf zu reagieren. Es rüstet nicht erst seit gestern auf – und das auch nicht nur an der Ostflanke.
Denn kleinreden sollte man die Bedrohung keineswegs. Bei Putin weiß man bekanntlich nie wirklich, woran man ist – das hat er wiederholt bewiesen. Noch kurz vor dem Einmarsch in die Ukraine versicherte der Kreml, keinen Krieg führen zu wollen. Die Realität sah wenig später anders aus. Auch wenn Besonnenheit also die richtige Antwort auf Provokationen ist, darf Wachsamkeit nie nachlassen. Wer Russlands Vorgehen unterschätzt, riskiert am Ende, vom Tempo der Ereignisse überrollt zu werden.
Entscheidend ist, dass man in Washington, Berlin, Warschau und Brüssel dieselbe Sprache spricht und sich nicht auseinanderdividieren lässt. Die Botschaft an Moskau muss lauten: Wir lassen uns nicht provozieren. Wir bleiben wachsam, aber wir hüten uns vor Hysterie. Wer kühlen Kopf bewahrt, entzieht der Inszenierung ihren Reiz. Und das ist die klügste Antwort, die der Westen im Moment geben kann.