Molkereiverkauf  So denken die Landwirte über den Verkauf der Molkerei Rücker

Björn Klüver
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Von Björn Klüver
| 19.09.2025 07:57 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Ostfriesland gibt es viele Milchbauern. Was sagen sie zum Verkauf der Auricher Molkerei Rücker? DPA-Symbolfoto: Lino Mirgeler
In Ostfriesland gibt es viele Milchbauern. Was sagen sie zum Verkauf der Auricher Molkerei Rücker? DPA-Symbolfoto: Lino Mirgeler
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Die Ankündigung des Verkaufs der Molkerei Rücker an Meggle hat medial hohe Wellen geschlagen. Doch wie denken eigentlich die Milchbauern in der Region über den Verkauf?

Aurich - Vor zwei Wochen wurde der Verkauf von Rücker, der letzten großen Molkerei Ostfrieslands, an die Meggle Holding SE verkündet. In den sozialen Medien wurde viel über das Thema diskutiert. Viele Kunden machten sich um den Fortbestand der Produkte von Rücker Sorgen. Doch wie blicken eigentlich die Landwirte Ostfrieslands auf den Verkauf? Für sie ist Rücker zusammen mit der Molkerei Ammerland der zentrale Abnehmer ihrer Milch in der Region. Wir haben nachgefragt.

Auch viele Landwirte hatten nicht mit einem Verkauf gerechnet. „Die Übernahme der Molkerei Rücker durch die Meggle Holding SE kam für die Branche überraschend“, sagt Heinz-Hermann Hertz-Kleptow, Geschäftsführer des Kreisverbands Aurich vom Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland. Dabei sei die Bedeutung Rückers für die ostfriesischen Landwirte nicht zu unterschätzen. „Die größte Einkommensposition vieler Lieferanten ist das Milchgeld, daher kann durchaus von einer tragenden Rolle der Molkerei für die an sie liefernden Betriebe gesprochen werden“, so Hertz-Kleptow.

Der Blick zurück

„Wir werden Klaus Rücker vermissen“, sagt Peter Habbena. Er ist Landesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter und hat selbst einen Hof in Schoonorth in der Krummhörn. Rücker habe über die Jahre immer innovative Ideen gehabt und somit zu einer Belebung des Marktes beigetragen. Was er an der Molkerei besonders schätze, sei die stets offene Kommunikation. „Rücker hat immer den Dialog mit den Landwirten gesucht“, so Habbena.

Peter Habbena ist Landwirt aus der Krummhörn. Foto. Klaus Ortgies/Archiv
Peter Habbena ist Landwirt aus der Krummhörn. Foto. Klaus Ortgies/Archiv

Das sieht auch Hertz-Kleptow so. „Der Molkerei Rücker war immer eine enge Beziehung zwischen Landwirt und Molkerei wichtig. Wünschenswert wäre, dass der neue Eigentümer diese Struktur fortführt.“ Gerade dank der Lieferantenbetreuer und einem Lieferantenausschuss habe die Kommunikation immer hervorragend funktioniert.

Der Blick nach vorn

Zuversichtlich stimmen Hertz-Kleptow die bisherigen Ankündigungen von Meggle. In ihren Pressemitteilungen habe das bayrische Unternehmen vor allem die gemeinsamen Werte mit Rücker hervorgehoben. „Das deckt sich mit dem Denken und Handeln unserer Landwirte und sollte als Chance für den Molkereistandort Aurich gesehen werden“, so Kleptow.

Aber nicht alle denken so positiv. Für Peter Habbena ist vor allem die zunehmende Marktzentrierung ein Problem. „Am Markt wird Rücker fehlen“, sagt er. Der Preisdruck auf die Landwirte könne so noch größer werden. „Besser wird es jedenfalls nicht“, so der Landwirt. Für ihn bleibt ebenfalls offen, wie der neue Eigentümer mit den ostfriesischen Besonderheiten der Landwirtschaft umgehen wird. Die ostfriesischen Landwirte hätten viel auf Biodiversität gesetzt. Das gäbe es in Bayern so nicht. Habbena selbst habe sich in der Vergangenheit aktiv gegen eine weitere Expansion seines Betriebes entschieden und stattdessen Demeter-Standards auf seinem Hof eingeführt. Er befürchtet auch, dass durch die Übernahme vor allem kleinere Betriebe vernachlässigt werden.

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