Los Angeles Trump triumphiert: Warum Jimmy Kimmel abgesetzt wurde
Binnen acht Wochen werden zwei der schärfsten Trump-Kritiker aus dem Fernsehen verbannt: Nach der Late Show von Stephen Colbert wird auch die von Jimmy Kimmel abgesetzt. Welches Wort beschreibt diesen Angriff auf die Meinungsfreiheit am besten?
„Wie ich höre, trifft es Jimmy Kimmel als Nächsten“ – das sagte Donald Trump, als im Juli die Late Show von Stephen Colbert abgesetzt wurde. Acht Wochen später hat es Kimmel wirklich getroffen. Wie Colbert ist er ein scharfer Gegner Trumps und auch seine Show wird bis auf Weiteres abgesetzt – wegen einer Bemerkung, die Charlie Kirks Attentäter in die Nähe des Trump-Lagers rückte. Und die tatsächlich sehr angreifbar war.
Was soll man zu diesem Doppelschlag gegen die liberale Satire sagen? Der demokratische Senator Ed Markey spricht von Zensur. Taylor Budowich dagegen, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus, nennt es lieber „consequences culture“, eine Kultur der Konsequenzen also – was elegant den passenderen Begriff von der „cancel culture“ vermeidet. Den brauchen Leute wie er schließlich noch für die eigene Opferrolle.
Hier sehen Sie den Monolog, der Jimmy Kimmels Show beendete – die Passage beginnt ab Minute 6:00
Natürlich gibt es in den USA auch unter Trump keine Zensur. Es gibt aber eine Behörde, die den Rundfunk reguliert und über Senderlizenzen entscheidet: die FCC. An deren Spitze sitzt ein Trump-Loyalist, der seiner nominellen Unabhängigkeit zum Trotz erklärt hat: Er will die Agenda seines Präsidenten umsetzen. Dazu gehört offenbar das Mundtotmachen von Kritikern. Der FCC-Chef tut das Seine, indem er Druck auf die Sender aufbaut.
Abgesetzt haben die Medienkonzerne ihre Shows dann allerdings selbst. Aus Angst vor wirtschaftlichen Konsequenzen opfert die Unterhaltungsindustrie ihre Stars – und mit ihnen die Meinungsfreiheit. Das ist gefährlich. Und es lässt an ein drittes Wort denken: an den McCarthyismus. In den 1950ern ist die Unterhaltungsindustrie schon einmal vor der politischen Stimmung eingeknickt und hat die eigenen Leute auf schwarze Listen gesetzt.
Das neue Klima der Angst genießt keiner mehr als Trump. Mit immer mehr Prozessen gegen Medienhäuser facht er es weiter an. Gerade will er die „New York Times“ verklagen – auf 15 Milliarden Dollar. Seinen Triumph über Kimmel bejubelt der US-Präsident aber wohl eher aus gekränkter Eitelkeit als aus Kalkül. Schaden konnten Kimmel und Colbert ihm sowieso kaum. Kein Trump-Wähler guckt ihre Shows.
Auch das ist ein Fehler, den die Medien sich selbst zuzuschreiben haben: Die Hälfte der Zuschauer haben sie ziehen lassen. Damit wurden Sie Teil einer Polarisierung, die Trump jetzt bemerkenswert skrupellos ausnutzt. Er ist schon wieder einen Schritt weiter – und fordert den Sender NBC auf, zwei weitere Late-Talker zu feuern.