Osnabrück „JO-Quartier“: So soll die Johannisstraße das Image als Osnabrücker Brennpunkt loswerden
Aus der Johannisstraße in Osnabrück soll das „Jo-Quartier“ werden: Unternehmer und Anwohner haben Pläne für mehr Vernetzung, Attraktivität und Sicherheit. Wie das Brennpunkt-Image abgelegt werden und das Viertel ein positives Gesicht bekommen soll.
In und um die Johannisstraße tut sich was. Gut 20 Unternehmer und Anwohner waren jetzt der Einladung von Quartiersmanager Daniel Lindholz in das Niels-Stensen-Bildungszentrum gefolgt und diskutierten darüber, wie sie die Gegend rund um die Johannisstraße stärken wollen. Ziel ist eine stärkere Vernetzung – und wenn es klappt und genügend mitmachen, sogar die Gründung einer Interessengemeinschaft.
In den vergangenen Monaten habe sich viel getan – positiv, das klang bei allen Wortbeiträgen mit. Das zeigte sich zum Beispiel beim gelungenen Nachbarschaftsfest vor der Johanniskirche im vergangenen Juni. Das Sicherheitsgefühl habe sich verstärkt, nicht zuletzt wegen des Waffen- und Alkoholverbots, das nun vom Rat um ein Jahr verlängert wurde und das Teil eines Zehn-Punkte-Plans für das Johannisquartier in Osnabrück ist.
„Was wir aber brauchen, ist ein richtiger Imagewandel“, brachte es Oliver Bücker, Inhaber des gleichnamigen Fahrradgeschäftes an der Johannisstraße, auf den Punkt und erntete viel Zustimmung. Eine Idee gibt es bereits: das JO-Quartier. Mit dem neuen Namen könne das Viertel seinen schlechten Ruf hinter sich lassen.
Entwürfe, wie ein zukünftiges Logo aussehen könnte, gab es während des Treffens schon zu sehen und auch Vorschläge für einen Slogan. Die meisten stimmten für „Bunte Wirtschaft. Starker Kiez“. Die Vorschläge kommen aus der Unternehmerschaft der Johannisstraße.
Das JO-Quartier soll attraktiver werden. Die Menschen sollen wieder gerne ins Viertel kommen und dort unterwegs sein. Ein belebter Stadtteil schütze auch vor Kriminalität. Es müsse etwas getan werden, damit die mittlerweile vornehmlich in den Schlossgarten abgewanderte Drogen- und Alkoholszene nicht wieder zurückkomme.
Das Thema „Sicherheit“ ist auch Carsten Oberpenning, Krankenhausdirektor des Marienhospitals der Niels-Stensen-Kliniken, besonders wichtig. In dem Krankenhaus an der Bischofstraße, mittendrin im Johannisquartier, arbeiten rund 2600 Menschen. Das MHO würde mitmachen und sich an einem künftigen Zusammenschluss beteiligen. „Bei Schichtwechseln müssen unsere Mitarbeiter sicher unterwegs sein können“, sagt Oberpenning. Vieles habe sich gut entwickelt, „aber es ist noch viel Luft nach oben“.
Damit ein Zusammenschluss gelingen kann, braucht es immer mindestens „einen, der den Vortänzer macht“: Das berichteten die Vorsitzenden der Osnabrücker Interessengemeinschaft südliche Innenstadt, Lotter Straße und Altstadt aus ihrer Erfahrung. Sogenannte „Trittbrettfahrer“, die zwar von Aktivitäten, beispielsweise Weihnachtsbeleuchtung und Straßenfesten profitieren, aber keinen Mitgliedsbeitrag zahlen wollen, seien nur durch persönliche Ansprache und Kommunikation zum Mitmachen zu gewinnen, lautete ihr Ratschlag.
Begleitend und unterstützend steht den Interessengemeinschaften in Osnabrück die Marketing Osnabrück (MO) als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Iris Pohl ist dort für das Citymanagement zuständig. Ihr geht es darum, „an den Stärken des Johannisviertels zu arbeiten und diese nach vorne zu bringen“. Beim Auftakttreffen spürte Pohl „eine Aufbruchstimmung“: „Da lodert was“, freute sie sich.
Bei allem Guten brachten die Geschäftsleute aber auch ihre Kritik zum Ausdruck – etwa dass die Johannisstraße bei Veranstaltungen in Osnabrück wie der Maiwoche abgehängt sei. Die Stadt müsse ihre Kommunikation verbessern. „Es muss den Betreibern noch mal klar gesagt werden, dass sie für die Reinigung des Bürgersteigs vor ihren Läden verantwortlich sind“, forderte ein Teilnehmer.
Und dann sind da noch die Busse, die teilweise viel zu schnell „mit 50 Kilometern in der Stunde vom Neumarkt kommend durch die Johannisstraße brettern“ würden. Friseurmeister Christoph Schildmann erinnerte daran, dass die Johannisstraße weiter geht als nur bis zur Johanniskirche und bei zukünftigen Aktivitäten das gesamte Viertel, also auch die Nebenstraßen, eingebunden werden sollten.
Mit Blick auf die Größe des Viertels und in die Nachbarschaft wurde im Laufe des Abends auch ergebnisoffen angedacht, ob möglicherweise ein Zusammengehen mit der Interessengemeinschaft Südliche Innenstadt sinnvoll wäre.
Wie geht es jetzt weiter? Wer wollte, konnte für eine erste Vernetzung seine Handynummer angeben, um sich per Chatnachrichten auf dem Laufenden zu halten. Ein zweites Treffen ist bereits in Planung. Und Quartiersmanager Daniel Lindholz versicherte seine Unterstützung: „Ich bleibe hier jedenfalls länger.“