Warschau Fund von F-16-Raketenteilen in Polen wirft Fragen zur Luftabwehr und Verteidigungsfähigkeit auf
Mehrere dunkelgrüne Kleinbusse stehen auf einem abgeernteten Stoppelfeld nahe des ostpolnischen Dorfes Choiny. Dort entdeckte die polnische Militärpolizei in der Nacht auf Freitag Fragmente einer Rakete, die vermutlich zu einem Kampfflugzeug des Typs F-16 gehören.
Der polnische Pilot soll in der Nacht auf den 10. September eine Drohne aus Russland abgeschossen oder es versucht haben, die polnischen Behörden lassen dies offen. Der Angriff von 19 bis 23 russischen Flugkörpern beschäftigt die polnischen Behörden weiterhin vor allem im östlichen Teil des Landes mit Suchaktionen. Auch die Suche nach dem wirklichen Ablauf der Ereignisse in der vergangenen Woche scheint noch nicht abgeschlossen.
Während Russland die Verantwortlichkeit für die vermeintliche Drohnenattacke weiterhin von sich weist, will die polnische Regierung in einem Falle auch keine Auskunft geben. Zwar kamen in jener Nacht keine Menschen zu Schaden, jedoch wurde ein Wohnhaus in dem Dorf Wyryki beschädigt. Offiziell hieß es anfangs, dass der Dachstuhl und das Wohnzimmer durch eine Drohne zerstört wurden.
Anfang dieser Woche zitierte die Zeitung „Rzeczpospolita“ die zuständige Staatsanwaltschaft aus Lublin, dass die Teile des Geschosses zu keiner Drohne gehörten. Aus anonymen Quellen des Militärs will die Zeitung erfahren haben, dass es sich um ein AIM-120 AMRAAM Geschoss des F-16 Kampfjets handelte, das eine Fehlfunktion gehabt haben soll, als eine Drohne abgeschossen werden sollte. Glücklicherweise sei der Sprengkopf nicht aktiviert gewesen.
Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz will die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft abwarten und gab die Schuld Russland. Premierminister Donald Tusk versucht, die Diskussion und die aufkommende Kritik an der Kompetenz der polnischen Flugabwehr zu unterbinden. „Pfoten weg von den polnischen Soldaten“ schrieb der Danziger auf X. Zuvor hatte er bei einer Sitzung des Ministerrats Nerven gezeigt, als er bemerkte, dass er „von den tausenden Klugscheißern genug“ habe.
Doch die Opposition geht nun in die Offensive. „Den Polen werden elementare Information nach dem Eindringen (der Drohnen) vorenthalten“, meint Tusks Vorgänger Mateusz Morawiecki und auch Staatspräsident Karol Nawrocki, der wie Morawiecki mit der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) verbunden ist, sieht sich ebenfalls nicht ausreichend informiert.
Vieles ist weiterhin unklar. Drei oder vier Drohnen sollen abgeschossen worden sein. Geholfen hätten hier auch niederländische Piloten mit dem weiterentwickelten F-35 Kampfjet. Die weiteren Drohnen seien „Köder“ gewesen, die die Luftabwehr ablenken sollten, ihr Abschuss sei offiziell nicht notwendig gewesen.
Die Nervosität in Polen verstärkt sich auch durch diffuse Äußerungen Donald Trumps, der es gegenüber dem TV-Sender Fox nicht ausschloss, dass es sich bei dem möglichen russischen Angriff um einen „Irrtum“ handele und dass die USA die polnische Luftverteidigung erst unterstützen wolle, wenn der Krieg (in der Ukraine) zu Ende sei.
Nach einer Sendung des TV-Senders CNN soll die Meinung innerhalb der US-Militärs geteilt sein, ob die Drohnen aus Russland absichtlich oder versehentlich in Polen landeten.
Fest steht – die Luftabwehr mit den Geschossen der Kampfflugzeugen ist zu teuer, auch die Patriot-Raketen, die von der Bundeswehr verantwortet im Südosten Polens stationiert sind, kosten pro Stück mindestens eine knappe Million Euro.
Polen setzt nun auf die Zusammenarbeit mit dem Land, das täglich mit der Abwehr von Drohnen befasst ist: der Ukraine. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz hat diese Woche in Kiew mit seinem ukrainischen Amtskollegen Denys Schmyhal Militär-Abkommen unter anderen zur gemeinsamen Entwicklung von Drohnenabwehr unterzeichnet.
Dabei sollen mehrere gemeinsame Unternehmen entstehen. Einige Startups in Polen sind selbst schon technologisch weit voran in der Drohnenbekämpfung und stehen nun in den Startlöchern für die staatlichen Aufträge.