Neue Saison und Jubiläum  Niederdeutsche Bühne Wiesmoor plant den 70. Geburtstag

| | 22.09.2025 14:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Bühnenleiter Christian Behrends am Schild der Theaterstuuv an der Hauptstraße 237. Er plant bereits zwei Jahre im Voraus. Foto: Nicole Böning
Bühnenleiter Christian Behrends am Schild der Theaterstuuv an der Hauptstraße 237. Er plant bereits zwei Jahre im Voraus. Foto: Nicole Böning
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Mit einem abwechslungsreichen Programm und Gastspielen beginnt die neue Spielzeit in der Theaterstuuv. Zusätzlich laufen bereits die Planungen für den 70. Geburtstag – es wird spannend.

Wiesmoor - Es war die erste richtige Sommerpause für die Ehrenamtlichen der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor seit der jahrelangen Sanierung und dem Umzug in das erste eigene Theater im Januar 2024. „Wir hatten sie wirklich nötig und haben wirklich zum ersten Mal seit langer Zeit gar nichts gemacht“, sagt Bühnenleiter Christian Behrends und guckt ein wenig schuldbewusst. Dabei hat er dazu eigentlich gar keinen Grund.

Waltraud Meyer und Gerd Romaneeßen im Stück „Spektakel bi Chrischan“ in der vorherigen Spielzeit. Foto: Ludwig Büsing
Waltraud Meyer und Gerd Romaneeßen im Stück „Spektakel bi Chrischan“ in der vorherigen Spielzeit. Foto: Ludwig Büsing

Denn wenn Behrends von „nichts tun“ redet, vergisst er glatt, dass ein fünfköpfiges Team von Ehrenamtlichen insgesamt zwölf Stücke für die neue Spielzeit gelesen hat. Gemeinsam wurde danach diskutiert, was in Wiesmoor in der Saison 2025/2026 zu sehen sein soll. Inzwischen steht das Programm – das erste Stück, „Rommé to dritt“, wird ab dem 8. November zu sehen sein. Doch damit nicht genug: „Auch die Saison danach müssen wir langsam schon planen“, sagt Behrends.

Im 70. Jahr plant die Bühne etwas Besonderes für ihre Gäste

Denn 2026 wird die Niederdeutsche Bühne 70 Jahre alt – und möchte den Gästen ein ganz besonderes Programm bieten. „Je nachdem, was wir vorhaben, müssen wir rechtzeitig mit der Planung beginnen“, erklärt Behrends. Denn einen professionellen Regisseur oder einen Autor für ein eigenes Theaterstück muss man rechtzeitig buchen, sagt der Bühnenleiter. Was genau die Gäste im Jubiläumsjahr erwartet, steht allerdings noch nicht fest. „Wir haben aber schon viele Ideen.“

Bühnenleiter Christian Behrends (links) und sein Stellvertreter Ludwig Büsing von der niederdeutschen Bühne in Wiesmoor. Foto: Nicole Böning
Bühnenleiter Christian Behrends (links) und sein Stellvertreter Ludwig Büsing von der niederdeutschen Bühne in Wiesmoor. Foto: Nicole Böning

Anfang der 50er Jahre hatten die Verantwortlichen des Heimat- und Verkehrsvereins Wiesmoor die Idee, die Freilichtbühne in Wiesmoor von einer eigenen Niederdeutschen Bühne bespielen zu lassen. Nachdem die Freilichtbühne 1954 zum 3. Blütenfest eingeweiht wurde, schlossen sich 1955 die damals bestehenden Theatergruppen des Boßelvereins „Hier up an“ Wiesederfehn und der Nordwestdeutschen Kraftwerke AG (NWK) zur heutigen Niederdeutschen Bühne Wiesmoor zusammen. Ein Jahr später traten die Wiesmoorer dem Niederdeutschen Bühnenbund Niedersachsen/Bremen bei. Deshalb gilt 1956 als Gründungsjahr.

Gastspiel läutet am 27. September die Saison ein

Deshalb ist die Planung ein wenig umfangreicher als in einer üblichen Saison. Doch vor dem 70-jährigen Bestehen steht erst einmal die 69. Saison vor der Tür. Die Proben für das erste Stück „Rommé to dritt“ laufen bereits seit Ende August. „Wir müssen erst einmal wieder in Gang kommen“, sagt Behrends und lacht. Am 8. November geht es im kuscheligen Zimmertheater an der Hauptstraße 237 in Wiesmoor für die Niederdeutsche Bühne mit der Premiere wieder los.

Auf die Bühne der Theaterstuuv kehrt aber schon vorher das Leben zurück. Nach dem Auftakt mit einem plattdeutschen Kulturabend durch die Stadt Wiesmoor am 17. September 2025 geht es am Samstag, 27. September 2025, mit einem besonderen Gastspiel in die neue Saison. Aufgeführt wird das Stück „Alleen in de Sauna“. Es ist ein kabarettistisch-komödiantischer Monolog von Frank Pinkus (niederdeutsch von Horst Seegebarth). Dargestellt wird die humorvolle Geschichte vom Anwalt Karl-Heinz König, dessen scheinbar perfektes Leben in einer Saunanacht aus den Fugen gerät. Jann Aden von der Theaterwerkstatt „Rosenstraat 13“ der Niederdeutschen Bühne Brookmerland ist mit dem Stück auf Tour.

Die nächsten Stücke der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor

Im Anschluss geht es mit „Rommé to dritt“ weiter. Die Komödie von Petra Blume feiert am 8. November 2025 Premiere. Bis zum 6. Dezember wird das Stück an 16 Terminen aufgeführt. Im Mittelpunkt stehen drei Damen, die beim Kartenspielen auf eine kriminelle Idee kommen – mit turbulenten Folgen. Regie führt Ludwig Büsing, auf der Bühne stehen Traute Gronewold, Erna Janssen, Frauke Unruh, Antje Alberts und Christian Behrends. „Das Stück ist ein Klassiker und eine süße Geschichte über drei ältere Frauen, die auf ungewöhnliche Art Geld für einen guten Zweck organisieren“, sagt Behrends. „Rommé to dritt“ hat die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor bereits in den 90er Jahren gespielt. Mit diesem Stück kehrt Behrends nach langer Zeit selbst wieder auf die Bühne zurück.

Nach Weihnachten geht es im Februar 2026 mit dem besonderen Theaterprojekt „Twee in een“ weiter. Die genauen Termine stehen noch nicht fest. Zu sehen ist ein Stück aus der Feder von Ludwig Büsing. Über den Inhalt wird noch nicht viel verraten, doch die Inszenierung verspricht eine spannende Überraschung für das Publikum – etwas zum Schmunzeln. Zusätzlich bringt Büsing eine szenische Biografie des Schriftstellers Enno Wilhelm Hektor auf die Bühne. Hektor schrieb sozialkritische Bücher, Gedichte und Theaterstücke und veröffentlichte auch in plattdeutscher Sprache. Sein bekanntestes Werk ist das Heimatlied der Ostfriesen „In Oostfreesland is’t am besten“.

Ausblick in den Veranstaltungskalender des kommenden Jahres

Ab März steht die Komödie „De Geist ut de Lamp“ auf dem Spielplan.

Das Stück von Andreas Keßner (niederdeutsch von Gerd Meier) erzählt die Geschichte von Emma, die eine orientalische Öllampe geschenkt bekommt – und damit einen Flaschengeist, der für jede Menge Wirbel sorgt. Regie und Bühnenbild übernimmt Christian Behrends. „Das Stück ist ein echter Schenkelklopfer und ein schnelles Stück im Stil von ‚Offline för een Avend‘ aus der letzten Saison“, so Behrends.

Zu den eigenen Stücken runden in der Saison 2025/26 insgesamt fünf Gastspiele und fünf Kinoveranstaltungen des Stadtmarketings Wiesmoor in Zusammenarbeit mit dem mobilen Kino Niedersachsen das Programm der Theaterstuuv ab. Die Kino-Termine stehen bereits fest und sind am Montag, 6. Oktober 2025, Donnerstag, 27. Februar 2026, Freitag, 27. April 2026, Freitag, 11. September 2026, und Freitag, 9. Oktober 2026. Los geht es jeweils um 19 Uhr. Weil die Filme keine Konkurrenz zu Kinobetrieben darstellen sollen, werden sie nicht öffentlich beworben.

Weitere Gastspiele und viel Arbeit in der Theaterstuuv

Als weiteres Gastspiel wird im Januar 2026 die Veranstaltungsreihe „Kieken & Klönen“ fortgesetzt. In Kooperation mit dem ostfriesischen Filmemacher Johann Ahrends lädt die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor zu einem unterhaltsamen Abend rund um plattdeutsche Themen ein. Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr verspricht auch die neue Ausgabe spannende Einblicke und anregende Gespräche. Das genaue Thema des Abends wird noch bekanntgegeben.

Ebenfalls im Januar steht ein weiterer Filmabend auf dem Programm. Jonny Stulken, bekannt durch das ehemalige Volksmusik-Duo „Jenny und Jonny“, ist erstmals in der Theaterstuuv zu Gast. Im Gepäck hat er zwei Filme, darunter die Hommage „Jenny… ihre Stimme verzauberte“ an seine verstorbene Bühnenpartnerin Jenny, die mit vollem Namen Johanne Hinrichs hieß. Der Abend bietet Musik und einen Einblick in die Geschichte des Duos.

Neben den Vorbereitungen für das neue Programm und den 70. Geburtstag der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor ist noch viel zu tun. Noch immer gibt es im ehemaligen Wohnhaus der Familie Ehmann viele Baustellen hinter den Kulissen, um das Gebäude für den Theaterbetrieb richtig nutzen zu können. Der Raum hinter dem kleinen Bistro für die Theatergäste muss als Lager eingerichtet werden, der Flur und der Fundus unter dem Dach ebenso. „Es gibt zusätzlich noch viele kleine Baustellen“, sagt Behrends und atmet tief ein: Pflasterarbeiten, die Fassade verschönern. Aber es geht eben auch nicht alles auf einmal. „Wir merken, dass es mit viel Aufwand verbunden ist, ein solches Haus zu bewirtschaften“, fügt er hinzu. Gut also, dass es jetzt mit frischer Kraft in die neue Spielzeit geht.

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