Osnabrück  „Merkel steht für Frauenpower“: So war die Signierstunde mit der Altkanzlerin in Osnabrück

Eva Marie Stegmann
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Von Eva Marie Stegmann
| 23.09.2025 15:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Um 15.37 Uhr erscheint Angela Merkel, von der Schlange in Osnabrück zunächst unbemerkt. Foto: André Havergo
Um 15.37 Uhr erscheint Angela Merkel, von der Schlange in Osnabrück zunächst unbemerkt. Foto: André Havergo
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So viele Menschen an einem normalen Dienstag in Osnabrück in der Fußgängerzone. Das hat einen Grund: Altkanzlerin Merkel signiert am 23. September 2025 ihre Biografie in der Buchhandlung Wenner. Wie es ablief, wie Merkel bei den Osnabrückern ankam – und warum auffallend viele junge Leute da waren.

Was ist denn da los? 15 Uhr in der Osnabrücker Großen Straße, Menschenmassen vor Bücher Wenner und sogar das Bundeskriminalamt patrouilliert. Die Antwort: Angela Merkel ist da! Die Altkanzlerin signiert am heutigen Dienstag (23. September 2025) von 16 bis 17 Uhr ihre Autobiografie „Freiheit“, bevor sie am Abend zur Lesung in der Osnabrückhalle antritt.

Die Schlange vor der Buchhandlung bildete sich bereits vor 15 Uhr. 400 Plätze gab es für die Signierstunde, die rasend schnell ausgebucht waren.

Immer weiter füllte sich die Große Straße mit Wartenden. Einer der Ersten war Till Kullik. „Seit einer Stunde stehe ich hier“, sagt der 22-Jährige. Warum? „Angela Merkel ist eine Koryphäe auf ihrem Gebiet, sie hat uns 16 Jahre lang gedient“, sagt er.

Der Plan für die Signierstunde ist folgender: Die 400 Leute betreten ab 16 Uhr durch den Vordereingang die Bücher Wenner, reichen ihr Exemplar von „Freiheit“ in die Hände der Altkanzlerin und verlassen die Buchhandlung durch den Hinterausgang am Kamp.

Doch erst einmal heißt es: Warten. In der Schlange zu sehen sind Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts, Herkunft. Dennoch fällt auf: Für einen Politikerbesuch sind es auffällig viele junge Menschen. Was treibt sie an, herzukommen? „Ich fand sie als Kind schon faszinierend, ich bin mit ihr groß geworden“, sagt die 27-jährige Regina aus Osnabrück. Als Merkel ihre Kanzlerschaft begann, 2005, war sie eine Grundschülerin, als die Ära Merkel endete, war sie in ihren 20ern – erwachsen.

„Für mich war es ganz komisch, als wir dann auf einmal einen KanzlER hatten“, sagt die 27-jährige Dorothee aus Espelkamp. „Ich hatte früher nie das Gefühl, dass ich als Mädchen irgendetwas nicht werden kann – wegen Merkel“, fügt sie hinzu.

Gegenüber der Wartenden sagt die 22-jährige Mariama: „Merkel steht für Frauenpower.“ Sie kommt aus Essen und ist in Osnabrück, weil sie arbeiten muss. „Hätte ich das gewusst, hätte ich mich hier in die Schlange gestellt.“ Erst vor kurzem habe sie ganz viele Bilder von sich als Mädchen gefunden, auf denen sie die Merkel-Raute machte. „So cool“, sagt sie und macht die Raute.

Zwei, die keine Karten bekommen haben, sind die Freundinnen Michaela und Petra. Extra früher Feierabend habe sie gemacht, sagt Petra aus Versmold. Doch die beiden wirken trotzdem fröhlich, schwärmen von der ehemaligen Bundeskanzlerin. „Sie hat das richtig gut gemacht“, finden beide.

Kurze Zeit später, um 15.37 Uhr, ist es so weit. Angela Merkel schreitet, umringt von Beamten des Bundeskriminalsamts, Richtung Hintereingang von Bücher Wenner, unbemerkt von der Warteschlange in der Großen Straße.

Nun beginnt die Signierstunde. Und wir erfahren am Rande, dass die 71-Jährige zuvor bei Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) war, sich zum vierten Mal ins Goldene Buch der Stadt eingetragen und eine kleine Tour durch Osnabrück gemacht hat.

Angela Merkel sitzt an einem Tisch im Erdgeschoss von Bücher Wenner, grüßt jeden, stellt ab und an eine Frage, wie etwa der Tochter von Melanie Wiemann, wie alt sie sei. „Top organisiert war das“, sagt die Osnabrückerin, als die beiden zum Hinterausgang hinauskommen. Im Gepäck ein signiertes Buch und ein Foto mit Merkel, das die Mitarbeiter von Bücher Wenner gemacht haben.

Auch Sven Christian Finke-Ennen aus Osnabrück kommt mit signierter Biografie und Begeisterung aus der Buchhandlung. „Es war mega, sie ist sehr nett“, sagt er.

Direkt hinter ihnen verlässt eine strahlende, junge Frau die Bücherei. Es ist Luisa Knuf. „Es war sehr schnell, sehr freundlich. Auch, wenn es nur kurz war, hat sie eine unglaubliche Präsenz.“ Genau deshalb sei die 24-jährige Osnabrückerin hergekommen und zeigt ihr Foto mit der Altkanzlerin. „Das Gefühl von Frauenpower, das wollte ich spüren. Sie ist eine richtig krasse Frau.“

Um kurz vor 17 Uhr ist es dann vorbei. Zurück bleiben viele zufriedene Menschen mit einer signierten Ausgabe von „Freiheit“.

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