Nordsee  Kontrollflug über der Nordsee: Unterwegs mit der Fliegerstaffel der Bundespolizei

Benjamin Nolte
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Von Benjamin Nolte
| 24.09.2025 15:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Pilot Tino Dannenberg im Super Puma. Zweieinhalb bis drei Stunden kann die Super Puma in der Luft bleiben. Dann muss getankt werden. Foto: Benjamin Nolte
Pilot Tino Dannenberg im Super Puma. Zweieinhalb bis drei Stunden kann die Super Puma in der Luft bleiben. Dann muss getankt werden. Foto: Benjamin Nolte
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Die Fliegerstaffel der Bundespolizei überwacht aus der Luft Nordsee, Windparks und Pipelines. Sie sucht gezielt nach Umweltdelikten, Drogenkriminalität und schützt kritische Infrastruktur. Wir haben sie auf einem Flug begleitet.

Mit rund 200 km/h steuert Pilot Tino Dannenberg von der Fliegerstaffel aus Fuhlendorf die Super Puma raus auf die Nordsee. Der große, schwere Hubschrauber der Bundespolizei ist spezialisiert auf Aufgaben und Einsätze weit vor der deutschen Küste.

Mit an Bord befinden sich neben dem zweiten Piloten Stefan Franke, Systemoperator Raphael Schwedux und Flugtechniker Tino Müller auch Ermittlungsbeamtin Julia Zeuschner vom Direktionsbereich See aus Neustadt. Die Oberkommissarin gibt beim heutigen Kontrollflug über der Nordsee den Ton an.

Im Fokus der Bundespolizei: Feststellungen von Gewässerverunreinigungen, Drogenkriminalität und der Schutz kritischer Infrastruktur. „Gerade Letzteres hat in den vergangenen Monaten und Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen“, so Zeuschner. „Neben der Sicherheit der großen Windparks wird auch der Schutz von Seekabeln und Pipelines wichtiger.“ 

Mithilfe eines Fernglases hält die Beamtin Ausschau nach verdächtigen Aktivitäten innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands. Dabei erfährt sie allerdings umfangreiche Unterstützung durch die Technik, die Polizeihauptmeister Raphael Schwedux während des Fluges bedient. Das Kamerasystem ARGUS.

„Je nach Witterungsverhältnissen kann ich mir Schiffe bereits aus mehreren Kilometern Entfernung anschauen“, so Schwedux. „Aus der Luft lässt sich schnell feststellen, ob hier draußen zum Beispiel jemand illegalerweise seine Tanks wäscht und dadurch die Nordsee verunreinigt.“ Hinweise in puncto Umweltdelikte erhalten die Beamten auch von anderen Behördenschiffen oder speziellen Satelliten, die Verunreinigungen detektieren können. Gibt es einen Verdacht, dann kann Schwedux mithilfe der am Hubschrauber verbauten Seilwinden Gewässerproben entnehmen, die später im Labor untersucht werden.

Rund zwei Stunden geht es raus auf die offene See. In die Deutsche Bucht. Dort, wo täglich dutzende große Schiffe auf Reede liegen oder unterwegs nach Bremerhaven oder Hamburg sind. „Wir schauen uns auch an, wer hier unterwegs ist“, erklärt Zeuschner. „Wir gucken, ob die Daten, die per AIS (Automatic Identification System) gesendet werden, plausibel sind.“

Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Anschläge auf Pipelines und Datenkabel in der Ostsee haben auch den Fokus der Bundespolizei noch einmal geschärft. „Wir haben auch Schiffe im Blick, die mitunter wochenlang in Nord- und Ostsee liegen“, ergänzt Pilot Tino Dannenberg. „Auf offener See haben wir da keine Handhabe, aber wir können zeigen, dass wir da sind, dass wir sie beobachten.“ Es geht auch darum, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und Präsenz zu zeigen. Neben der Bundespolizei sind auch die Bundeswehr und andere NATO-Staaten mit ihren Schiffen in Nord- und Ostsee unterwegs. 

Etwa 120 Piloten, Systemoperatoren, Techniker und weiteres Bodenpersonal sind in Fuhlendorf stationiert. Die Staffel verfügt über rund 15 Hubschrauber unterschiedlicher Typen. „Die H215 Super Puma, mit der wir heute unterwegs sind, ist speziell für den Flug über See ausgerüstet“, so Dannenberg. „Neben zwei Rettungswinden haben wir Ein-Mann-Schlauchboote, Rettungsinseln und weiteres Equipment mit an Bord.“

Eine Hubschraubercrew der Staffel ist auch nachts in Sofortbereitschaft. „Neben der Unterstützung für den Direktionsbereich See fliegen wir auch Einsätze und Kontrollflüge auf dem Festland“, sagt Dannenberg. „Das können Kontrollen von Bahnstrecken und Grenzbereichen sein, aber auch die Suche nach Straftätern.“ Dank modernster Wärmebild- und Infrarottechnik kann die Hubschraubercrew im Dunkeln weit mehr sehen, als die Kollegen am Boden. Zweieinhalb bis drei Stunden kann die Super Puma in der Luft bleiben. Dann muss getankt werden.

Auch draußen auf der Nordsee muss der Tankstopp geplant werden. „Unser Einsatzgebiet reicht mitunter weit über zwei bis drei Stunden Flugzeit hinaus“, so Dannenberg. „Ist eines unserer großen Schiffe in der Nähe, dann können wir auf diesem landen und auftanken.“ Heute ist es die Hochseeinsel Helgoland. Am dortigen Standort der Bundeswehr wird gelandet und getankt.

Nach einer kurzen Pause macht sich die Crew wieder startklar. Es geht in Richtung Norden. Entlang der Windparks halten sie Ausschau nach verdächtigen Schiffen. „Hier draußen ist mittlerweile viel mehr los als noch vor einigen Jahren“, sagt Dannenberg. „Alleine die Windparks sorgen für einen regen Verkehr zu Wasser und auch in der Luft.“ Feststellungen gibt es an diesem Tag keine. Aber sie waren da, haben Präsenz gezeigt. Nach rund sechs Stunden landet die Crew wieder in Fuhlendorf. 

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