Osnabrück  Besucher äußern Kritik: Was war da los beim Campus Festival 2025 in Osnabrück?

Noah Schnarre
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Von Noah Schnarre
| 25.09.2025 16:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zu den Auftritten der Headliner wurde es voll vor den Bühnen. Für einige Besucher zu voll. Foto: Lauren Rote
Zu den Auftritten der Headliner wurde es voll vor den Bühnen. Für einige Besucher zu voll. Foto: Lauren Rote
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Zu eng, zu voll und kein fließendes Wasser: nach dem diesjährigen Campus Festival am 20. September in Osnabrück äußern Besucher vermehrt Kritik am Ablauf und an der Organisation der Veranstaltung. So reagiert der Veranstalter.

Leandra hatte sich auf ein entspanntes Festival gefreut. Am Samstag, 20. September, ist sie aus Oldenburg zum Campus Festival in Osnabrück angereist. „Das Line-up hat mich sehr überzeugt“, sagt die 22-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. „Für den Preis war das ein unschlagbares Angebot.“

Besonders auf die Headliner Zartmann und Ikkimel hat sie sich gefreut, die hat sie in diesem Jahr schon beim Juicy-Beats-Festival in Dortmund gesehen. Das Campus Festival sollte die Festival-Saison für Leandra in diesem Jahr zu einem gelungenen Abschluss bringen. Daraus wurde nichts.

„Vor den beiden Bühnen war es ab dem Auftritt von Zartmann so voll, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte und gegen den Wellenbrecher gedrückt wurde. Raus aus der Masse kam man auch nicht mehr. Das habe ich bis jetzt auf keinem anderen Festival erlebt. Die Konzerte waren ab dem Zeitpunkt ungenießbar“, sagt Leandra.

Mit dieser Kritik ist die 22-Jährige nicht allein. In den sozialen Medien häufen sich die Beschwerden von Besuchern. Kritisiert wird die Enge im Zuschauerraum, das Fehlen von Waschbecken, um sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen und, dass trotz der hohen Temperaturen von 28 Grad kein kostenloses Trinkwasser zur Verfügung stand. Dazu kommen die vielen Rettungseinsätze, die sich am Abend häuften und zur mehrmaligen Unterbrechung der Konzerte führten.

Anruf bei Kai Müller, Dienststellenleiter bei den Johannitern Osnabrück. Er selbst war nicht beim Campus Festival, dafür viele seiner Kollegen. „Wir hatten einiges zu tun, gerade in den Abendstunden“, bestätigt er auf Nachfrage. „Aber damit haben wir gerechnet und waren deshalb gut aufgestellt. Die medizinische Versorgung konnten wir sicherstellen.“

Natürlich könne im nächsten Jahr noch an einigen Stellschrauben gedreht und die Positionierung der Sanitäter an einigen Stellen überdacht werden. „Das Sicherheitskonzept ging aber auf“, sagt Müller. Die Ursache für die vielen Einsätze am Abend sieht der Sanitäter in den hohen Temperaturen, einem übermäßigen Alkoholkonsum und der Länge der Veranstaltung begründet. Gerade bei einem jungen Publikum führe diese Gemengelage zu einem erhöhten Einsatzgeschehen.

„Im Großen und Ganzen sind wir sehr gut mit dem Verlauf des Festivals zufrieden“, heißt es vom Veranstalter Christoph Hengholt. Was sagt er zu der Kritik der Besucher? „Wir schauen uns jeden einzelnen Kommentar an und nehmen uns die Kritik zu Herzen. Für uns war es das erste Mal, dass wir eine Veranstaltung an der Halle Gartlage durchgeführt haben. Wir lernen gerne dazu“, sagt der Goldrush-Chef.

Zu voll sei es auf dem Gelände zu keinem Zeitpunkt gewesen, meint Hengholt. Mit Blick auf die Besucherzahlen hat er damit recht. Das Areal rund um die Halle Gartlage bietet Platz für 17.000 Besucher. Zum Campus Festival kamen um die 10.000. Ab den Auftritten der Headliner konzentrierte sich das Publikumsaufkommen aber deutlich vor den beiden Bühnen, die direkt nebeneinander im hinteren Teil der Halle Gartlage standen. Verglichen mit der Gesamtfläche des Geländes, ist hier weniger Platz.

„Um das Lärmschutzkonzept einzuhalten, war eine Platzierung an anderer Stelle nicht möglich“, sagt Hengholt dazu. Im letzten Jahr fand das Campus Festival noch auf dem Hochschulgelände am Westerberg statt. „Dort hatten wir zwei Bühnen an zwei Standorten aufgebaut, das führte teilweise dazu, dass sich das Publikum für einen Act entscheiden musste“, so Hengholt. „Idee der Zwillingsbühne war es, dass ab 14 Uhr nonstop Musik gespielt wird und man sich nicht großartig bewegen muss, um seinen Lieblingskünstler zu hören.“ Aber auch in diesem Zusammenhang gilt: „Wir nehmen die Kritik mit fürs nächste Jahr.“ Gleiches gelte für die Hygiene. Neben Desinfektionsmittel werde man im nächsten Jahr Handwaschbecken bereitstellen.

Wenn das Line-up sie im nächsten Jahr überzeugt, will Leandra wiederkommen. Sie hofft, dass sich dann etwas an dem Bühnenkonzept verändert hat. Bei anderen Festivals werde der Besucherraum zum Beispiel begrenzt und die Bühnenshow auf LED-Wänden übertragen. „Auf kostenloses Trinkwasser kann ich verzichten, die Getränkepreise waren in Ordnung“, sagt die 22-Jährige. „Aber Händewaschen und die Musik zu genießen, ohne Platzangst zu bekommen, wäre schon schön.“

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