Osnabrück  Lasst der Jugend ihren Spaß und die Lautstärke! Mehr hat sie gegenwärtig nicht

Noah Schnarre
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Von Noah Schnarre
| 26.09.2025 06:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Campus Festival 2025 zieht eine Beschwerdewelle nach sich. Im Fokus: die Lautstärke. Foto: Noah Schnarre
Das Campus Festival 2025 zieht eine Beschwerdewelle nach sich. Im Fokus: die Lautstärke. Foto: Noah Schnarre
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Das Campus Festival 2025 in Osnabrück zieht eine Beschwerdewelle nach sich. Es war laut, ja. Aber das muss man aushalten. Denn momentan sind Festivals wie dieses ein kleiner Lichtblick für eine Jugend, die sonst nicht viel zu lachen hat.

Ein Staubsauger, gerade ein älteres Modell, erzeugt eine Lautstärke um die 70 Dezibel. Meine Nachbarin von oben hat so ein altes Gerät. Nervt schon, wenn sie damit täglich über den Altbauboden schrubbt. Natürlich könnte ich nach oben laufen und sie zu Rede stellen. Mache ich aber nicht, weil ein solcher Lärm in einem Mehrfamilienhaus manchmal dazugehört.

Gleiches gilt übrigens auch für die Musik des Schlossgarten Open-Airs, die der Wind jedes Jahr in die Wüste und auf meinen Balkon trägt. Auch die darf laut Verordnung 70 Dezibel laut sein. Es ist schön, dass solche Veranstaltungen in der Stadt stattfinden. Kultur kann und darf niemals zu laut sein.

Das gilt auch für Veranstaltungen, die die Jugend in den Blick nehmen. Eine solche fand am Samstag, 20. September, mit dem Campus Festival an der Halle Gartlage statt. Ja, es war laut, keine Frage. Aber gegen das eintägige Festival hat sich eine Empörungsfront zusammengebraut, die so nicht nachvollziehbar ist. Gerade weil Kritik an ähnlichen Veranstaltungen wie dem Schlossgarten Open-Air, der Maiwoche oder dem Tag der Niedersachsen in dieser Form kaum vorhanden ist.

Die Jugend hat heute einiges zu ertragen. Sie ist mit zahlreichen Krisen konfrontiert, die sie nicht selbst verschuldet hat. Gerade für junge Menschen gestaltet es sich schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden und sie müssen sich schon in ihren 20ern mit dem Thema Altersvorsorge auseinandersetzen, weil sie sich nicht auf die gesetzliche Rente verlassen können. Von der Politik wird die Jugend, wenn überhaupt, oft als letztes berücksichtigt. Und zu alldem wird jungen Menschen gesagt, dass sie zu viel fordern und zu wenig arbeiten.

Veranstaltungen wie das Campus Festival werden vor diesem Hintergrund zum existenziellen Rückzugsort für die junge Generation, zum eskapistischen Leuchtfeuer. Das sollte man aushalten können, auch wenn es laut ist und – ja, manch einen nervt. Am nächsten Tag ist schließlich alles wieder vorbei und der Alltag geht weiter.

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