Osnabrück Alles verloren: Ex-Fußball-Profi Uli Borowka warnt Schüler in Osnabrück vor Alkohol
Ex-Fußballprofi Uli Borowka hat im Osnabrücker Gymnasium in der Wüste offen über seine Alkoholsucht gesprochen, die ihn von ganz oben bis ganz nach unten brachte. Das machte Eindruck bei den Schülern.
Uli Borowka war Fußball-Profi bei Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach. Während dieser Zeit war er Millionär – und Alkoholiker. Über seine Sucht und darüber, wie er den Ausweg daraus fand, sprach er in der Aula des Gymnasiums In der Wüste in Osnabrück und nahm dabei kein Blatt vor den Mund.
Uli Borowka war in seiner aktiven Zeit das, was heute wohl am ehesten Antonio Rüdiger verkörpert: Ein kompromissloser, eisenharter Verteidiger, der weder sich noch seine Gegenspieler schont. Nicht umsonst wurde er mehrere Jahre hintereinander zum unbeliebtesten Spieler der Bundesliga gewählt.
Der Spitzname des zweimaligen Deutschen Meister, Pokalsiegers und Europapokalsiegers war „Die Axt“. Über sein damaliges Ich sagt der heute 63-Jährige: „Ich war ein selbstgefälliges und egoistisches Arschloch.“
Bei seinem etwa eineinhalbstündigen Vortrag sagte Borowka aber auch über sich, er habe gerade als junger Profi Versagens- und Existenzängste gehabt. „Ich konnte auch nicht über meine Gefühle reden“, so Borowka. In der Leistungsgesellschaft der Bundesliga sei es nicht möglich gewesen, dass „Die Axt“ offen über so etwas spricht, sagte er weiter. Also habe er seine Probleme mit sich selbst ausgemacht und sie in Alkohol ertränkt.
In seiner Zeit bei Werder Bremen habe er pro Tag eine Kiste Bier, eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky getrunken, berichtete Uli Borowka. Dieses Quantum steigerte er nach dem Ende seiner Karriere als Fußballer. „Ich hatte Millionen. Dann bin ich irgendwann unter einer Brücke aufgewacht und hatte Schulden in sechsstelliger Höhe.“ Neben der Alkoholsucht plagte den sechsfachen Nationalspieler auch die Medikamenten- und Spielsucht.
Irgendwann beschloss Borowka, sich umzubringen. Er mixte sich einen Cocktail aus Bier, Wein und Tabletten – überlebte aber den Suizidversuch. Trotzdem trank er weiter. Der Alkohol beherrschte sein Leben.
Er verlor seine Familie, Freunde und seinen Besitz. Von Freunden, die ihn auf seinen übermäßigen Alkoholkonsum ansprachen und ihm Hilfe anboten, trennte er sich. Schließlich beschloss er, sich Hilfe beim damaligen Gladbacher Sportdirektor Christian Hochstätter zu holen. Er und der damalige Präsident der Borussia, Wilfried Jacobs, ließen Uli Borowka in eine Suchtklinik einweisen.
„Ich bin trockener Alkoholiker – bis an mein Lebensende“, sagte Borowka den zahlreich anwesenden Schüler der 11. bis 13. Klassen des Gymnasiums In der Wüste. Die lauschten seinem Vortrag teilweise gebannt. Borowka berichtete, er helfe Menschen, Auswege aus der Sucht zu finden.
Und er geht in Schulen, Gefängnisse oder Firmen und spricht dort – wie in Osnabrück – über seinen Werdegang. Zusammen mit Hochstätter bietet Uli Borowka ein Präventionsprogramm an. Im Gymnasium In der Wüste war er auf Einladung der Bürgerstiftung Osnabrück im Rahmen des dortigen Suchtprävention-Projekts.
Mehrfach forderte Borowka in seinem Vortrag eine Entstigmatisierung von suchtkranken Menschen. Der Umgang mit Süchten sei in Deutschland kaum offen möglich, sagte er. Dabei seien die Zahlen durch Corona und den Ukraine-Krieg gestiegen. „Die Kliniken sind voll“, sagte er. Auch psychische Erkrankungen hätten zugenommen.
Den Schülern riet er zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol und auch mal Nein zu sagen. „Mein Fehler war, dass ich nicht nach zwei Gläsern aufhören konnte, sondern immer bis zum Ende durchsaufen musste.“
Am Rande des Vortrags sagten 16- bis 18-jährige Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums in einer anonymen Befragung, dass sie selbst Erfahrungen mit Alkohol und Cannabis gemacht haben. Eine Schülerin berichtete, sie kenne zwei Gleichaltrige, die drogensüchtig seien. Eine andere kenne jemanden, der übermäßig trinke.
Uli Borowka betonte, er wolle den Schülern nicht erzählen, wie das Leben funktioniert. Aber in Vereinen werde der Konsum von Alkohol gefördert, sagte er. Auch betreutes Trinken sei Schwachsinn.
Er kenne den Gruppenzwang, so Borowka. Man sollte respektiert werden, wenn man sagt, man möchte keinen Alkohol trinken. „Man sollte nicht respektiert werden, wenn man am Wochenende volltrunken und grölend durch die Gegend zieht.“