Osnabrück Spaß am Schreiben: So ist der Osnabrücker Jonas Lindemann zum Berliner Comedian geworden
Jonas Lindemann aus Osnabrück hat in Berlin als Comedian Fuß gefasst. Nun gibt er als Moderator mit einer Mixed-Show ein Heimspiel im Osnabrücker Theater. Wir haben mit ihm über seine Motivation gesprochen, in seiner Wahlheimat Berlin auf die Bühne zu gehen.
Weil er gerne schreibt, ist Jonas Lindemann zunächst aus seiner Heimat Osnabrück nach Hannover gezogen, um dort Journalistik zu studieren. Nach einem einjährigen Intermezzo bei einer Werbeagentur in Köln ging es schließlich vor fünf Jahren nach Berlin-Kreuzberg – und nun kehrt er als Comedian und Moderator an diesem Samstag auf die Bühne des Theaters in seiner Heimatstadt zurück.
Stets mit im Gepäck waren bei seinem Werdegang ortsungebundene Jobs als freier Redakteur für überregionale Online-Magazine im musikjournalistischen Bereich.
Das macht der 29-Jährige bis heute, hat aber seit Dezember 2023 eine weitere Leidenschaft gefunden, die irgendwann vielleicht einmal mehr als nur ein zweites Standbein werden könnte. In jenem Monat absolvierte er nämlich seinen ersten Stand-Up-Auftritt bei einem Open-Mic in einem Berliner Comedy-Club. Diese fünf Minuten vor rund 50 Zuschauern hätten ihm soviel Spaß gemacht, dass er mehr wollte, erinnert sich Lindemann.
Eine von ihm moderierte Mixed-Show im Theater Osnabrück wird so sein mittlerweile 270. Bühnenauftritt sein. Die Idee, an einem besonders schönen Ort in seiner Heimatsstadt ein solches Event zu organisieren und zu veranstalten, hatte er selbst. „Ich bin der Stadt sehr verbunden und hatte Lust, etwas Besonderes auf eigene Beine zu stellen“, verrät er im Gespräch einen Tag vor der Premiere.
Bei der Auswahl des prominenten Line-Ups konnte er den Umstand nutzen, sich in der Szene schnell vernetzt zu haben. Nicht nur in Berlin, wo es täglich bis zu 20 Comedy-Shows zu sehen gibt, sondern auch bei Mixed-Shows in vielen anderen Städten, konnte Lindemann viele Kontakte knüpfen. Immer wieder in anderen Locations und vor einem anderen Publikum zu spielen, betrachtet der Wahlberliner als besondere Herausforderung.
Dass in Osnabrück auch viele Freunde und Familie anwesend sein werden, sorge nicht unbedingt dafür, dass er weniger nervös sei, gesteht der leidenschaftliche VfL-Fan.
Aufgewachsen in der Dodesheide, hat Lindemann am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium sein Abitur gemacht. Den Spaß am kreativen Schreiben habe er schon immer gehabt, verrät er. Und irgendwann habe es ihm einfach nicht mehr gereicht, den nur einmal im Jahr ausleben zu können, wenn irgendjemand in der Familie oder im Freundeskreis einen runden Geburtstag feiere und eine von ihm vorgetragene Rede anstand, erinnert er sich.
Eine Solo-Tour und ein abendfüllendes Programm als Comedian seien natürlich ein Ziel, sagt Lindemann. Aber mit seinem „richtigen Job“ im Rücken möchte und kann er es langsam und – wie er betont – „Schritt für Schritt“ angehen lassen. „Nicht jeder kann davon leben“, ist ihm klar. Nichtsdestotrotz möchte er die Gewichtung seiner Tätigkeiten „nach und nach in Richtung Comedy“ verschieben: „Die Motivation wächst, wenn man merkt, was man kann und wie es ankommt.“
Die besonders hohe Comedy-Dichte in Berlin – nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ – habe ihn keinesfalls demotiviert, betont er. Ganz im Gegenteil habe sie ihm geholfen, dranzubleiben und sei bis heute ein Ansporn, immer besser zu werden. Lindemanns pulsierende Texte sind auch durch die Punchlines und den Wortwitz des Rap geprägt. Die Grenzen zwischen den Genres, die sein generelles Interesse an Entertainment ausmachen, seien oft fließend, sagt er.
Seine Ideen bezieht Lindemann wie viele seiner Comedy-Kollegen aus dem Alltag. Er komme dabei weniger über die Improvisation, sondern schreibe schon alles gut auf, beschreibt er seinen Arbeitsstil. Inzwischen merke er, wie sich „Sachen fast automatisch“ entwickeln, inklusive der Bühnenpräsenz und der Routine. Er habe sich angewöhnt, im Alltag „comedymäßiger“ zu denken, sagt er – auch mit Blick auf „Sozialstudien“ in den Zügen der Deutschen Bahn, mit denen er regelmäßig unterwegs ist.