Osnabrück  „Das geht gar nicht“: Apothekenpräsident Preis kritisiert Reformpläne von Nina Warken

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 29.09.2025 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Auf dem Deutschen Apothekertag am 15. September 2025 stellte Bundesgesundheitsministerin Warken ihre Reformpläne vor. Apothekenpräsident Thomas Preis (Mitte) ist nicht von allen ihrer Ideen überzeugt. Foto: ABDA/ André Wagenzik
Auf dem Deutschen Apothekertag am 15. September 2025 stellte Bundesgesundheitsministerin Warken ihre Reformpläne vor. Apothekenpräsident Thomas Preis (Mitte) ist nicht von allen ihrer Ideen überzeugt. Foto: ABDA/ André Wagenzik
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Erst versuchte es Karl Lauterbach, nun will Nina Warken als Bundesgesundheitsministerin das Apothekenwesen in Deutschland reformieren und zukunftsfähig machen. Was die Apotheker selbst dazu sagen.

Mehr Freiheit bei den Öffnungszeiten, mehr Geld für Nacht- und Notdienste, mehr Befugnisse: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant eine ganze Palette an Maßnahmen, um die deutschen Apotheken fit für die Zukunft zu machen und dem anhaltenden Trend des Apothekensterbens entgegenzuwirken.

„Grundsätzlich freuen wir uns sehr darüber, dass die Ministerin den Apotheken aufgrund ihrer heilberuflichen Kompetenz mehr Verantwortung bei der Versorgung der Bevölkerung übertragen möchte“, sagt der Präsident der Bundesvereinigung deutscher Apotheker (ABDA), Thomas Preis, dazu. Künftig sollen Apotheker beispielsweise auch medizinische Leistungen wie das Impfen mit Totimpfstoffen oder die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente übernehmen.

Doch nicht alle Ideen der Gesundheitsministerin stoßen auf Gegenliebe. Zu den Plänen, pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) in Rand- oder Urlaubszeiten auch als alleinige Apothekenleitung einzusetzen, kritisiert Preis scharf: „Das geht gar nicht. Arzneimittel sind Produkte, die den Menschen helfen können.“ Bei falscher Einnahme, falscher Beratung oder unpassend gewählter Ersatzmedikation hingegen könnten Medikamente schlimme Folgen haben, „sodass Arzneimittel gesundheitsschädlich statt fördernd wirken können.“ Auch die Herstellung vieler Medikamente erfordere den „letzten Blick und die Kontrolle“ des Apothekers.

Besonders enttäuscht ist der Pharmazeut jedoch von der abermals verschobenen Erhöhung des Apothekenhonorars. „Das stößt bei uns auf absolutes Unverständnis“, sagt Thomas Preis. Die einmalige Erhöhung des Fixhonorars auf 9,50 Euro wurde im Koalitionsvertrag als Sofortmaßnahme festgelegt, das könne „man jetzt nicht so zur Seite wischen.“

Die Vergütung der Apotheker wurde zuletzt 2013 angepasst, seitdem liegt der Betrag bei 8,35 Euro je abgegebener Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments. Dass die geplante Erhöhung nun zunächst auf das kommende Jahr vertagt und dann erneut geprüft werden solle, verschärfe die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage vieler Apotheken, kritisiert Preis. „Wir werden ja auch nächstes Jahr mit Lohnsteigerungen aufgrund der Mindestlohnerhöhung rechnen“, so der Verbandschef.

Die Politik müsse deshalb dringend handeln: „Für uns ist das Thema nicht weg. Eine Neuregelung über Verhandlungen mit den Krankenkassen würde viel zu lange dauern, bis sie Wirkung entfaltet. Es ist ganz wichtig, dass wir sofort eine einmalige Erhöhung bekommen.“ Immerhin sparen die Apotheken durch die Umsetzung von Rabattverträgen den Krankenkassen jedes Jahr mehr als fünf Milliarden Euro ein, argumentiert Preis.

Bis ein Gesetzentwurf vorliege, werde es also noch „einiges zu besprechen“ geben, kündigte der ABDA-Präsident an.

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