Sylt  Gefahr für Sylt: So schnell würde die Insel ohne Küstenschutz überflutet werden

Julia Henkenborg
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Von Julia Henkenborg
| 29.09.2025 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Idylle auf dem Deich: Doch das muss nicht so bleiben. Der steigende Meeresspiegel bedroht langfristig gesehen Sylts Existenz. Foto: Martina Kramer
Idylle auf dem Deich: Doch das muss nicht so bleiben. Der steigende Meeresspiegel bedroht langfristig gesehen Sylts Existenz. Foto: Martina Kramer
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Eine Simulation zeigt, wie der steigende Meeresspiegel Sylt bedrohen könnte. Schon im harmlosesten Szenario wären weite Küstenstreifen ohne Deiche vom Meer verschlungen.

Der Klimawandel ist längst keine ferne Bedrohung mehr. Eine Simulation der HafenCity Universität Hamburg zeigt, wie massiv der Meeresspiegel an der Nordseeküste bis zum Jahr 2100 steigen könnte – mit dramatischen Folgen für die Nordfriesischen Inseln. Ohne Küstenschutz wären Sylt, Föhr und große Teile der Ostfriesischen Inseln kaum überlebensfähig.

Die Wissenschaftler rechneten verschiedene Szenarien durch: Bei einer globalen Erwärmung um 1,8 Grad steigt der Meeresspiegel an der Nordsee bis 2100 um 48 Zentimeter, bei 3,7 Grad sogar um 71 Zentimeter. Die „Sea Level Map“ macht deutlich: Schon im harmlosesten Szenario wären weite Küstenstreifen ohne Deiche vom Meer verschlungen. Für Sylt gilt: Mit funktionierendem Küstenschutz bleibt die Insel weitgehend gesichert – betroffen wären nur die Zugbrücke und kleine Abschnitte zwischen Keitum und Morsum Kliff. Ohne Schutz jedoch stünde unter anderem das Rantumbecken komplett unter Wasser.

Noch drastischer die Folgen bei Deichbrüchen: In Nordfriesland allein könnten dann 1.268 Quadratkilometer Land überflutet werden – Hunderttausende Menschen wären an der gesamten Nordseeküste betroffen.

Für Dennis Schaper von der Schutzstation Wattenmeer ist klar: Der Schutz der Insel ist ein Wettlauf mit der Zeit. „Es wird ein anspruchsvolles Jahrhundert mit weiteren Sturmfluten. Auch die Ostseite Sylts muss stärker in den Blick genommen werden“, sagt er. Dass noch nicht jede Gemeinde ein eigenes Hochwasserschutzkonzept habe, überrasche ihn.

Die Schutzstation versucht, über Bildungsangebote wie Wattwanderungen oder Klima-Führungen das Bewusstsein zu schärfen. „Der Klimawandel ist nichts, was Naturschützer alleine lösen können – da müssen alle mitmachen“, so Schaper. Chancen sieht er in einem neuen Bewusstsein: Weniger Plastik, mehr erneuerbare Energien, nachhaltige Alltagsentscheidungen. „Wir könnten den Planeten besser verlassen, als wir ihn vorgefunden haben.“

Ein aktueller Deich-Check in Schleswig-Holstein bescheinigt den Anlagen einen „wehrhaften“ Zustand, wie Fabian Lücht vom Landesbetrieb Küstenschutz sagt. Doch die Deiche müssen zukunftsfest werden: Das Land baut sie zu sogenannten „Klimadeichen“ aus, die auch einem Anstieg von einem Meter standhalten können – mit Reserven für weitere Erhöhungen. „Das ist eine enorme Aufgabe für kommende Generationen“, so Umweltminister Tobias Goldschmidt.

Die Bedeutung der Inseln dabei ist groß: Sylt und die Halligen bilden durch ihre Lage eine erste Schutzlinie für das Festland.

Für Sylt bleibt die jährliche Sandvorspülung ein zentrales Instrument. In diesem Jahr werden von April bis Oktober mehr als eine Million Kubikmeter Sand an die Strände gepumpt, um die Abtragungen durch Stürme auszugleichen. Kostenpunkt: 12,5 Millionen Euro. Seit 1972 wurden so insgesamt mehr als 60 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült. Ohne diese Maßnahmen würde die Westküste der Insel jährlich etwa einen Meter zurückweichen – an den Inselenden noch deutlich mehr.

Die Studie aus Hamburg, die Einschätzungen der Küstenschützer und die aktuellen Deichschauen zeigen: Sylts Zukunft hängt am Küstenschutz. Noch stehen die Deiche, noch gibt es Millionen für Sandaufspülungen. Doch die Frage bleibt, ob diese Strategien reichen, wenn der Meeresspiegel weiter steigt. „Sportlich“, nennt Schaper das Szenario für Sylt. Und warnt: „Es funktioniert nur, wenn alle mitmachen.“ Am kommenden Montag, 29. September, findet auf Sylt die Herbstdeichschau statt.

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