Hamburg Streit zwischen J.K. Rowling und den „Harry Potter“-Schauspielern: Eine kurze Chronologie
Für ihre Äußerung in der Debatte um Transrechte bekam J.K. Rowling nicht nur Gegenwind von Kritikern und Fans, sondern auch von Schauspielern, die ihre bekannten Buchfiguren in der „Harry Potter“-Filmreihe verkörperten. Eine kurze Chronologie.
Mit ihrer Buchreihe über den Zauberlehrling Harry Potter wurde die britische Autorin J.K. Rowling weltweit bekannt. Seit einigen Jahren macht die Autorin aber immer wieder mit ihren Äußerungen zum Thema Transrechte Schlagzeilen. Kritiker werfen ihr Transfeindlichkeit vor. Viele bezeichnen sie als „TERF“, also radikale Feministin, die Transfrauen ausschließe. Rowling selbst weist das zurück. Sie beschreibt sich selbst als Verteidigerin von Frauenrechten, die ihrer Ansicht nach durch bestimmte Forderungen der Transbewegung unter Druck geraten.
Einige Darsteller aus den „Harry Potter“-Filmen haben sich wegen ihrer Äußerungen von ihr distanziert und teils klar gegen sie ausgesprochen. Auch zahlreiche Fans wenden sich von ihr ab, von anderen erhält sie Zuspruch. Hier ein kurzer, ausschnitthafter Überblick:
Im Jahr 2020 kritisierte Rowling auf Twitter (heute X) einen Artikel, in dem von „Menschen, die menstruieren“ die Rede war. Sie fragte rhetorisch: „Gab es nicht mal ein Wort für diese Personen?“ Für diesen Post erntete sie scharfe Kritik. Die Formulierung „Menschen, die menstruieren“ soll zum Beispiel auch Transmänner sowie intergeschlechtliche und nicht-binäre Personen einschließen.
In einem Essay auf ihrer Webseite verteidigte die Britin ihre Aussagen unter anderem mit ihrem Recht auf Meinungsfreiheit. Sie hätte für einen Krimi Transgender-Themen recherchiert. Das habe bei ihr Bedenken für Auswirkungen auf Frauenrechte geweckt.
Daniel Radcliffe, der bis 2011 die Rolle von Harry Potter verkörperte, betonte 2020 in einer Stellungnahme über die US-Non-Profit-Organisation „The Trevor Project“, dass auch Transfrauen Frauen seien. „Es ist klar, dass wir mehr tun müssen, um transgender und nicht-binäre Menschen zu unterstützen statt ihre Identitäten zu invalidieren.“ Er hoffe, dass die Kommentare von Rowling den Fans der Reihe nicht das „verderben“, was sie ihnen bedeute.
Emma Watson, die ehemals Hermine Granger verkörperte, erklärte damals öffentlich: „Transmenschen sind, wer sie sagen, wer sie sind(....).“ Sie sollten ihr Leben leben können, ohne, dass ihre Identität ständig infrage gestellt werde. Auch Rupert Grint, der Darsteller von Ron Weasley, distanzierte sich.
Voldemort-Schauspieler Ralph Fiennes sprach hingegen Rowling seine Unterstützung aus: „Ich verstehe die Boshaftigkeit nicht“, sagte der Schauspieler über den Streit. Die Kritik an Rowling überschreite Grenzen und sei „verstörend“.
In den darauffolgenden Jahren eskalierte die Situation fortlaufend durch weitere Posts von Rowling. Die Autorin verteidigte ihren Standpunkt öffentlich in Essays und in den sozialen Medien. Dabei schien sie auch immer wieder indirekt auf die drei Hauptdarsteller Watson, Radcliffe und Grint anzuspielen. Die Schauspieler blieben weitgehend konsistent bei ihrer Kritik.
Einen Höhepunkt erreichte J.K. Rowlings Rolle in der Debatte, als sie 2025 ein Gerichtsurteil des Supreme Court feierte, das entschied, dass in Großbritannien das biologische Geschlecht (englisch „sex“) und nicht das soziale Geschlecht (im englischen „gender“) bei der Gleichstellung von Männern und Frauen zähle. Sie hatte die klagende britische Gruppe For Women Scotland FWS vorab unterstützt.
Daraufhin unterschrieben weitere Schauspieler wie Eddie Redmayne („Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“) einen offenen Brief, in dem sie sich für die Rechte von Transpersonen aussprachen. Rowling bezeichnete sie als „backstabbing colleagues“ also hinterhältige Kollegen, deren Aktion von Angst motiviert sei. Rowlings Rhetorik wurde sogar noch schärfer. So schrieb sie, dass niemand, der „geistig gesund“ sei, je geglaubt habe, dass Menschen ihr Geschlecht ändern können.
Kürzlich äußerte sich Emma Watson dann in einem Podcast in einem versöhnlichen Ton über Rowling: „Ich glaube, es ist mein tiefster Wunsch, dass Menschen, mit denen ich nicht einer Meinung bin, mich lieben und ich sie weiterhin lieben kann“.
Rowling ging auf dieses Friedensangebot jedoch nicht ein: „Emma hat so wenig Erfahrung im echten Leben, dass sie sich nicht bewusst ist, wie ignorant sie ist“, schrieb die 60-Jährige auf X. Watson habe keine Ahnung von den Gefahren, die Frauen auf öffentlichen Toiletten oder in Umkleiden durch Transfrauen drohten.
Die Autorin warf ihr Opportunismus vor, „weil sie bemerkt hat, dass eine lautstarke Verurteilung meiner Person nicht mehr ganz so angesagt ist wie früher.“ Watson fehle durch ihre frühen Privilegien als Berühmtheit die Lebenserfahrung.
Der Streit zwischen den beiden Frauen scheint weiterhin ungelöst. Eine Annäherung ist wohl nicht in Sicht.