Kiel Drohnen überfliegen Landeshaus und Infrastruktur in Schleswig-Holstein
Drohnen haben gezielt das Kieler Landeshaus und wichtige Infrastruktur in Schleswig-Holstein überflogen. Behörden prüfen einen möglichen Zusammenhang zu russischer Spionage und beraten über Abwehrmaßnahmen.
Wenn heute um 14 Uhr der Innen- und Rechtsausschuss des Landtags im Kieler Landeshaus zusammenkommt, dann wird der ein oder andere Politiker vielleicht einen kurzen Blick in Richtung Himmel werfen. Denn der Ausschuss beschäftigt sich heute auch mit den Drohnenflügen über Schleswig-Holstein und der Durchsuchung des Frachters „Scanlark”, der vor drei Wochen als vermeintliche Abflugbasis festgesetzt wurde.
Nun wurde bekannt, dass auch das Landeshaus und damit das Herz der schleswig-holsteinischen Politik überflogen und ausspioniert wurde. Das meldete der „SPIEGEL“ heute Morgen und bezog sich dabei auf Sicherheitskreise. Das ist eine bemerkenswerte Nachricht – in zweierlei Hinsicht. Denn erstens waren das schleswig-holsteinische Innenministerium, aber auch die ermittelnden Behörden sehr um Verschwiegenheit in der Sache bemüht.
Ein Fragenkatalog zu den Drohnenüberflügen in der Nacht von Freitag auf Samstag vergangener Woche, zu den überflogenen Zielen und den möglichen Startpunkten der Drohnen wurde mit Verweis auf den heutigen Ausschuss nicht beantwortet.
Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) sprach lediglich von einer „hybriden Bedrohungslage”. Daraus immerhin ließ sich ableiten, wie ernst die Behörden die Vorfälle nehmen. Und, zweitens, waren die Einsätze der Drohnen doch sehr viel zielgerichteter als bislang vermutet. Denn laut des „Spiegel”-Berichts seien auch das Universitätsklinikum Kiel, der Nord-Ostsee-Kanal, das Werksgelände von Thyssenkrupp, ein Kraftwerk und die Raffinerie Heide überflogen worden, die unter anderem Kerosin für den Hamburger Flughafen liefert.
Während der Überflüge hätten sich die Drohnen in parallelen Linien bewegt, als würden sie die Objekte vermessen. Laut Informationen unserer Redaktion verdichtet sich der Verdacht, dass die Drohnen, die in der vergangene Woche zunächst Dänemark und dann Schleswig-Holstein überflogen haben, von russischen Tankern aus gestartet worden sein sollen.
Mit den neuen Erkenntnissen steigt der Druck auf eine koordinierte Abwehr der Flugobjekte. Aus den zuständigen Behörden heißt es immer wieder, dass die Abstimmung der Maßnahmen im Zuständigkeitsgeflecht zwischen Landespolizei, Bundespolizei und Bundeswehr zu lange dauere. „Bis da eine gemeinsame Entscheidung getroffen worden ist, sind die Drohnen längst wieder weg”, sagte ein Mitarbeiter der zuständigen Behörden unserer Redaktion.