Istanbul Welche Kritik die islamische Welt jetzt an Trumps Gaza-Plan übt
Trumps Gaza-Plan sorgte in der arabischen Welt für gemischte Reaktionen. Während die Hamas Nachforderungen stellen dürften, sind weitere arabische Vertreter sauer wegen angeblich kurzfristiger Änderungen des Plans zugunsten Israels.
In islamischen Staaten regt sich Kritik am Gaza-Plan von US-Präsident Donald Trump. Gaza-Vermittler Katar sieht Klärungsbedarf in einigen Punkten, Pakistan distanziert sich von dem Vorschlag. Die Hamas dürfte Nachforderungen stellen, den Plan aber nicht rundweg ablehnen.
Zunächst hatten sich acht führende arabische und islamische Staaten noch hinter den Plan gestellt. Dass sie nun nicht mehr zufrieden sind, könnte daran liegen, dass Israels Premier Netanjahu im Gespräch mit Trump offenbar noch Änderungen durchsetzen konnte.
Trumps 20-Punkte-Plan sieht eine sofortige Feuerpause nach fast zwei Jahren Krieg und mehr als 60.000 Toten, die Freilassung aller Geiseln, eine Entwaffnung der Hamas und mehr humanitäre Hilfe für die zwei Millionen Menschen in dem Küstenstreifen vor. Der Vorschlag enthält aber keinen verbindlichen Zeitplan für einen israelischen Truppenrückzug und für die Wiederherstellung einer palästinensischen Selbstverwaltung.
Ein westlicher „Friedens-Rat“ unter Leitung von Trump und dem britischen Ex-Premier Tony Blair soll auf unbestimmte Zeit das letzte Wort in Gaza haben.
Hamas-Vertreter ließen sich in arabischen und westlichen Medien mit Kritik an Trumps Plan zitieren. Die Terrorgruppe, die den Gaza-Krieg am 7. Oktober 2023 mit ihrem Überfall auf Israel begonnen hatte, wendet sich demnach gegen die geplante Vernichtung ihrer Waffen.
Stattdessen wolle die Hamas ihre Waffen arabischen Treuhändern übergeben, meldete die Zeitung „The National“ aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch wolle die Hamas ihre Geiseln nicht auf einen Schlag, sondern in mehreren Phasen freilassen, um sich gegen neue israelische Angriffe abzusichern. Trump hält Nachverhandlungen in Einzelfragen zwar für möglich. Viel bewegen lasse sich aber nicht mehr, sagte der US-Präsident. Er will eine Antwort der Hamas bis zum Wochenende.
Hamas wird den Plan voraussichtlich nicht grundsätzlich ablehnen. Die Terrorgruppe ist in Gaza militärisch besiegt und politisch weitgehend isoliert. International gibt es viel Unterstützung für den Plan; auch die Palästinenser-Regierung im Westjordanland signalisierte ihre Zustimmung. Der Iran, der die Hamas mit Geld und Waffen unterstützt, ruft ebenfalls nicht zur Ablehnung auf, sondern will nach den Worten seines Außenministers Abbas Araghchi die Entscheidung der Terrorgruppe abwarten.
Die Gaza-Vermittler Katar und Ägypten hatten den 20-Punkte-Plan an die Hamas weitergeleitet; auch die Türkei beteiligte sich an Gesprächen mit Hamas-Vertretern in Katars Hauptstadt Doha. Die Vertreter der drei einflussreichen Staaten machten den Hamas-Funktionären nach einem Bericht der Nachrichtenseite Axios klar, dass mehr Zugeständnisse als im vorliegenden Plan nicht erreichbar seien.
In einigen Fragen will Katar dennoch nachverhandeln, wie Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman al-Thani dem Sender Al-Dschasira sagte. Manche Details und deren Umsetzung müssten noch besprochen werden. Auch der pakistanische Außenminister Ischak Dar sagte, es gebe noch ungeklärte Themen. Er weigerte sich, Trumps Plan weiter zu kommentieren: „Dies ist nicht unser Dokument“.
Katar, Ägypten, die Türkei und Pakistan gehörten zu acht islamischen Staaten, die sich kurz nach Präsentation des Plans durch Trump und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hinter den Vorschlag gestellt hatten. Hinter den Kulissen hätten arabische Diplomaten verärgert reagiert, weil sich Trumps Plan von jener Version unterscheide, die der US-Präsident vorige Woche mit Spitzenvertretern islamischer Staaten besprochen habe, meldete Axios.
Die „Jerusalem Post“ berichtete, Netanjahu habe im Gespräch mit Trump kurz vor Veröffentlichung des Plans noch Änderungen bezüglich des israelischen Truppenabzugs und der Entwaffnung der Hamas durchgesetzt. Die neue Version liege näher an israelischen Interessen als die alte.
Das kritisieren auch Kommentatoren in arabischen Medien. Trumps Plan sei ein amerikanisch-israelisches Vorhaben ohne Beteiligung der Palästinenser und werde von arabischen Staaten nur widerwillig unterstützt, schrieb der palästinensisch-amerikanische Journalist Daoud Kuttab in der saudischen Zeitung „Arab News“.
Während eine Drei-Tage-Frist für die Freilassung der Hamas-Geiseln gesetzt werde, fehle ein zeitlicher Rahmen für Israels Truppenrückzug. „Es liegt allein in der Hand Israels, den Krieg zu beenden“, meint Kuttab.
Andere Kritiker des Plans fühlen sich an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erinnert, als Großbritannien und Frankreich den Nahen Osten unter sich aufteilten. Nun wolle Trump ein „imperialistisch-orientalistisches Projekt unter amerikanischer Führung“ durchsetzen, schrieb der jüdisch-amerikanische Akademiker und Dichter Ammiel Alcalay in einem Beitrag für das Nachrichtenportal Middle East Eye in Katar.