Osnabrück  Osnabrücker Schlosskonzert wird zur Musica pro pace mit Christopher Lichtenstein

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 01.10.2025 17:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gemeinsame Vermittlungsarbeit: Musikwissenschaftler Stefan Hanheide (links) und Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein. Foto: Thomas Osterfeld
Gemeinsame Vermittlungsarbeit: Musikwissenschaftler Stefan Hanheide (links) und Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein. Foto: Thomas Osterfeld
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Mit dem neuen Osnabrücker Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein verändert sich das Musikleben der Stadt. Auch für die Schlosskonzerte hat er sich einiges überlegt, gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Stefan Hanheide.

Den neuen Osnabrücker Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein zeichnet ein unbedingter Gestaltungswille aus. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass er auch die Schlosskonzerte neu konzipiert.

Erfunden hat die Schlosskonzerte Lichtensteins Vorgänger Andreas Hotz, und zwar als Reihe, die ausdrücklich und ausschließlich den Komponisten Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart vorbehalten waren. Eine relativ kleine Besetzung ist ebenso obligatorisch wie erklärende Worte durch den Musikwissenschaftler Stefan Hanheide.

An letzterem hält Lichtenstein fest: Auch künftig wird Hanheide die Programme erläutern. Doch musikalisch schlägt der GMD eine neue Richtung ein, weg von der Wiener Klassik, hin zur klassischen Moderne. Beim ersten Konzert am Sonntag, 5. Oktober, stehen Werke von Karl Amadeus Hartmann, Pavel Haas und Arthur Honegger auf dem Programm.

„Nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine große stilistische Vielfalt“, sagt Lichtenstein, und diese Vielfalt möchte er abbilden. Gemäß dem Motto, das er bei seinem ersten Sinfoniekonzert in der Osnabrückhalle formuliert hat: Modern ist, was man nicht kennt. Tatsächlich sieht er die Schlosskonzerte nicht isoliert, sondern er will damit eine Brücke zur Sinfoniekonzertreihe schlagen. Erkennbar am Komponisten Arthur Honegger: Mit dessen sinfonischem Satz „Rugby“ ist er in seine erste Saison gestartet; das erste Schlosskonzert endet mit Honeggers Sinfonie Nr. 2.

Diese Musik hatte es zu ihrer Entstehungszeit schwer, ein breites Publikum zu finden. „Eine konservative Grundeinstellung des Publikum“ konstatiert Hanheide, „gab es schon bei Beethoven oder den Impressionisten.“ Umso wichtiger sei die Vermittlungsarbeit, sagt Lichtenstein. „Ich hoffe, ein jüngeres Publikum zu finden.“ Und die Musikstudenten lernen ja im Schloss.

Das erste Konzert markiert zudem einen würdigen Anlass für die Kooperation zwischen dem Osnabrücker Symphonieorchester und dem Musikwissenschaftler: Es ist das diesjährige „Musica pro pace“-Konzert.

Das spiegelt sich in der Programmauswahl: Karl Amadeus Hartmann schrieb sein Concerto funebre für Solo-Violine und Streichorchester unter dem Eindruck der Annexion des Sudetenlands 1939 durchs Dritte Reich. Pavel Haas wurde 1941 wegen seiner jüdischen Abstammung zunächst ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau umgebracht. Arthur Honegger schließlich schrieb seine zweite Sinfonie 1941/42 in Paris, das damals von den Deutschen besetzt war.

Ausgewählt haben Hanheide und Lichtenstein die Werke vor dem Hintergrund des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren. „Aber es verweist auch auf Länder, die heute annektiert werden sollen“, sagt Hanheide. „Die Themen der Werke spielen in der Gegenwart“, ergänzt er. Womit auch aus dieser Perspektive deutlich wird, wie modern diese Musik ist, auch über 80 Jahre nach ihrer Entstehung.

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