Hamburg  Friedensplan für Nahost: Wenn das klappt, hat Trump den Nobelpreis verdient

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 06.10.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
US-Präsident Trump und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu. Kommt es wirklich zum Frieden? Foto: IMAGO / UPI Photo
US-Präsident Trump und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu. Kommt es wirklich zum Frieden? Foto: IMAGO / UPI Photo
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Trumps Friedensplan für Nahost soll am Montag verhandelt werden. Der Plan ist sogar halbwegs überzeugend. Es bleibt abzuwarten, ob er funktioniert.

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. So zu sehen beim aktuellen US-Präsidenten Donald Trump, der bis jetzt nicht durch diplomatisches Fingerspitzengefühl aufgefallen ist. Statt Frieden zu stiften, schwelgte er öffentlich in Fantasien, sich Grönland und Kanada einzuverleiben. Er ließ an der Unterstützung seines Landes für die kriegsgebeutelte Ukraine zweifeln. Im Nahostkrieg trat er vor allem als bedingungsloser Unterstützer der Israelis auf, deren Vorgehen viele Experten als Völkermord an den Palästinensern werten.

Vor diesem Hintergrund ist es umso überraschender, dass der Friedensplan, den Trump vorgelegt hat und mit Drohungen vorantreibt, funktionieren könnte. Alle Geiseln und Kriegsgefangenen auf beiden Seiten sollen freigelassen werden. Die Hamas soll entwaffnet werden, was die Verbündeten der USA wie Katar und die Türkei kontrollieren sollen. Eine Übergangsregierung aus Technokraten soll die Geschäfte in Palästina weiterführen und mittelfristig über einen palästinensischen Staat verhandeln.

Die Hamas hat in Teilen bereits Zustimmung signalisiert, auch wenn die eigene Entwaffnung und Entmachtung nicht dem Selbstverständnis der Terrororganisation entsprechen. Wenn das klappt, wäre das ein diplomatischer Coup.

Doch bevor jemand Trump für seinen heiß ersehnten Friedensnobelpreis nominiert: Aufschreiben kann man vieles. Wichtig ist, was nachher umgesetzt wird. Verhandelt werden soll am Montag und dabei kann eine Menge schiefgehen, wie die ergebnislosen Gipfel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigen.

Auch wenn die Verhandlungen im Nahostkrieg nicht ins Leere laufen: Ob Israel wirklich noch kompromissbereit ist, wenn tatsächlich über einen echten palästinensischen Staat verhandelt wird, steht in den Sternen. Ganz zu schweigen von der israelischen Siedlerbewegung, die sich noch nie für offizielle Grenzen interessiert hat und sich über Jahrzehnte in palästinensischen Gebieten breitgemacht hat.

Selbst wenn die Hamas wirklich nachhaltig entwaffnet wird, besteht die Gefahr, dass eine andere Gruppe ihren Terror weiterführt. Zumindest so lange die grundlegenden Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern nicht gelöst sind. Auch die Stabilität einer aufgepfropften Technokratenregierung für die palästinensischen Gebiete darf angezweifelt werden.

All das gesagt: Wenn Krieg herrscht, sollte er so schnell wie möglich beendet werden. Punkt. Beim gegenseitigen Morden und Vertreiben gibt es nur Verlierer, ganz egal, wer am Ende die Oberhand behält. Insbesondere, wenn die Kriegshandlungen Zivilisten so stark treffen, wie im aktuellen Krieg zwischen Israel und der Hamas. Wenn Trump wirklich einen nachhaltigen Frieden in diesem jahrzehntelangen Konflikt schafft, wäre sogar sein Friedensnobelpreis verdient.

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