Herford  Comeback der Diddl-Maus – und Sandra Muschner öffnet ihre geheime Schatzkammer

Janis Sophie Grosser
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Von Janis Sophie Grosser
| 05.10.2025 06:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sandra Muschner besitzt ein ganzes Diddl-Imperium. Foto: Janis Sophie Grosser
Sandra Muschner besitzt ein ganzes Diddl-Imperium. Foto: Janis Sophie Grosser
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Sandra Muschner aus Herford sammelt seit ihrer Jugend alles rund um die Diddl-Maus. Während die Kultfigur im Oktober in Frankreich ihr Comeback feiert, zeigt sie, wie lebendig die Begeisterung bis heute geblieben ist.

Ein Wohnzimmer voller Kindheitserinnerungen: Wer die Wohnung von Sandra Muschner betritt, taucht sofort in eine andere Welt ein. Regale voller bunter Blöcke, Plüschtiere, Tassen, Schals, Kerzen und sogar Bettwäsche mit der berühmten weißen Maus – alles hier erzählt von einer Sammelleidenschaft, die weit über ein Hobby hinausgeht. „Ich könnte mir das nicht wegdenken“, sagt die 35-Jährige und streicht liebevoll über einen ihrer vielen Diddl-Blöcke.

Die Herforderin sammelt, seit sie 13 Jahre alt ist. In den großen Pausen auf dem Schulhof war Diddl damals „total in“, erinnert sie sich. Blätter wurden getauscht, Motive verglichen, kleine Botschaften auf die bunten Zettel geschrieben. Doch richtig groß wurde die Leidenschaft erst Jahre später, während ihres Mutterschutzes 2016. Zufällig stieß sie bei Facebook auf Verkäuferinnen alter Diddl-Artikel. „Ich habe mich gefragt: Hat man das heutzutage überhaupt noch? – und blieb hängen.“

Als sie begann, sich wieder mit Diddl zu beschäftigen, kramte Sandra Muschner neun dicke Ordner aus ihrem Keller hervor – gefüllt mit Blöcken aus ihrer Jugendzeit. Heute sind sie nur ein kleiner Teil ihrer Sammlung. Hunderte Artikel hat sie in den vergangenen Jahren dazugekauft: von Uhren über Büroartikel bis hin zu duftenden Kerzen. „Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gab“, sagt sie. Nur einen Schnuller habe sie nie gefunden – „gäbe es den, dann hätte meine Tochter jetzt einen“. Die fast fünf Monate alte Luisa ist nach Sophie (16) und Finn (9) Sandra Muschners drittes Kind.

Besonders stolz ist Sandra Muschner auf ein Stück, das unter Sammlern als heiliger Gral gilt: den allerersten Diddl-Block. 250 Euro zahlte sie dafür. „Eigentlich sind da nur linierte Blätter drin“, erzählt sie, „aber er ist etwas ganz Besonderes“. Tochter Sophie weiß genau, an welcher Stelle im Regal der Block steht – auch wenn sie selbst nicht mehr aktiv sammelt.

Dass ihre Sammlung ausgerechnet jetzt wieder besondere Aufmerksamkeit bekommt, liegt am bevorstehenden Comeback der Kultfigur. Ab Oktober 2025 bringt der französische Vertrieb Kontiki neue Produkte auf den Markt – zunächst exklusiv in Frankreich. Und sie knüpfen bewusst an die Wurzeln an: klassische 2D-Motive, wie sie Fans aus den 1990er-Jahren kennen.

„Die Leute, die das wollen, wollen die alten Sachen haben“, sagt Sandra Muschner überzeugt. Sie selbst wird kommende Woche mit Mann und Kindern ins nordfranzösische Tourcoing fahren, zur Buchhandlung „Cultura“. Fünf Stunden Fahrt für ein paar Blöcke und Plüschtiere? Für sie keine Frage. „Mein Mann muss fahren, ich habe keinen Führerschein“, erzählt sie und lacht. „Er fährt mich überall hin und zählt zwischendurch auch mal die Blöcke, aber nur wenn ich ihn dazu zwinge.“

Tatsächlich war Diddl nie wirklich weg. 2014 wurde die Produktion eingestellt, zwei Jahre später wagte man mit „Diddl Forever“ einen Neustart in 3D. Doch das kam bei den Fans nicht gut an. „Forever finde ich trotzdem toll, weil es das jetzt nicht mehr so viel gibt“, sagt Sandra Muschner.

Heute lebt die Sammlerszene vor allem online. Sandra Muschner leitet selbst eine große Fangruppe bei Facebook, kauft und verkauft Artikel über Ebay, Vinted oder Kleinanzeigen. „In Frankreich ist die Nachfrage riesig, die Deutschen sind da eher geizig“, beobachtet sie. Beim Tausch von Blöcken zählt für sie bis heute das Gemeinschaftsgefühl: Rund 1000 verschiedene Varianten gibt es, ihr fehlen aktuell nur noch 27. Besonders beliebt sind die parfümierten Blanco-Blöcke – „manche riechen sogar nach 30 Jahren noch durch die Folie hindurch“.

Ob ihre Sammelleidenschaft auf die Familie abgefärbt hat? Sandra Muschner schmunzelt. Ihr Mann begleitet sie zwar auf Flohmärkte und Fahrten, sammelt aber nicht mit. „Das ist nur mein Ding“, stellt sie klar. Tochter Sophie war als Kind dabei, hat das Interesse inzwischen aber verloren. Trotzdem verbindet die Maus die Familie – spätestens beim Brettspiel „Diddls Käsekuchenland“.

Darin werden nicht nur Diddl-Kennerfragen beantwortet, sondern auch das Allgemeinwissen unter Beweis gestellt. „Das sorgt bei uns immer für ein paar Lacher“, sagt Sandra Muschner.

Und wie geht es weiter? Erfinder Thomas Goletz selbst hat angedeutet, dass die Rückkehr der Maus nach Deutschland möglich sei – abhängig von der Resonanz in Frankreich. Für Sammlerinnen wie Sandra Muschner heißt das: abwarten. Bis dahin bleibt ihr Wohnzimmer ein kleines Maus-Museum. Hier lebt die Kultfigur längst weiter – nicht als Marketingprodukt, sondern als Teil einer ganz persönlichen Lebensgeschichte.

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