Osnabrück  Zum Abschied von „Eule“: So startete die Karriere von Timo Beermann beim VfL Osnabrück

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 10.10.2025 13:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Profidebüt in Erfurt traf Timo Beermann auf seinen späteren Mitspieler Gaetano Manno. Foto: Helmut Kemme
Beim Profidebüt in Erfurt traf Timo Beermann auf seinen späteren Mitspieler Gaetano Manno. Foto: Helmut Kemme
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An diesem Freitag setzt Timo Beermann mit einem Abschiedsspiel und einer Party den Schlusspunkt unter seine aktive Laufbahn. Kicken wird er nicht mehr für den VfL Osnabrück, doch es ist möglich, dass er dennoch auch künftig für seinen Verein im Einsatz ist. Er war 13, als er zum VfL kam, sein Profidebüt gab er am 26. August 2011 – es war ein Einstand wie aus dem Bilderbuch…

Ein paar Tage zuvor hatte Beermann zwar im NFV-Pokalspiel beim BSV Rehden erstmals in der ersten Mannschaft gestanden und beim 6:1-Sieg überzeugt. Doch als er an jenem Mittwoch im Steigerwald-Stadion in Erfurt mit der Nummer 14 auf dem Aufstellungsbogen in der Startelf auftauchte, war das dennoch eine Überraschung. Denn die Partie bei RWE war nach einem mäßigen Start mit vier Punkten in den ersten vier Spielen wichtig, zumal der VfL mit einer 0:1-Heimniederlage gegen Jahn Regensburg in die englische Woche gestartet war.

Entsprechend viel wert war das 0:0, und die NOZ leitete die Spielanalyse mit diesen Sätzen ein: „Der VfL verdiente sich den Punkt mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, aus der ein Debütant herausragte: In seinem ersten Profispiel überraschte Timo Beermann in der Innenverteidigung mit einer selbstbewussten, abgeklärten Leistung.“

Als Vertreter des angeschlagenen Routiniers Jan Mauersberger und an der Seite von Abwehrchef Nils Fischer mit den Außenverteidigern Marco Neppe und Stephan Salger (und Manuel Riemann im Tor) überzeugte Beermann mit schnörkellosem Spiel, Zweikampf- und Kopfballstärke sowie kompromisslosem Einsatz.

Es war kein Zufall, dass und wie Beermann zu seinem Debüt kam. Der nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga verpflichtete Trainer Uwe Fuchs setzte die Vorgabe des Vereins um: Verjüngung und Neuaufbau hieß das Gebot der Stunde. Dank der Vorarbeit von Nachwuchsmanager Heiko Flottmann und U23-Trainer Joe Enochs bekam eine Handvoll Talente die Chance im Profikader: Neben Beermann waren das Daniel Latkowski, der heutige Chefscout und Kaderplaner, Gerrit Wegkamp, der gerade bei Schalke 04 II seine neunte Profistation angesteuert hat, Nils Zumbeel, zuletzt im Tor des SV Holthausen-Biene, und Christian Pauli, derzeit beim SK St. Johann in seiner Heimat Österreich aktiv.

Eine Woche später erreichte Timo das Ziel, das er sich zwei Jahre zuvor nach einem 3:0 als Kapitän der VfL-Jugend gegen Werder Bremen gesetzt hatte: „Ich will mal an der Bremer Brücke in der ersten Mannschaft des VfL spielen.“ Den Wunsch erfüllte er sich beim 1:1 gegen Wacker Burghausen, der erste Sieg – ein 1:0 gegen Preußen Münster - wurde am 10. September 2011 von dem Sprengstoffanschlag aus der Gästekurve überschattet, und das erste Profitor gelang Beermann am 14. Oktober 2011 beim 1:1 in Oberhausen – per Kopf nach einer Flanke von Salger.

Am Ende seiner ersten Profisaison standen für den Novizen 20 Einsätze – davon 14 in der Startelf - zu Buche, 2012/13 wuchs er mit 20 Jahren zum Stammspieler, bestritt 30 Einsätze (28 Mal in der Startelf) und galt bei Manager Lothar Gans und Trainer Claus-Dieter Wollitz als potenzieller Führungsspieler mit Identifikations-Attributen. Doch die neue Clubführung sah das anders und schob die Vertragsverlängerung auf die lange Bank. „Wenn man mir ein Angebot vorgelegt hätte, hätte ich sofort unterschrieben“, erinnerte sich Beermann an diese Zeit.

Wollitz drängte vergeblich auf eine Vertragsverlängerung, Beermanns Berater Markus Peter gab mehrfach das Signal, dass sein Klient gern an der Bremer Brücke bleiben würde. Als sich nichts tat, hatte Frank Schmidt freie Bahn. Der Trainer des Drittligisten 1. FC Heidenheim holte seinen Wunschspieler auf die schwäbische Alb. Obwohl Beermann in der Vorbereitung im Sommer 2013 einen Kreuzbandriss erlitt und für die ganze Saison ausfiel, lohnte sich der Schritt weg von der Heimat.

In sieben Saisons fühlte sich Timo in Heidenheim rundum wohl, bestritt 142 Zweitligaspiele und verpasste mit dem FCH in der Relegation 2019/20 gegen Werder Bremen bei zwei Unentschieden (0:0, 2:2) den Aufstieg in die Bundesliga. Beim torlosen Hinspiel verfehlte ein Beermann-Kopfball kurz vor Schluss das Bremer Tor um Haaresbreite.

Zu diesem Zeitpunkt stand sein Wechsel zum VfL Osnabrück bereits fest. Der Kreis schließt sich an diesem Freitag mit dem Abschiedsspiel – eine Ehre, die Timo Beermann als vierter Spieler der VfL-Geschichte zuteil wird. Timo Beermann werden sicherlich viele Bilder aus seinen fußballerischen Anfängen durch den Kopf gehen. Mit 13 hatte er seinen Heimatverein FV Ostercappeln (Vereinsfarben: Lila-Weiß) in Richtung Osnabrück verlassen. Sein Vater Frank, der ihn und Bruder Malte von Kindesbeinen an trainierte, wurde vom Förderer zum Fahrer, der die Jungs zu Training und Spiel brachte. In seinen ersten Jahren beim VfL trug Timo auf dem Platz eine Sportbrille, die ihm den längst populären Spitznamen „Eule“ einbrachte.

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