Osnabrück Steckenpferdreiten 2025: Wie die Schulen die Kinder vorbereitet haben
Das Steckenpferdreiten in Osnabrück ist für viele Viertklässler mit großer Aufregung und Vorfreude verbunden. Hinter der Tradition steckt mehr als Holzpferde und klebriges Gebäck. So bereiten Grundschulen ihre Schüler auf den Termin vor.
Jedes Jahr freuen sich die Viertklässler in Osnabrück auf das traditionelle Steckenpferdreiten. Selbst daran teilhaben kann man nur einmal. Die Lehrkräfte der Grundschulen bereiten ihre Schüler immer wieder auf das traditionsreiche Event vor.
„Für uns Lehrkräfte ist es ein immer wieder ein schönes Ereignis, durch das man mit den Kindern vielseitig in die Geschichte der Stadt eintauchen kann“, sagt Bettina Buhr, stellvertretend für die Grundschule am Schölerberg. Wie läuft diese Vorbereitung ab?
Zunächst einmal muss für jedes Kind ein Steckenpferd her. Natürlich Eigenkreationen: „Im Textilunterricht nähen die Kinder mit Freude und viel Liebe zum Detail ihr eigenes Steckenpferd“, so Buhr.
Leif Thomsen, Lehrer an der Franz-Hecker-Schule, hat es ähnlich gemacht: „Die Steckenpferde haben wir mit den Eltern zusammen an einem Vormittag gebastelt. Wir haben eine Socke mit Füllmaterial gefüllt und dann entsprechend dekoriert, das Ganze natürlich auf einem Holzstab. Der Hut wurde im Kunstunterricht gebastelt.“
Als Nächstes müssen die Kinder das Steckenpferdlied lernen, um am richtigen Moment auch mittanzen und – singen zu können. Dabei haben sie besonders viel Spaß. „Das Steckenpferdreiterlied haben wir eingeübt und dazu auch auf den Steckenpferden geritten“, sagt Thomsen. Auch Buhr erklärt: „Im Musikunterricht singen die Kinder das alte und das neue Steckenpferdlied. Mit viel Freude marschieren und tanzen sie dazu.“
Hintergrund der Tradition ist der in Münster und Osnabrück geschlossene Westfälische Friede von 1648. Einer Legende zufolge ritten 1650 während des Nürnberger Exekutionstags Kinder mit Steckenpferden zu Fürst Ottavio Piccolomini, um ein Friedensandenken zu erhalten. Der Fürst ließ „Steckenreiter“ prägen – Silbermünzen, auf denen ein Steckenpferdreiter zu sehen ist.
Julian Bührmann, Lehrer an der Heiligenwegschule, findet: „Frieden ist auch heute noch ein großes Thema und eine derartige Aktion ist eine gute Gelegenheit, um dafür ein Zeichen zu setzen.“ Entsprechend wird dieser wohl bedeutendste Teil der Osnabrücker Geschichte im Sachunterricht besprochen. „Damit die Kinder wenigstens ungefähr verstehen, was der Westfälische Friede ist.“
So funktioniert es auch in der Grundschule am Schölerberg: „Dazu gestalten die Kinder ein eigenes Osnabrückheft mit Texten und Bildern von den Anfängen Osnabrücks bis hin zum 30- jährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden“, so Buhr.
Auch ein Gang in die Innenstadt hat sich für sie bewährt. An der Franz-Hecker-Schule setzte man ebenfalls auf eine Stadtführung: „Dabei haben die Kinder einiges zum Dreißigjährigen Krieg erfahren“, freut sich Thomsen.
Dass die Kinder im Voraus aufgeregt waren, bestätigen alle Lehrkräfte. Ausgestattet mit Pferd, Hut, Gesangskünsten, Stadtkenntnis und historischem Wissen waren die Viertklässler aber bestens auf den großen Tag vorbereitet. Entsprechend meisterten sie auch ihre Aufgabe mit Bravour, vom Singen des Liedes über das Reiten durch die Stadt, die Annahme ihrer wohlverdienten Brezel von der Oberbürgermeisterin, bis hin zu großen Show samt Lasern am Ende des Abends.
Teilweise führen die Schulen die Tradition in den kommenden Tagen noch weiter. Dazu Buhr: „Nach dem offiziellen Steckenpferdreiten findet innerhalb der Schule ein weiteres Steckenpferdreiten statt. Während die übrigen Klassen der Schule auf dem Schulhof Spalier stehen, reiten die Viertklässler singend hindurch. Anschließend erklären die Kinder ihren Mitschülern die Wurzeln des Steckenpferdreitens. Die Veranstaltung endet mit einem Friedensgebet.“