Hamburg Auf Reisen gibt es auch mal Fleisch: So machen Vegetarier und Veganer Urlaub
Millionen Deutsche verzichten auf Fleisch und Fisch oder sind komplett vegan. Warum viele im Urlaub ein Auge zudrücken, was für Vegetarier und Veganer beim Reisen am wichtigsten ist und wo es ihnen am besten schmeckt.
Es ist ein Trend, der die Hotellerie, Reiseplanung und Markus Söder in ihren Grundfesten erschüttert: Millionen Deutsche verzichten auf Fleisch. Allein in der Bundesrepublik leben laut Zahlen der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse von 2024 8,43 Millionen Menschen vegetarisch oder weitgehend fleischlos. 1,47 Millionen Menschen sind Veganer und verzichten damit auf alle tierischen Produkte.
Doch wenn diese wachsende Schar Reisender in die Ferne zieht, wird der Traum vom unbeschwerten Urlaub für viele zur kulinarischen Herausforderung. Eine neue Studie, die der Reiseveranstalter „TUI" im Januar 2025 in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut „Appinio“ durchführte, legt nun offen, wie dramatisch sich die Ernährung auf die Urlaubsentscheidung auswirken kann – und dass viele es am Ende trotzdem nicht ganz so ernst nehmen.
Für mehr als ein Viertel aller Veganer ist das kulinarische Angebot im Urlaub nicht nur ein Faktor, es ist der wichtigste Entscheidungsfaktor bei der Wahl der Destination. Zum Vergleich: Bei den Fleischessern halten nur rund 14,4 Prozent, diesen Punkt für ausschlaggebend. Und diese Prioritätensetzung hat Konsequenzen – vor allem für Hotels.
Die Studie zeigt klar: Statt das Hotel zu buchen, das ihnen alles abnimmt, setzen Veganer auf Autonomie. Ganze 31 Prozent der befragten Veganer präferieren im Urlaub die Selbstversorgung. Nur 11,9 Prozent zieht All-inclusive in Betracht.
Das hat direkten Einfluss auf die Unterkunftsart: Fast ein Viertel der Veganer (23,8 Prozent) bucht am liebsten ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung. Vegetarier hingegen sind mit Halbpension zufriedener, die von 29,8 Prozent bevorzugt wird, wie die Daten der „TUI“-Studie zeigen.
Auffällig ist dabei die Verteilung des Geldes: Obwohl die Küche so entscheidend ist, geben Veganer und Vegetarier im Urlaub prozentual weniger für Essen aus als Fleischesser. Nur 38,1 Prozent der Urlaubsausgaben von Veganern vor Ort fließen in „Essen und Trinken“ – bei Menschen, die Fleisch essen, sind es über 50 Prozent.
Doch welche Länder erfüllen die hohen Ansprüche? Gefragt nach dem Land mit der besten Küche für ihre Ernährungsform, schwärmen laut „TUI“-Studie 43 Prozent der Vegetarier und immerhin 24 Prozent der Veganer vom Mittelmeer-Klassiker Italien.
Deutschland, laut der Website „Love-veggie.com“ die Heimat von 379 rein pflanzlichen Restaurants, landet bei etwa 17 Prozent der Veganer auf Platz eins. Auch die Türkei, Griechenland und Thailand sind beliebte Ziele.
Obwohl das Angebot an vegetarischen und veganen Speisen im Gastgeberland einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, verträgt es sich offenkundig nicht immer mit dem Kennenlernen neuer Länder und Kulturen. Die größte Herausforderung ist oft die lokale Spezialität – und viele verlieren gegen die Versuchung.
Die Studie enthüllt das Phänomen der „Urlaubssünde“: 38,1 Prozent der Veganer geben an, im Urlaub von ihrer gewohnten Ernährungsform abzuweichen. Bei 16,7 Prozent führt dies sogar dazu, dass sie sich „grundsätzlich anders“ ernähren als zu Hause.
Wer standhaft bleiben will, plant kompromisslos. Ein Drittel der veganen Touristen achtet bereits bei der Wahl der Destination strikt darauf, dass die lokale Küche ihren Anforderungen entspricht. Bei allen restlichen Ernährungsformen schwankt diese Bereitschaft hingegen zwischen fünf und zwei Prozent. Der vegane Trend zwingt nicht nur Touristen, sondern auch die Reisebranche zum Umdenken: Flexibilität ist die neue Währung im Urlaub, sei es bei der Buchung oder beim Fleisch.