Osnabrück  Der VfL Osnabrück vor dem 139. Spiel gegen eine „Zwote“: Stars von morgen im Anflug

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 15.10.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zwei Duelle in der 3. Liga gegen den FC Bayern München: In der Saison 2009/10 spielte David Alaba zunächst für die 2. Mannschaft des deutschen Topklubs. Am 17. Oktober 2010 trafen die „kleinen“ Bayern an der Grünwalder Straße auf den VfL Osnabrück. Benjamin Siegert und seine Kollegen erkämpften ein 1:1. Foto: Imago/Ulmer
Zwei Duelle in der 3. Liga gegen den FC Bayern München: In der Saison 2009/10 spielte David Alaba zunächst für die 2. Mannschaft des deutschen Topklubs. Am 17. Oktober 2010 trafen die „kleinen“ Bayern an der Grünwalder Straße auf den VfL Osnabrück. Benjamin Siegert und seine Kollegen erkämpften ein 1:1. Foto: Imago/Ulmer
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Seit über 40 Jahren begegnen dem VfL Osnabrück im Liga-Alltag die 2. Mannschaften anderer Profivereine. Die TSG Hoffenheim ist der 16. Klub, dessen Nachwuchsteam auf die Lila-Weißen trifft. Zeit für eine Zwischenbilanz nach - wer hätte eine solche Zahl erwartet? - 138 Spielen gegen eine „Zwote“.

Die Partie des VfL Osnabrück am Samstag (14 Uhr) an der Bremer Brücke gegen die Zweitvertretung des Bundesligisten TSG Hoffenheim ist das 139. Ligaspiel des VfL gegen eine Amateur- (wie es bis 2005 offiziell hieß) oder 2. Mannschaft eines anderen Profivereins - fast immer waren es Nachwuchsteams von Bundesligisten. Ausnahmen waren der FC St. Pauli (1996/97, 1999/00), der 1. FC Köln (2002/03, 2004/05) und Hannover 96 (2024/25), die ihre „Zwote“ zu Zweitligazeiten in die höchstmögliche Klasse brachten.

„Amateure raus aus Liga 3!“ - ob gesungen oder auf Transparente gepinselt, ist das die Forderung, die Fans vieler Traditionsvereine gerade in den Spielen gegen die zweiten Mannschaften unermüdlich stellen. Die Argumente: Wettbewerbsverzerrung, keine Gästefans, unattraktiver Gegner für das eigene Publikum.

Nur beim allerersten Mal gab es weder dieses Problem noch den Slogan dazu. Werder Bremen war seiner Zeit in den siebziger und achtziger Jahren voraus und etablierte die 2. Mannschaft früh in der Amateuroberliga Nord, von 1974 bis 2000 die dritthöchste Spielklasse in Norddeutschland. Und so begegnete der VfL Osnabrück auf seiner Ehrenrunde nach dem ersten Abstieg aus der 2. Liga/2. Bundesliga auch den Werder-„Bubis“.

6.000 Zuschauer - die drittgrößte Kulisse in einem VfL-Liga-Heimspiel der Aufstiegssaison 1984/85 - sahen ein attraktives Topspiel, das der VfL gegen die Bremer Talente mit 2:0 gewann. Auf Werders Seite spielten spätere Bundesligastars wie Dieter Eilts, Günter Hermann, Frank Ordenewitz und Gunnar Sauer. Das Rückspiel verloren die Osnabrücker auf dem berühmt-berüchtigten Platz 11 am Weserstadion, der damals noch kein schmuckes Stadion, sondern wirklich ein „Platz“ war.

In 17 weiteren Saisons trat der VfL gegen den Bremer Talentschuppen an; zuletzt 2017/18. In der Liste der Clubs, die mehrfach ihre 2. Mannschaft zur Bremer Brücke schickten, folgen der Hamburger SV (11 gemeinsame Jahre), Borussia Dortmund (10), der VfB Stuttgart (7) und Bayer Leverkusen (4). Nur Episoden schrieben FC St. Pauli, 1. FC Köln, Hertha BSC, Mainz 05 (jeweils 3 Jahre), SC Freiburg (2) sowie Arminia Bielefeld, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, Bayern München und Hannover 96 (je eine Saison mit dem VfL in der dritten Klasse).

Die sportliche Bilanz ist positiv. Einige Male wurde der VfL von hochmotivierten, top ausgebildeten Jungprofis ordentlich vermöbelt, doch unter dem Strich lagen die „Zwoten“ den Osnabrückern. 65 der 138 Spiele (47 Prozent) gewann Lila-Weiß und verlor - bei 44 Unentschieden - nur 29 Mal (21 Prozent). Zwar sind einige oft als peinlich empfundene Niederlagen an der Bremer Brücke in unschöner Erinnerung, doch von 69 Heimspielen verlor der VfL nur elf (16 Prozent) und gewann - bei 20 Unentschieden - 38 Partien (55 Prozent).

Auch wirtschaftlich schadeten die Nachwuchsteams kaum. Die Zuschauerzahlen pendelten sich bei diesen Spielen beim Durchschnittsbesuch der jeweiligen Saison ein. Nur die Eintrittsgelder von Gästefans solcher Vereine wie Dynamo Dresden, RW Essen, Arminia Bielefeld, Preußen Münster oder SV Meppen fehlten natürlich in der Kasse. Die Ausnahme war der BVB, der einige Male an der Bremer Brücke zur Stimmung mit einem gut gefüllten Gästeblock beitrug.

Je mehr zweite Mannschaften in der 3. Liga spielen, desto höher fällt der Anteil aus, den die anderen Vereine aus dem mit 26 Millionen Euro gefüllten Fernsehgeld-Topf bekommen. Derzeit sind nur zwei DFL-Clubs in der 3. Liga vertreten: Der VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim. In seinen Drittliga-Saisons hatte es der VfL zumeist mit nur zwei oder drei „Zwoten“ zu tu. Den Höchstwert an Duellen mit den Nachwuchsmannschaften der DFL-Vereine erlebte der VfL 2004/05, als mit 1. FC Köln, Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund, Werder Bremen, VfL Wolfsburg, Hertha BSC und Hamburger SV sieben Zweitvertretungen in der Nord-Liga der zweigleisigen Regionalliga am Start waren.

Den Osnabrücker Fans bescherten die ungeliebten zweiten Mannschaften einige Ausflüge in große Stadien, weil die Reiselust der Lila-Weißen die Kapazität der kleinen Spielstätten für die „Amateure“ überforderte. Unvergessen der vor 8.000 Osnabrückern im Westfalenstadion errungene 2:1-Sieg in der Endphase des Aufstiegskampfes 2009/10. Eine ähnliche Karawane begleitete die Mannschaft von Trainer Jürgen Gelsdorf am 1. Juni 2003 ins Hamburger Volksparkstadion - ein denkwürdiger Tag, obwohl die Aufstiegsfeier nach dem 0:0 noch verschoben werden musste.

Fußballerisch hatten die Talentschuppen der großen Clubs meistens viel spielerische Klasse zu bieten; inzwischen haben sich die Youngster auch in Sachen Härte und Widerstandskraft der 3. Liga angepasst - was ja auch ein Ziel dieser zunehmend attraktiven und professionellen Klasse als Ausbildungsliga ist. Der Blick in die Aufstellungen zeigt, das viele spätere Stars und Nationalspieler den Weg des VfL kreuzten. Ein Auszug aus der Liste: Hasan Salihamidzic, Tim Borowski, Simon Rolfes, Patrick Ebert, Nelson Valdez, Roman Weidenfeller, Aaron Hunt, René Adler, Nuri Sahin, Matthias Scherz, Kevin Großkreutz, David Odonkor, David Alaba, Sejad Salihovic, Jerome und Kevin-Prince Boateng, Marko Marin, Erik Durm oder Noah Atubolu.

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