Osnabrück Training mit der RRG: Dieser deutsche Rennrad-Profi lebt jetzt in Osnabrück
Einer der besten deutschen Radprofis gegenwärtig ist der Liebe wegen nach Osnabrück gezogen und trainiert künftig, wenn es der Terminplan zulässt, mit den Fahrern der Radrenn-Gemeinschaft Osnabrück. Johannes Adamietz plaudert über Erfolge, Trainingseinheiten und seine noch zum Teil unerfüllten Ziele und Träume.
Johannes Adamietz hat sich in der deutschen Radsportszene in den vergangenen Jahren unter anderem als zweifacher Bergmeister 2022 und 2025 einen guten Namen gemacht. Der Radprofi vom Continental-Team „Rembe rad-net“ nahm kürzlich sogar für Deutschland am Straßenrennen bei der EM in Südfrankreich teil und fuhr gegen „die großen Drei“ Rad-Stars Tadej Pogacar (Slowenien), Jonas Vingegaard (Dänemark) und Remco Evenepoel (Belgien).
Was das Ganze mit Osnabrück zu tun hat? Nun, der 27-jährige Adamietz ist vor knapp zwei Monaten aus seiner Heimat Neu-Ulm zu seiner ebenfalls Rennrad fahrenden Freundin Charlotte Beffart nach Osnabrück gezogen und dreht künftig Trainingsrunden mit den hiesigen Radsportlern der RRG Osnabrück.
Die RRG-Fahrer um Lukas Voskuhl, Kai Spinneker, Julian Hellmann, Janko Cvaknar und Simon Michalowski lauschten beim Gesprächstermin gespannt den Ausführungen des prominenten Radprofis, Adamietz hatte aber auch Spannendes zu erzählen. Wann erfährt man als Amateur-Radsportler schon mal Details aus einem Europameisterschafts-Rennen?
Nach 170 von 205 Kilometern war Adamietz gemeinsam mit einer Verfolgergruppe bei knapp zehn Minuten Rückstand auf den „Dominator“ und späteren EM-Champion Tadej Pogacar aus dem Rennen genommen worden. „Da ist man natürlich sehr enttäuscht, wie andere auch. Mein Ziel waren die Top-20 und das hätte ich erreichen können“, meint Adamietz. „Auch andere sind stinksauer gewesen, weil die Leitung gegen alle Regeln verstoßen hat. Jan Christen ist total ausgerastet und hat sein Rad gegen die Wand geworfen“, ärgert sich Adamietz. „Trotzdem war es ein Erlebnis, meine erste EM. Die Leistung gibt mir nochmal Selbstvertrauen fürs kommende Jahr.“
Die darf der Ulmer auch haben, denn das Jahr lief ganz ordentlich mit seinem Continental-Team „Rembe rad-net“ mit 60 Renntagen. Die Highlights waren die Deutschlandtour als drittbester Deutscher (22.) mit großer Medienaufmerksamkeit, ein siebter Gesamtrang bei der Japan-Tour, der DM-Titel im Bergfahren sowie drei Siege bei Rad-Bundesliga-Rennen – um nur einige Erfolge zu nennen. Nicht zu vergessen ist die erstmalige EM-Teilnahme für Deutschland mit den deutschen Topstars Lennard Kämna und Georg Zimmermann.
Apropos große Namen: Auch die Topfahrer der diesjährigen Tour de France, Pogacar und Florian Lipowitz, sind für Adamietz keine Unbekannten. „Pogacar und ich sind derselbe Jahrgang, der war in der Jugend sehr gut, aber noch nicht dominant. Im Ergebnis bin ich sicher schon mal vor ihm gewesen, das kommt jetzt nicht mehr vor“, grinst der Radprofi. „Jetzt muss der nur am Berg zwei Minuten schnell fahren, dann bin ich und sind alle anderen abgehängt.“
Die Umstellung zum Vollprofi ist Adamietz vor einigen Jahren gar nicht mal so schwer gefallen. Der Umfang für eine bessere Grundlagenausdauer sei jedoch wesentlich höher, nicht die Intensität, die man in den Trainingsausfahrten an den Tag legt. „Dennoch ist alles professioneller mit Trainingsteuerung und dem ganzen Drumherum“, beschreibt Adamietz, der mit Björn Kafka einen privaten Coach an seiner Seite weiß. Der Münchner entwickelt und überwacht alle Trainingspläne seines Schützlings Adamietz.
Eins seiner Karriereziele hat Johannes Adamietz übrigens bereits erreicht: einen Profisieg, der ihm letztes Jahr bei der Slowakei-Rundfahrt gelang. Weitere Träume gilt es zu verwirklichen – der DM-Titel auf der Straße und eine Tour-de-France-Teilnahme. Die Spanien-Rundfahrt Vuelta verpasste der 27-Jährige 2023 und 2024 zweimal knapp als Ersatzfahrer des belgischen Lotto-Dstny-Teams.
Aktuell ist Pause, ehe es im November wieder locker aufs Rad geht, dann vielleicht hin und wieder mit den Fahrern der RRG Osnabrück, insbesondere mit dem Niedersachsenmeister Straße 2024 und 2025, Lukas Voskuhl. Der ist einer der besten Amateurfahrer Deutschlands als Elfter der rad-net-Rangliste. „Ich hoffe noch auf einen Vertrag bei einem Pro-Tour-Team, das bei den ganz großen Rundfahrten teilnehmen kann. Ich fühle mich hier bei der RRG gut aufgenommen, habe ja bereits die letzten zwei Jahre über meine Freundin schon immer wieder Kontakt gehabt“, freut sich Adamietz über die gute Aufnahme in seiner neuen Heimat. „Vielleicht kann ich nächstes Jahr beim Jubiläumsrennen der RRG teilnehmen, wenn es mein Terminkalender zulässt.“