Osnabrück Bremer Brücke: Stadt plant 2,2 Millionen Euro Defizit pro Jahr - sind die Kosten wirklich so hoch?
Am 4. November entscheidet der Rat der Stadt Osnabrück, ob das Stadion an der Bremer Brücke saniert wird. In der Beschlussvorlage sind auch Folgekosten genannt. Doch wie setzt sich die Zahl von bis zu 2,2 Millionen Euro jährlich zusammen und wird das Defizit wirklich so hoch?
Am kommenden Dienstag entscheidet der Rat der Stadt Osnabrück über die Sanierung der Bremer Brücke. Das Stadion ist aktuell noch überwiegend im Besitz des VfL Osnabrück, der hier seine Spiele in der 3. Fußball-Liga austrägt. Im Zuge der Sanierung wird die Stadt Haupteigner, genauer gesagt eine Gesellschaft in ihren Händen. Denn die Kosten muss die klamme Kommune vorfinanzieren - wenn der Rat am 4. November zustimmt.
Zusammengefasst wurden die wichtigsten Fakten in einer Beschlussvorlage, die seit Ende letzter Woche öffentlich ist und einige Zahlen nennt: 67,3 Millionen Euro soll die Sanierung kosten - die 4,4 Millionen Euro, die bisher für die Planung ausgegeben wurden, sind hier enthalten. Maximal 33 Millionen Euro kommen von der Stadt. Mehr geht nicht, das gibt das Beihilferecht der EU vor. Die restlichen 34,3 Millionen Euro sind kreditfinanziert und sollen unter anderem durch die Pacht des Hauptnutzers, VfL Osnabrück, abbezahlt werden. Das war bereits im Oktober 2024 bekannt.
Doch in der Beschlussvorlage findet sich auch eine neue konkrete Zahl: 2,2 Millionen Euro. Sie soll in den politischen Fraktionen des Rates zu einigem Erklärungsbedarf geführt haben. Konkret heißt es in der Vorlage: Ab dem Haushaltsjahr 2027 werde „eine jährliche Betriebsbeihilfe (Zuschuss) von bis zu 2,2 Mio. eingeplant, der bei entsprechendem Mittelbedarf an die Stadiongesellschaft ausgezahlt wird.“ Dass es Folgekosten geben wird, stand bereits vergangenes Jahr im verabschiedeten Beschluss zur Freigabe der Planungskosten - damals war von einem Defizit „im schlechtesten Fall niedrigen siebenstelligen Bereich“ die Rede. Eine Summe wurde nicht genannt. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:
Ziemlich sicher nicht. Die Zahl benennt den Maximalbetrag, der ausgegeben werden dürfte. Größer darf er nicht sein, da die Stadt sonst das EU-Beihilferecht verletzt. Die Summe auszuschöpfen, ist nach NOZ-Informationen nicht geplant. Passieren soll dies nur im „Worst Case“. Etwa bei großen Sonderausgaben, falls die Dachkonstruktion wie im Sommer vergangenen Jahres plötzlich marode wäre - und wenn der VfL zugleich seine Anziehungskraft verliert; wie im Falle eines Abstieges aus der 3. Fußball-Liga.
Ziemlich sicher: ja. Kein vergleichbares Stadion in Deutschland schreibt schwarze Zahlen - sei es neu oder alt. Das liegt weniger an den Erlösen, die erzielt werden, sondern mehr an den Abschreibungen der Investitionen über die Nutzungsdauer. Überwiegend sind die Anlagen in Besitz der Kommunen, die auch die finanzielle Last tragen. Ob die städtische Stadiongesellschaft, die den Betrieb übernehmen wird, in ein Defizit gerät und wie hoch dieses sein wird, wird stark davon abhängen, wie hoch die Betriebskosten sind, welche Nutzung erfolgt und wie erfolgreich diese ist. Das gilt sowohl für den Ankermieter VfL als auch für alle Drittnutzer.
Ein großer Faktor in den kommenden Jahren wären die Zinsen und Tilgung der Kredite. Über die Zeit muss die Stadiongesellschaft die 34,3 Millionen Euro refinanzieren - auch das kostet Geld. Dazu kommen die Abschreibungen der 67,3 Millionen und andere Kosten, etwa für die Instandhaltung oder Instandsetzung. Darüber hinaus fallen Betriebskosten an für Energie, Grundreinigung oder Personal.
Das kann man nicht sagen. Zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle - etwa welche Pacht der VfL zahlt. Diese wird stark abhängig von der Ligazugehörigkeit sein. Kicken die Lila-Weißen in der 2. Bundesliga sind die Einnahmen deutlich höher als in der 3. Liga und somit auch die Pacht, die der Verein zahlen kann. In der Regionalliga wäre eine adäquate Miete kaum zu stemmen. Darüber hinaus werden die Einnahmen der Stadt auch von der Drittnutzung abhängig sein: Mindestens 20 Prozent muss diese alleine wegen des Beihilferechts betragen. Businessevents außerhalb der Spieltage in den VIP-Räumen werden größere Summen einspielen als die Nutzung anderer Bereiche durch soziale Projekte oder Initiativen. Beides soll stattfinden ebenso wie größere Events. Regelmäßige Konzerte soll es nicht geben. Zu groß wären hierfür die Kosten.
Einige. Manche werden im so genannten „Letter of Intent“, einer Absichtserklärung zwischen Verein und Stadt, bereits angesprochen. Öffentlich ist dieser nicht, aber den Ratsmitgliedern zugänglich. Sicher ist nach NOZ-Informationen zum Beispiel, dass der VfL sich ums Greenkeeping kümmert und die Reinigung sowie den Betrieb an Spieltagen. Trotzdem ist noch nicht alles final geklärt. Etwa wer die Rechte an der Vermarktung des Namens bekommt. Auch davon kann abhängen, wie viel Geld die Stadt künftig mit der Stadiongesellschaft erwirtschaftet - oder wie viel diese zuschießen muss.
Ob die Ratsmitglieder zustimmen, dürfte daher auch davon abhängen, wie gut Stadt und Verein vermitteln können, dass das Defizit regelmäßig deutlich unter den veranschlagten 2,2 Millionen Euro liegen wird. Und davon, wie groß die Überzeugung ist, dass die wirtschaftlichen Vorteile und das Image, das der Profifußball am Standort Osnabrück bringt, dieses Defizit aufwiegen.