Kino in Emden Investor zieht sich von Apollo-Sanierung zurück
Die Pläne von Investor Udo Fuhrmann für das alte Apollo-Theater in Emden sind vom Tisch. Das Vorhaben hatte sich über Jahre hingezogen. Auch die „Alte Waage“ steht im Fokus.
Emden - Das war’s: Udo Fuhrmann, Investor beim alten Apollo-Kino in Emden, hat hingeworfen. Die Stadt schreibt am Mittwoch, 5. November 2025, in einer Pressemitteilung, dass der Investor für den Umbau des Theaters „sein Engagement aus wirtschaftlichen Gründen beendet“ habe. Damit könne das geplante Projekt zunächst nicht wie vorgesehen umgesetzt werden. „Die Stadt Emden bedauert diese Entscheidung ausdrücklich, hat jedoch Verständnis für den Schritt“, heißt es in dem Schreiben weiter.
„Die Stadt Emden hat das Projekt in engem Austausch mit dem Investor und den beteiligten Fachplanern begleitet. Dass sich die Rahmenbedingungen im Verlauf so gravierend verändern würden, war zum Zeitpunkt der Konzeptvergabe nicht absehbar“, wird Stadtbaurätin Irina Krantz in der Mitteilung zitiert. Udo Fuhrmann äußert sich laut Schreiben ebenfalls zur Sache: „Wir haben das Projekt mit großem Interesse und viel Engagement verfolgt. Leider sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zuletzt derart schwierig geworden, dass eine Realisierung, bezogen auf die konkrete Situation der Investorengruppe, nicht mehr vertretbar war. Das ist keine Entscheidung gegen Emden oder das Projekt, sondern eine Frage der Verantwortung. Ich wünsche der Stadt ausdrücklich Erfolg dabei, eine neue Perspektive für das Apollo-Theater zu finden.“
Die Stadt sucht nach neuen Investoren für Apollo-Theater
Das denkmalgeschützte Gebäude sollte aufwendig saniert werden. Es sollten ein „Teeater“, also eine Gastronomie, im vorderen Teil und exklusive Wohnungen im rückwärtigen Bereich entstehen. Fuhrmann und seine Firma pro.ces hatten mit ihrem Nutzungskonzept 2021 ein Bieterverfahren gewonnen. Doch mehrere Jahre herrschte Stillstand. Zuletzt hatte ein Feuer am 27. Dezember 2024 Schäden im Obergeschoss verursacht und Fragen zur Fortführung des Projekts aufgeworfen. Im August 2025 wurde das Gebäude durch eine Fachfirma gereinigt, doch das Apollo-Theater war weiterhin nicht von Fuhrmann gekauft worden. Zuletzt waren Schwierigkeiten mit der Versicherung als Grund angegeben worden.
Trotz des Rückzugs der Investorengruppe arbeite die Stadt Emden aktiv an einer Fortführung des Nachnutzungsprojekts, schreibt die Stadt. Derzeit würden Gespräche mit weiteren Interessenten geführt. Eine erneute Beratung im Rat sei in etwa drei Monaten vorgesehen. Spätestens im Frühjahr 2026 soll eine aktualisierte Beschlussvorlage vorliegen. „Der Rückzug der Investoren ist bedauerlich, aber angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage nachvollziehbar. Entscheidend ist, dass wir das Ziel im Blick halten, die Gespräche mit möglichen Partnern fortsetzen und gemeinsam nach einer Lösung suchen, die langfristig trägt. Das Apollo-Theater bleibt ein wichtiger Baustein für die Zukunft unserer Innenstadt“, so Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos).
Auch die „Alte Waage“ rückt in den Fokus
Kritikern stellt sich sicher die Frage, warum jetzt die gesamtwirtschaftliche Lage schwieriger sein soll als während Corona und der Baukrise. In den vergangenen Jahren sei die Umsetzung solcher Konzeptvergaben durch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung erheblich erschwert, schreibt die Stadt. Die Folgen der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, Lieferengpässe sowie stark gestiegene Bau- und Finanzierungskosten hätten die Rahmenbedingungen für Investoren deutlich verschlechtert.
„Ähnliche Entwicklungen sind derzeit bundesweit bei kommunalen Sanierungs- und Entwicklungsprojekten zu beobachten. Viele Städte stehen vor der Herausforderung, dass ursprünglich tragfähige Konzepte durch veränderte Bau- und Finanzierungskosten nicht mehr wirtschaftlich umzusetzen sind“, heißt es weiter. Interessierte Investoren oder Projektentwicklerinnen und -entwickler, die ebenfalls an einer künftigen Nutzung des Apollo-Theaters Interesse hätten, könnten sich nun bei der Stadt Emden melden – per E-Mail an info@stadtentwicklung-emden.de.
In dem Schreiben der Stadt rückt ein weiteres Vorhaben von privaten Investoren in den Fokus: die Alte Waage am Neuen Markt. Hier soll eigentlich ein Brauhaus der Firma Getränke Nordmann einziehen, doch das Vorhaben verzögert sich immer wieder. Als Zwischenlösung war der Euroshop ausgezogen und ein skandinavisches Bekleidungsgeschäft der Kette Björnson eingezogen. Die hatte sich aber schon nach einer langfristigen Bleibe umgesehen und will in die Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen ziehen. Einen Zeitplan gab es zuletzt für das Brauhaus nicht. Jetzt schreibt die Stadt: „Auch mit dem Investor für die ‚Alte Waage‘ führt die Stadt derzeit intensive Gespräche. Hier wird erwartet, dass innerhalb der kommenden drei Monate konkrete Umbaupläne vorgelegt werden.“