Osnabrück Soldaten am Sonntag in Osnabrück? Fake! Gefälschter Brief im Umlauf
Soldaten, die am Sonntag während der Bombenentschärfung durch Osnabrück laufen? Die Stadt inspiziert private Kellerräume? So steht es in Briefen – angeblich von der Stadt –, die in Teilen Osnabrücks aufgetaucht sind. Aber Achtung: Das ist alles Quatsch. Ein Fake.
Am Sonntag stehen im Osnabrücker Lokviertel die nächsten Bombenräumungen an – vier Verdachtspunkte gibt es. 14.250 Menschen müssen hierfür ihre Wohnungen verlassen. Nun ist ein Brief in Teilen der Stadt aufgetaucht, der bei einigen Bürgern Ängste und Sorgen hervorrufen könnte. Doch er ist nicht echt.
Der Brief sieht so aus, als käme er von der Stadt. Überschrieben ist er mit „Sondierungsarbeiten zum ‚Operationsplan Fledder‘“. Datiert ist er auf den 6. November.
Doch er ist nicht von der Stadt, bestätigte Sprecher Simon Vonstein auf Anfrage. „Fake!“ Anzeige werde erstattet, beim Staatsschutz sei der Fall „aktenkundig“.
Wie viele Briefe in Briefkästen landeten, wisse die Stadt nicht. Es beschränke sich wohl auf das im Brief genannte Gebiet, so Vonstein weiter.
In dem Brief heißt es unter anderem: „Im Rahmen des ‚Operationsplan Fledder‘ wird die Stadt Osnabrück den Zeitraum zusätzlich nutzen, um zusammen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK), dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und der Bundeswehr Sondierungsarbeiten im Stadtgebiet durchzuführen.“
Soldaten in Uniform sowie Spezialkräfte der Bundeswehr würden das „betroffene Stadtgebiet“ begehen. „An ausgewählten Standorten erfolgt außerdem eine Entnahme von Bodenproben und eine fotografische wie geodatentechnische Erfassung.“
Der Brief zeigt zudem eine Karte des Evakuierungsgebietes für den kommenden Sonntag sowie das der – frei erfundenen – Schutzzone „Operationsplan Fledder“. Sie stimmen nicht überein: Die Schutzzone umfasst einen Radius rund um das VW-Werk.
Denn um dieses geht es mal wieder und eine mögliche Übernahme durch Rheinmetall – wobei noch überhaupt nicht klar ist, ob das jemals passiert.
Zurück zum Brief, darin heißt es: Sollte der Rüstungskonzern das Osnabrücker Werk übernehmen, wäre es im Kriegsfall ein Ziel von Luftangriffen oder anderen Angriffen wie beispielsweise Cyberattacken. Hierfür bedarf es eines „Evakuierungs- und Versorgungsplans“ für die betroffene Bevölkerung in den Stadtteilen Fledder, Gartlage, Innenstadt (Ost) und dem Schinkel. In dem Brief fallen Phrasen wie „Installation automatisierter Sprengfallen“ und „Einrichtung von Stützpunkten und Depots“.
Damit nicht genug: „Ihr Wohngebäude“ liege in der Nähe des „zukünftigen Kriegsziels“ und sei daher womöglich für die Einrichtung eines Luftschutzbunkers geeignet, schreiben die Verfasser. Daher würden „Dritt-Partner“, zusammen mit dem Osnabrücker Ordnungsamt und dem Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz, die Kellerräume der Adressaten inspizieren und fotografieren. „Ein Verstellen oder Verschließen der Kellerräume ist untersagt“, ist in dem Brief zu lesen. Andernfalls werde die Polizei die Räume „kostenpflichtig“ öffnen. Die Hausverwaltungen seien informiert.
Das alles seien präventive Maßnahmen, heißt es in dem Brief.
Die in dem Brief angegebene Telefonnummer ist tatsächlich die des Bürgertelefons der Stadt zur Bombenräumung am kommenden Sonntag. „Es kamen erste vereinzelte Anrufe“, sagt Stadtsprecher Vonstein. Daher sei es wichtig, nun möglichst viele Bürger möglichst schnell über den Fake-Brief zu informieren, bevor am Nachmittag, im Feierabend vieler Menschen, viele weitere Anrufe eingingen.
Auf Instagram weist die Stadt auf das gefälschte Schreiben hin und versichert: Niemand müsse seinen Keller freiräumen und schon gar nicht für Dritte begehbar machen. Nachbarn seien über den Fake-Brief zu informieren.
Die Stadt habe keinen Hinweis, wer den Brief erstellt und verteilt habe, und es gebe „keine Basis für Vermutungen“, sagt der Stadtsprecher.
Dieselbe Antwort bei der Polizei: Der oder die Urheber des Briefes seien dort unbekannt, so ein Sprecher auf Anfrage. In mehreren Stadtteilen seien die Briefe aufgetaucht. Ob und gegebenenfalls welche Straftatbestände der Brief erfülle, müsse nun geklärt werden.
In der Vergangenheit hatte sich unter anderem das „Unordnungsamt Osnabrück“, einst ein lokaler Ableger von Extinction Rebellion, wiederholt gegen eine Übernahme des VW-Werkes durch den Rüstungshersteller Rheinmetall ausgesprochen. Auf deren üblichen Kanälen im Internet existierte bis zum Freitagmittag kein entsprechendes Bekennerschreiben. Die Gruppe agiert ohnehin anonym, gibt sich also nicht zu erkennen.
Das „Unordnungsamt“ hatte im Juli dieses Jahres eine Falschmeldung verbreitet und behauptet, Osnabrück sei der Deutsche Nachhaltigkeitspreis aberkannt worden.
Die Antwort auf eine schriftliche Anfrage unserer Redaktion beim „Unordnungsamt“ steht aus.
Update: Am Montag, 10. November, teilte das Unordnungsamt Osnabrück auf Anfrage mit, nicht für die Aktion verantwortlich zu sein.