Osnabrück  Neues aus Osnabrück: Joachim Raffel geht zu den Wurzeln, Frederik Köster vertont Murakami

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 14.11.2025 16:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frederik Köster zählt zu den prägenden Figuren der zeitgenössischen internationalen Jazzszene. Jetzt hat er mit der NDR Bigband ein Projekt umgesetzt, für das er sich von den Romanen Haruki Murakamis hat inspirieren lassen. Foto: Peer Bothmer
Frederik Köster zählt zu den prägenden Figuren der zeitgenössischen internationalen Jazzszene. Jetzt hat er mit der NDR Bigband ein Projekt umgesetzt, für das er sich von den Romanen Haruki Murakamis hat inspirieren lassen. Foto: Peer Bothmer
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Joachim Raffel und Frederik Köster zählen zu den rührigsten Musikern der Osnabrücker Jazzszene. Beide haben sie in diesem Herbst neue Alben vorgelegt, die eines verbindet: Es bereitet Freude, sie zu hören.

Joachim Raffel zählt seit nunmehr vier Jahrzehnten zu den bedeutendsten Jazzmusikern nicht nur der Osnabrücker, sondern der bundesdeutschen Musikszene. Dabei ist er immer vor allem darin konsequent geblieben, seinen eigenen Weg zu gehen. Der führte ihn durch die vielfältigen Landschaften des zeitgenössischen Jazz bis aufs freie Feld des Klangexperiments.

Fürs Album „Asking Twice“ vollführt er, gemeinsam mit dem italienischen Gitarristen und Komponisten Ilario Maggi, gewissermaßen einen Dreifachsalto zurück zu den Wurzeln. Der Eröffnungstitel, Raffels Komposition „Blue en France“, führt zu den Wurzeln des Jazz, und die liegen nun mal im Blues. Von da aus begeben sich Maggi und Raffel auf die Reise durch die Landschaften des eher traditionellen Jazz; es swingt und funkt, und natürlich gehört dazu auch die fein differenzierte Ballade.

Dabei gehen die beiden vertraut miteinander um: Sie haben sich die Komposition geteilt, und der eine legt dem anderen das Bass-Harmonie-Rhythmus-Fundament fürs jeweilige Solo. Das eröffnet Räume für beide Musiker, die sie mit ihren ureigenen Musikerpersönlichkeiten füllen. Das macht „Asking Twice“ zum großen Hörvergnügen.

Joachim Raffel, Ilario Maggi: „Asking Twice“. Erschienen bei Timezone Records als CD und auf allen gängingen Streamingplattformen

Wer Frederik Köster mit eigenen Projekten erlebt hat, weiß um sein Faible für den japanischen Autoren Haruki Murakami. Jetzt hat der Osnabrücker Professor für Jazztrompete am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück (IfM) seine literarische Begeisterung in großem Stil in Musik umgewandelt: „K. on the Shore“ ist eine Kooperation mit der NDR Bigband.

Ein Eindruck vom Murakami-Projekt von Frederik Köster und der NDR Bigband:

Köster schöpft dabei in seinen Kompositionen und in perfekten Arrangements die Möglichkeiten der Band aus. Inspiriert durch Murakamis Romane, entfaltet er vielschichtige Klangbilder, die sich am sinfonischen Blasorchester genauso orientieren können, wie sie der Band Raum zur kollektiven Improvisation geben.

Köster erzählt dabei, gemeinsam mit der NDR Bigband unter Geir Lysne, eine vielschichtige Geschichte. Motive ziehen sich durch das ganze Album und vollführen dabei feine Metamorphosen, er arbeitet mit ausgetüftelter Vielstimmigkeit, sattem Bigband-Sound und natürlich mit ausgedehnten Soli der Bandmusiker und Köster selbst. Der ist am Flügelhorn einmal mehr ein begnadeter Melodiker, fesselt mit seinem explosiven Spiel an der Trompete und übersetzt hochgradig inspiriert und in jeder Hinsicht virtuos Murakamis surrealistisch-bizarren Welten in die Sprache des zeitgenössischen Bigband-Jazz.

Frederik Köster, NDR Bigband: „K. on the Shore“. Erschienen bei Traumton Records als CD und auf allen gängigen Streamingplattformen

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