Hamburg  AfD-Chef Tino Chrupalla bei „Lanz“: Russland ist „keine Gefahr für Deutschland“

Alexander Barklage
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Von Alexander Barklage
| 12.11.2025 11:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
ZDF-Moderator Markus Lanz (li.) im Gespräch mit AfD-Chef Tino Chrupalla. Foto: IMAGO/teutopress
ZDF-Moderator Markus Lanz (li.) im Gespräch mit AfD-Chef Tino Chrupalla. Foto: IMAGO/teutopress
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AfD-Vorsitzender Tino Chrupalla äußert im Interview mit „Lanz“, dass er keine Bedrohung Deutschlands durch Russland erkennt. Kritik an der Erhebung sensibler Daten durch seine Partei weist er entschieden zurück.

In der ZDF-Talkshow „Lanz“ sorgte AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla mit seinen Äußerungen zur russischen Außenpolitik und zur deutschen Sicherheitspolitik für Aufsehen. Der AfD-Chef verteidigte Russland und erklärte, das Land stelle „keine Gefahr für Deutschland“ dar, wie aus einem Bericht von „ZDFheute“ hervorgeht. Chrupalla forderte demnach eine andere Politik gegenüber Moskau.

Die derzeitigen Sanktionen gegen Russland bezeichnete Chrupalla als „schädlich“ und forderte ihre Beendigung. Die AfD-Führung vertrete die Ansicht, dass Deutschland gute Beziehungen zu allen Ländern im Osten und Westen pflegen sollte. Auch die Zukunft der Ukraine sehe die AfD in einem neutralen Status außerhalb von NATO und EU, wobei Chrupalla sich für eine rasche Beendigung des Konflikts aussprach, gegebenenfalls auch unter Inkaufnahme von Gebietsabtretungen der Ukraine.

Die Frage, ob es hinnehmbar sei, dass die Ukraine auf Gebiete verzichten müsse, kommentierte Chrupalla jedoch nicht direkt, betonte aber die Notwendigkeit eines Kompromisses, da die Alternative ein Kampf „bis Russland niedergerungen ist“ sei. Er stellte die Frage in den Raum, ob man wirklich glaube, die größte Atommacht der Welt niederringen und einen Krieg gewinnen zu können, „der nicht unserer ist“.

Gleichzeitig kritisierte Chrupalla die deutsche Außenpolitik scharf, insbesondere gegenüber Polen. Er griff Polen mit dem Vorwurf an, das Land agiere mit „Propaganda“ und „geschichtlicher Indoktrination“. Dies geschah im Kontext von Aussagen über eine potenzielle Bedrohung durch Russland.

Tino Chrupalla verteidigte auch die parlamentarische Praxis der AfD, insbesondere die hohe Zahl der von ihr eingereichten Kleinen Anfragen im Bundestag und in den Landesparlamenten. Im Zentrum der Kritik steht der Verdacht, die Partei könne mithilfe dieser Anfragen sensible Informationen sammeln, was Beobachter unter anderem mit ihren teils russlandfreundlichen Positionen in Verbindung bringen.

Kritiker verweisen darauf, dass sich viele dieser Anfragen auf sicherheitsrelevante Themen wie die Energieversorgung oder militärische Transporte beziehen. Der stellvertretende Leiter des Politikressorts der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), Justus Bender, wies darauf hin, dass die AfD besonders durch sehr detaillierte Fragen zur militärischen Infrastruktur auffalle. Die Antworten der Regierung seien laut Bender „natürlich für Russland von Interesse“, da die AfD diese anschließend öffentlich ins Internet stelle.

Chrupalla wies die Vorwürfe entschieden zurück und verteidigte das Vorgehen seiner Fraktion. Er betonte, dies sei das „parlamentarische Recht, gerade der Opposition“. Chrupalla hob hervor: „Wir als Opposition, noch dazu in Umfragen stärkste Kraft, sind die fleißigste Fraktion, die diese Anfragen stellt.“

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