Osnabrück Benjamin Huth gibt mit „Der Vetter aus Dingsda“ in Osnabrück Einstand als Kapellmeister
Die Musiksparte des Theaters Osnabrück ist mit komplett neuer Leitung in die Spielzeit gestartet. Einer der Neuen ist der erste Kapellmeister Benjamin Huth. Er leitet die Operette „Der Vetter aus Dingsda“.
Humor hat Benjamin Huth auf jeden Fall. Er posiert im Orchestergraben fürs Foto, setzt im Gespräch punktgenaue Pointen, ist offen, lacht gern. So einer ist gemacht für die Operette, oder? Tatsache ist: Er freut sich, beim „Vetter aus Dingsda“ die musikalische Leitung zu übernehmen: „Weil ich Operette sehr mag.“ Kennengelernt hat er das Stück aber erst am neuen Arbeitsplatz, am Theater Osnabrück. Seit dieser Spielzeit ist Huth hier erster Kapellmeister und damit im Musiktheater zweiter Mann hinter Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein.
Damit ist er qua Amt der Mann für die Operette. Viele Häuser vertrauen diese Spielplanposition dem ersten Kapellmeister an; das Theater Osnabrück bildete da in den zurückliegenden Jahrzehnten keine Ausnahme. Wird das unter Lichtenstein so bleiben? Statt über Interna zu reden, erzählt Huth lieber, was vor ihm liegt: Carl Orffs Carmina Burana als spartenübergreifende Tanzproduktion zum Beispiel. Und eben „Der Vetter aus Dingsda“.
„Oh, was ist das?“, hat er sich beim Studium der Partitur gefragt. „Es gibt wenig Einzelnummern, sondern vor allem große Ensembles, Duette, Terzette.“ Gleichzeitig verzichtet das in Berlin uraufgeführte Stück auf den Pomp der Wiener Operette: Es gibt keinen Chor, kein Ballett, dafür neun Darsteller, die „die Bühne füllen“ müssen. Und das mit der typischen Tanzmusik der Entstehungszeit in den Goldenen Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts: Tango, Paso Doble, Foxtrott.
Eines verspricht Huth schon vor der Premiere: „Es wird sehr gut.“
Inhaltlich orientiert sich Eduard Künnekes Erfolgsstück mit dem Text von Hermann Haller und Rideamus an den genretypischen Verwicklungen: Julia (Susanna Edelmann) wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres geliebten Roderich, des Vetters im fernen „Dingsda“. Doch es tauchen zwei Männer (Florian Wugk und Dominic Barberi) auf, die behaupten, Roderich zu sein. Das sorgt für Irrungen und Wirrungen. Doch am Ende kriegen sich die Richtigen – Happy End.
Damit die Geschichte auch musikalisch aufgeht, ist Huth von Anfang an beim Produktionsprozess dabei, bei den Sitz- und Leseproben, bei der Korrepetition, wo die Sänger ihre Partien einstudieren. Mit Regisseur Christian Thausing „bin ich auf einer Wellenlänge“, sagt Huth, die Inszenierung sei „sehr sängerfreundlich und sehr musikalisch“. Was leider keine Selbstverständlichkeit sei.
Was er nicht so schön findet, ist das Notenmaterial. „Es gibt eine Partitur und gedruckte Stimmen“, sagt Huth, aber die Noten „stecken voller Fehler“. Fehler, die er zum Teil ausräumt, wenn er die Orchesterstimmen vor der ersten Probe für die Musiker einrichtet. Der Rest muss während der Probenarbeit eliminiert werden. Aber auch das gehört zum Probenprozess.
Dass Huth den mitgestaltet, verdankt sich seinem Zweitstudium. Ursprünglich hat der in Dresden geborene Dirigent in Leipzig Kirchenmusik studiert. Die musikalischen Vorlieben ergeben sich da fast zwangsläufig: „Wenn Sie mich nach meinem Lieblingskomponisten fragen: Bach“, sagt er, und er meint natürlich Johann Sebastian. Nur hat der leider keine Oper geschrieben.
Neben der Kirchenmusik trieb Huth noch eine zweite Leidenschaft: „Ich wollte immer Dirigieren studieren, habe mich dafür aber lange nicht bereit gefühlt.“ 2015 war es dann doch so weit, er hatte die Aufnahmeprüfung in Leipzig bestanden. Und sein erstes Ziel hat er bereits erreicht: „Ich wollte Kapellmeister an einem mittleren Haus werden.“ Na dann: Herzlich willkommen in Osnabrück.