Bauplanung Norden  Norder Stadtbaurat sagt Ferienwohnungen den Kampf an

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 14.11.2025 11:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mitten in einer Einfamilien- und Doppelhaussiedlung soll das Neubaugebiet mit unterschiedlichen Wohnformen entstehen. Screenshot: NLG
Mitten in einer Einfamilien- und Doppelhaussiedlung soll das Neubaugebiet mit unterschiedlichen Wohnformen entstehen. Screenshot: NLG
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Ferienwohnungen verdrängen zunehmend das Dauerwohnen in Norden. Außerdem verändern große Mehrfamilienhäuser den Charakter von Wohnvierteln. Dagegen will die Verwaltung nun mit neuen Regeln vorgehen.

Norden - Kaum steht ein altes, ostfriesisches Haus auf großem Grundstück zum Verkauf, steht kurze Zeit später ein Mehrfamilienhaus an gleicher Stelle. Zum Teil zum Dauerwohnen, zum Teil für Feriengäste. Dieses Vorgehen ist in Norden mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Und genau dieses Agieren von Investoren zerstört die vorhandenen Wohngebiete und die Gebietskulisse, ist der Norder Stadtbaurat Christian Pohl überzeugt. Bisher konnte er wenig dagegen tun. Sehr alte Bebauungspläne machen ein solches Vorgehen möglich. Doch denen hat Pohl jetzt den Kampf angesagt. Er will alte Strukturen und Dauerwohnen erhalten, und weniger Ferienwohnungen zulassen. Dafür will er die alten Bebauungspläne in der Stadt überplanen und neue Regeln festsetzen. Einen ersten Schritt machte er im jüngsten Bauausschuss.

Gleich drei Bebauungspläne, 230 „Neustadt“, Nr. 231 „Bedmoor/Hollander Weg/Lange Riege“ und Nr. 232, Gebiet: Ostlintel standen auf der Tagesordnung. Diese und weitere Norder Wohngebiete außerhalb der Innenstadt sind laut Verwaltung weitgehend geprägt durch eine kleinteilige Ein- und Zweifamilienhausbebauung mit zugehörigen Hausgärten. In den vergangenen Jahren seien jedoch städtebauliche Fehlentwicklungen zu beobachten. Insbesondere die Verdrängung von Dauerwohnen durch Ferienwohnen und eine überdimensionierte Nachverdichtung und damit einhergehend auch der (vollständige) Verlust von Vorgärten sind hier zu nennen, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Das Problem: Die vorhandenen alten Bebauungspläne geben zu wenig Regelungen zur Bauweise vor beziehungsweise beinhalten veraltete städtebauliche Vorstellungen. Wie Pohl in der Sitzung sagte, sind viele dieser Bebauungspläne 40 bis 50 Jahre alt. Hinzu kommen unbeplante Bereiche.

Verwaltung will keine weiteren Ferienwohnungen zulassen

Aber nicht nur das: Immer häufiger wird Dauerwohnen durch Ferienwohnen verdrängt, statt an das Viertel angepasste Häuser zu bauen, entstehen überdimensionierte Gebäude, bei denen Vorgärten fehlen; stattdessen gibt es komplett blickdichte Zäune, Mauern oder Hecken, was zum Verlust des offenen Siedlungscharakters führt, heißt es von der Verwaltung.

Generell fehlen in den Bebauungsplänen aktuelle Anforderungen und örtliche Bauvorschriften. Im im Jahr 2022 in Norden beschlossenen Stadtentwicklungskonzept ist festgeschrieben, dass in vielen Bereichen noch weitere 25 bis 30 Prozent Ferienwohnungen zulässig sind. Norden gilt mittlerweile jedoch offiziell als eine Stadt mit angespanntem Wohnungsmarkt. Aus städtebaulicher Sicht macht es deshalb nach Auffassung des Stadtbaurates wenig Sinn, zuzulassen, dass Dauerwohnen in bestehenden Siedlungen weiter verdrängt wird, während gleichzeitig neue Siedlungen am Stadtrand geplant werden. Aus Sicht der Verwaltung ist es deshalb erforderlich vom Stadtentwicklungskonzept abzuweichen und in den betreffenden Gebieten keine weiteren Ferienwohnungen mehr zuzulassen. Genehmigte Ferienwohnungen, die bereits in den Gebieten vorhanden sind, haben aber einen Bestandschutz.

Das gesamte Stadtgebiet soll überprüft werden

Christian Pohl: „Wir müssen dazu übergehen, die Ausbreitung von Ferienwohnungen, einzudämmen.“ Außerdem müssten Fehlentwicklungen in der Bauweise für die Zukunft korrigiert werden. Für Pohl zählt zu diesen Fehlentwicklungen Häuser, die nicht ins Viertel passen, zum Beispiel riesige Klötze von Mehrfamilienhäusern in einem Wohngebiet, das sonst von Einfamilien- oder Doppelhäusern geprägt ist. Dafür sei es notwendig, die Bebauungspläne städtebaulich neu zu ordnen, so Pohl.

Mit einem Youtube-Video wirbt die Niedersächsische Landgesellschaft für das „nachhaltige Quartier südlich Hamburger Straße“. Screenshot: NLG
Mit einem Youtube-Video wirbt die Niedersächsische Landgesellschaft für das „nachhaltige Quartier südlich Hamburger Straße“. Screenshot: NLG

Die drei im Ausschuss vorgestellten Bebauungspläne sollen dabei aber nur der Anfang sein. Wie Pohl ankündigte, will der Fachdienst Stadtentwicklung das gesamte Stadtgebiet entsprechend überprüfen und die veralteten Bebauungspläne anpassen. Das könnte auch eine Reaktion auf ein derzeit laufendes Bauprojekt mitten in der Wohnsiedlung an der Hamburger Straße sein. Das Neubaugebiet wurde auf den Weg gebracht, als Stadtbaurat Pohl noch nicht im Amt und der Bereich Stadtentwicklung interimsmäßig in der Verantwortung von Bürgermeister Florian Eiben lag. Wie berichtet, hat Eiben zusammen mit der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) inmitten von Einfamilien- und Doppelhäusern eine Großsiedlung unter anderem mit mehreren 35 Meter langen und mehrgeschossigen Reihenhäusern, vier würfelförmigen, mehrstöckigen Mehrfamilienhäusern und einer Kindertagesstätte geplant. Die Frage, warum ein Gebietsschutz künftig zwar im Bereich Bedmoor, Hollander Weg, Lange Riege gelten soll – ein Wohngebiet, das direkt an die Hamburger Straße angrenzt, nicht aber für den Bereich des neuen Baugebietes, wollte Stadtbaurat Christian Pohl nicht beantworten und verwies in diesem Zusammenhang lediglich auf damals noch andere Verantwortlichkeiten bei der Planung.

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