Osnabrück Wenn es Krieg gibt, muss ich wohl zur Bundeswehr: Was junge Osnabrücker zur Wehrpflicht sagen
Eine Wehrpflicht auf freiwilliger Basis, darüber wird bundesweit diskutiert. Betroffen wäre von der Neuregelung vor allem der Jahrgang 2008 – im Fußball die A-Jugend. Wir haben beim VfR Voxtrup/VfB Schinkel und beim SV Hellern mit jungen Männern gesprochen.
Nach langem Ringen hat die Koalition beschlossen, eine Wehrpflicht auf freiwilliger Basis einzuführen. Junge Männer ab dem Jahrgang 2008 sollen ab nächstem Jahr gemustert werden; für Frauen gibt es einen Fragebogen vom Bund. In ganz Deutschland wird das Thema diskutiert, quer durch alle Generationen. Eine erste Auswirkung: Laut dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) hat die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung drastisch zugenommen.
Junge Männer des Jahrgangs 2008 kann man in den A-Jugend-Mannschaften der Fußballvereine treffen. Wir waren vor Ort beim Training der Spielgemeinschaft VfR Voxtrup//VfB Schinkel unter den Trainern Maximilian Plogmann, Paul-Luis Keller, Ingo Deutschmann und Sebastian Horst – in unserer Umfrage sind das die Fußballspieler, die vor der weißen Fliesenwand fotografiert sind. Auch bei der Jugendspiel-Gemeinschaft SV Hellern, Spvg. Hasbergen und Osnabrücker TB mit dem Trainerteam Patrick Hamilton und Lutz Hämmerling haben wir uns umgehört – das sind die Kicker vor dem gelben Hintergrund.
Auffällig: Viele der jungen Männer treibt die Frage um, ob es einen Krieg geben wird. Und, Spoiler: Unter den Befragten ist die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in der Unterzahl.
Dominik Ratzkowski (18):
Ich habe überlegt, ob ich mich freiwillig zur Bundeswehr melden soll. Wenn ich keinen Ausbildungsplatz finde, wäre das eine Option. Sonst aber eigentlich nicht. Mein Opa war bei der Armee, allerdings in Polen. Ein Freund von mir ist bei der Bundeswehr. Von ihm habe ich gehört, dass es da super ist. Deswegen möchte ich mich mehr darüber informieren. Ich glaube, dass es hier in ein paar Jahren richtig scheppern wird, also dass es einen Krieg gibt.
Joost Otterbach (17):
Ich bin für einen freiwilligen Dienst. Ich glaube, dann melden sich genügend Leute. Viele meiner Mitschüler haben gesagt, dass sie zur Bundeswehr gehen werden. Wir sprechen zu Hause und im Freundeskreis viel über das Thema Wehrpflicht. Ob es einen Krieg geben wird? Wahrscheinlich schon.
Keyvan Gnida (18):
Ich möchte nicht zur Bundeswehr. Aber wenn es nicht genug Freiwillige gibt, muss es wohl sein. Manche meiner Freunde sagen, sie haben überhaupt keinen Bock auf die Bundeswehr. Viele haben Angst vor einem Krieg in Deutschland. Hat doch jeder. Deswegen gibt es ja die Bundeswehr, damit es keinen Krieg gibt. Wenn ich in einen Krieg ziehen muss, dann muss ich wohl gehen.
Johannes Notbusch (18):
Wenn es eine Wehrpflicht gibt, würde ich zur Bundeswehr gehen, freiwillig nicht. Auch Frauen sollten zur Bundeswehr gehen. Aber es sollte Ausnahmen geben, so dass es für alle fair ist. Wenn es einen Krieg in Deutschland geben würde, würde ich gehen. Meine ganze Familie lebt ja hier.
Tim Schweer (17):
Ich hätte Interesse an einer Grundausbildung. Das schadet keinem. Man kann bei der Bundeswehr viele andere Dinge machen, zum Beispiel studieren oder Bereiche wie die Luftwaffe kennenlernen. Das ist einer von mehreren Plänen für meine Zukunft. Ich spreche mit meinen Eltern und ein paar Kollegen, die bei der Bundeswehr waren, über das Thema Wehrdienst. Die haben viel Gutes erzählt. Falls es einen Krieg in Deutschland gibt oder Deutschland in einen Krieg gezogen wird, würde ich gehen. Deswegen wäre ein verpflichtender Wehrdienst gut, weil man durch die Grundausbildung vorbereitet ist.
Ben Buddicke (17):
Ich hatte den Gedanken, meinen beruflichen Weg über ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu gehen. Mit Leuten von der Bundeswehr habe ich mal bei einer Jobmesse gesprochen. Das klang gut, das könnte ich mir auch vorstellen. Mein Vater und mein Opa waren bei der Bundeswehr. Sie haben gesagt, dort lernt man Zucht und Ordnung und dass es ziemlich hart ist. Ich glaube aber, ein verpflichtender Wehrdienst macht keinen Sinn. Es sollte freiwillig sein.
Otto Meyer (17):
Ich würde, wenn es verpflichtend ist, darüber nachdenken, ob ich zur Bundeswehr gehe oder sozialen Dienst mache. Wir sprechen im Politikunterricht in der Schule über dieses Thema. Meine Mitschüler haben keine große Abneigung gegenüber der Bundeswehr. Die politische Lage ist momentan sehr angespannt, aber ich glaube nicht, dass es einen Krieg in Deutschland geben wird.
Tom Nürenberg (16):
In unserer Schule habe ich bei einer Jobmesse mit der Bundeswehr geredet. Da wurden Praktika angeboten. Ich habe mir überlegt, das zu machen. Dass man reifer wird bei der Bundeswehr, das finde ich spannend. Da gibt es auch viele Sportangebote. In der Schule wird viel über das Thema gesprochen. Ich informiere mich auch über die Tagesschau und die Sozialen Medien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Krieg in Deutschland gibt. Freiwillig würde ich nicht in den Krieg ziehen, aber wenn ich muss, dann ja.
Jake Hamilton (17):
Ich sehe die Wehrpflicht kritisch. Es sollte auf jeden Fall eine Alternative wie Sozialdienst dazu geben und nicht verpflichtend sein, zur Bundeswehr zu gehen. Ich habe etwas Angst vor der Bundeswehr. Viele Menschen bekommen dort psychische Probleme. Wenn es die Möglichkeit gibt, den Kriegsdienst zu verweigern, würde ich das tun. Mein Opa war mit der englischen Armee im Golfkrieg. Das war nicht so schön. Ich glaube nicht, dass es in Deutschland einen Krieg geben wird, aber es könnte sein, dass wir durch die Nato in einen Krieg gezogen werden.
Henryk Clausing (17):
Ich würde zur Bundeswehr gehen, aber nur auf freiwilliger Basis. Ich habe auch schon über ein Praktikum nachgedacht oder für ein Jahr zur Bundeswehr zu gehen, einfach, um mal zu sehen, wie es da abläuft. Aber es sollte freiwillig sein, auch weil viele Leute Angst vor dem Wehrdienst haben. Mit einem sozialen Dienst gibt es auch andere Möglichkeiten. Ich spiele mit dem Gedanken, weil ich Angst davor habe, dass es in Deutschland einen Krieg gibt, gerade auch, weil wir momentan in einer kritischen Lage sind. Wenn Deutschland in Notwehr geraten würde, würde ich in einen Krieg ziehen.