Warschau  Ukrainer festgenommen: In welchem Auftrag handelten sie?

Jens Mattern
|
Von Jens Mattern
| 19.11.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Anschlag auf ein polnisches Schienennetz: Verletzt wurde niemand. Foto: IMAGO/Eastnews
Anschlag auf ein polnisches Schienennetz: Verletzt wurde niemand. Foto: IMAGO/Eastnews
Artikel teilen:

Nach dem Anschlag auf das Schienennetz in der Nähe von Warschau gibt es in Polen unterschiedliche Auffassungen bei der Schuldfrage. Während der Regierungschef eindeutig Richtung Russland zeigt, kursieren im Netz andere Theorien.

Die Täter des Anschlags auf das Schienennetz in Polen sind ausgemacht, doch nicht festgenommen – „Bei den identifizierten Personen handelt es sich um ukrainische Staatsbürger, die seit Langem mit den russischen Geheimdiensten zusammenarbeiten“ so Polens Regierungschef Donald Tusk bei einer Sitzung im Warschauer Sejm, eine der beiden Kammern des polnischen Parlaments.

In Polen wurden am Montag zwei Anschläge auf die Schienenstrecke zwischen Warschau und der ostpolnischen Stadt Lublin bekannt. Zudem beschädigte einige Kilometer entfernt ein Teil der Oberleitung einen Passagierzug. Verletzte gab es keine.

Die Verdächtigten sollen sich bereits nach Weißrussland abgesetzt haben. Dass jene nun ukrainische Staatsbürger sind, fällt in der polnischen Diskussion auf fruchtbaren Boden. In Polen kursiert derzeit unter Rechten und Rechtsextremen eine Theorie, die sich gegen Kiew wendet. „Für die Sabotage verantwortlich sind höchstwahrscheinlich die Ukrainer, denn ihnen liegt daran, Polen in den Krieg hineinzuziehen.“ Nach dem Anschlag auf die Eisenbahnschiene östlich von Warschau sind vermehrt Kommentare wie dieser auf X zu finden.

Eine Erhebung der Datenanalysten von „Res Futura“ zufolge ist in 42 Prozent der Kommentare diese Meinung vertreten. 24 Prozent sehen demnach Russland als Täter an, während schließlich 19 Prozent die Geheimdienste des eigenen Landes verdächtigten. Polen, ein Land, dass sich seit der russischen Invasion im Februar 2022 für die Unterstützung der Ukraine ausspricht, rechnet nun mit weiteren Sabotageakten auf die Infrastruktur.

Dazu zählen auch Brände, wie der eines Einkaufszentrums in Warschau im Jahr 2024. Polnische Ermittler konnten in diesem Fall nachweisen, dass der Brand im Auftrag Russlands gelegt wurde. Polnische Medien berichten, dass auf diese Ereignisse entsprechende Kampagne folgten, die ebenfalls aus Russland stammten.

Die Stimmung der polnischen Bevölkerung gegenüber den Ukrainern und der Ukraine ändert sich. Bei den Präsidentschaftswahlen konnte etwa Polens Präsident Karol Nawrocki mit Kritik an der Unterstützung der Ukraine punkten. Entsprechend positioniert sich Nawrocki gegen den EU- und Nato-Beitritt der Ukraine.

So ist die Annahme, die Täter des Eisenbahnanschlags sind möglicherweise in der Ukraine zu verorten, nicht allein auf X oder im Internet zu finden. Auch ein Teil der ehemaligen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) sowie das weiter rechts stehende Parteienbündnis „Konföderation“ deuteten an, dass nicht allein Russland als Täter infrage käme.

Ähnliche Artikel