Osnabrück  Zweimal Klavier solo in Osnabrück: Jungstar bei Rohlfing, Klavier-Instanz im Schloss

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 19.11.2025 18:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zwei Klaviere sind besser als eins? Das mag im Vorführraum von Steinway in Hamburg richtig sein. Aber zwei Klavierabende in Osnabrück zur gleichen Zeit? Da muss man sich entscheiden. Foto: Axel Heimken/dpa
Zwei Klaviere sind besser als eins? Das mag im Vorführraum von Steinway in Hamburg richtig sein. Aber zwei Klavierabende in Osnabrück zur gleichen Zeit? Da muss man sich entscheiden. Foto: Axel Heimken/dpa
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Am Freitag stehen Liebhaber von Klavierabenden vor einer schwierigen Entscheidung: Lieber zu Alfredo Perl ins Schloss, oder zu Bridget Yee im Musikhaus Rohlfing? Wir liefern Informationen.

Wäre Osnabrück eine große Großstadt, eine Musikstadt gar, dann wäre es nicht weiter ungewöhnlich, wenn an einem Abend gleichzeitig zwei spannende Konzerte stattfinden. Wer in Berlin, München oder Wien lebt, kennt und schätzt die Vielfalt, und die Veranstalter wissen: Es gibt genug Publikum, um an einem Abend mehrere Säle zu füllen.

In Osnabrück ist das anders. Das Angebot an Konzerten mit hochrangigen, spannenden Künstlern ist überschaubar, und an diesem Freitag, 21. November, kämpfen zwei Veranstalter gleichzeitig ums gleiche Publikum: Das Euregio Musik Festival und das Festival Classic con brio laden jeweils zu einem Klavierabend, die man eigentlich beide erleben möchte.

Das Euregio Musik Festival setzt bewusst einen Schwerpunkt auf junge Künstler mit Starpotenzial. Dabei beweist Leiter Timo Maschmann immer wieder ein feines Näschen, zuletzt mit dem Cellisten Michiaki Ueno, den er bei den Iburger Schlosskonzerten erstmals präsentiert hat, und der sich gerade die großen Konzertsäle der Klassikwelt erobert.

Jetzt hat Maschmann die Malaysische Pianisten Bridget Yee eingeladen. Am Freitag, 21. November, um 20 Uhr tritt sie im Klavierhaus Rohlfing mit einem überaus spannenden Programm auf. Beginnen wird der Abend mit dem Liebestod aus „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner, aufs Klavier übertragen von dessen Schwiegervater Franz Liszt. Mit dessen „Dante“-Sonate beendet sie das Programm, und das zeigt schon mal, auf welchem pianistischen Niveau Yee unterwegs ist: Auf dem allerhöchsten.

Außerdem spielt sie die vielschichtige Chaconne der in diesem Jahr verstorbenen russischen Komponistin Sofia Gubaidulina und begibt sich mit den Six Romances sans paroles op. 76 der französischen Komponistin Cécile Chaminade in den großbürgerlichen Salon. Und schließlich hat sie aus den epochalen Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven die spritzige Es-Dur-Sonate op. 31. Nr. 3 ausgewählt. Ein spannendes Programm, mit dem sie gerade dabei ist, sich bei den edelsten Adressen der Klassikwelt zu etablieren: Nächstes Jahr spielt sie, unter anderem, beim Lucerne Festival und beim Aspen Music Festival.

All das klingt so, als müsste man unbedingt dabei sein. Wäre da nicht...

Der in Santiago de Chile geborene Pianist hat sich längst in Deutschland niedergelassen. Er hat eine Professur an der Musikhochschule in Detmold, und in Osnabrück ist er seit Jahrzehnten Dauergast. Das hat mit dem Kammermusikfestival Classic con brio zu tun, dem Perl tief verbunden ist.

Auch das Konzert am Freitag, 21. November, 19.30 Uhr in der Schlossaula veranstaltet Classic con brio. Wie wie Bridget Yee hat Perl ebenfalls Beethoven aufs Programm gesetzt, unter anderem die e-Moll-Sonate op. 90 und die A-Dur-Sonate op. 101, also zwei zentrale Werke in Beethovens Schaffen. Außerdem spielt Perl drei Stücke aus den „Images“ von Claude Debussy und Sätze aus der Suite Iberia von Isaac Albéniz. Für musikalische Anregung ist also auch hier gesorgt.

Was bleibt, ist die Qual der Wahl. Fest steht nur: Egal, ob man Bridget Yee erlebt oder Alfredo Perl: Es spricht vieles dafür, dass man hier wie da einen inspirierenden musikalischen Abend erlebt.

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