Bewegtes Leben  Jemgumerin Ilse Marienhoff wird 103 Jahre alt

| | 21.11.2025 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ilse Marienhoff feiert ihren 103. Geburtstag. Foto: Klaus Ortgies
Ilse Marienhoff feiert ihren 103. Geburtstag. Foto: Klaus Ortgies
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Mit 103 Jahren blickt Ilse Marienhoff auf ein bewegtes Leben zurück – und feiert ihren Ehrentag im Seniorenheim Jemgum mit Familie und Freunden.

Jemgum - Ein herzliches Lächeln, wache Augen: Wer Ilse Marienhoff begegnet, würde kaum vermuten, dass sie bereits 103 Jahre alt wird. Am Freitag, 21. November 2025, feiert die Seniorin, die im Jemgumer Seniorenheim „Auf der Wierde“ lebt, ihren Ehrentag. Die Vorfreude ist groß, da sich nicht nur Vertreter der Gemeinde und der Kirche angekündigt haben, auch im Heim wird mit Tochter Hinriette Ripken, Freunden und Betreuern gefeiert.

Geboren wurde Ilse Marienhoff 1922 im damaligen preußischen Gutsbezirk Kalitz, heute Sachsen-Anhalt. 1922 – das Jahr, in dem Einsteins Relativitätstheorie für Aufsehen sorgte und in Berlin der erste Tonfilm über die Leinwand flimmerte. Heute blickt die Jubilarin auf ein bewegtes, arbeitsreiches Leben zurück, das von Entbehrungen, aber auch von vielen glücklichen Momenten geprägt ist.

Als Wirtin das Herz der Dorfgemeinschaft

Schon in jungen Jahren musste Ilse Marienhoff Verantwortung übernehmen: Nach dem frühen Tod ihres Vaters half sie tatkräftig mit, um das Überleben der Familie zu sichern. Nach nur vier Jahren Volksschule begann sie mit zehn Jahren als Magd bei einem Bauern im Dorf. Ihr Alltag war von harter Arbeit auf dem Land bestimmt, und auch im Moor verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt. Der Krieg verschlug sie schließlich nach Nenndorf im Landkreis Wittmund und damit nach Ostfriesland. Dort gründete sie nach ihrer Heirat eine Familie und brachte die Töchter Margret (1955), Hinriette (1958) und Sohn Georg (1961) zur Welt.

Von 1969 bis 1993 führte Ilse Marienhoff die Nenndorfer Feldschänke – als Wirtin war sie das Herz der Dorfgemeinschaft. Ob Mondlandung, Fußball-Weltmeisterschaft oder der Fall der Berliner Mauer: In ihrer Gaststube wurde über die großen Ereignisse der Zeit diskutiert, Ilse Marienhoff war eine Institution. Nach einem Schlaganfall 2018 zog sie zu ihrer Tochter Hinriette nach Jemgum. Doch auch dieser Schicksalsschlag konnte sie nicht aus der Bahn werfen. „Schon einen Tag später hat sie uns wieder erkannt und konnte auch mit uns sprechen“, berichtet Hinriette. In ihrer neuen Heimat fand sie rasch Anschluss und ist bis heute eine geschätzte Gesprächspartnerin, wenn es um Geschichten aus dem Leben geht.

Die Familie war für Ilse Marienhoff stets ein fester Halt – auch wenn sie den frühen Verlust ihres Ehemanns und zweier Schwiegersöhne verkraften musste. Stolz blickt sie heute auf neun Enkel, 13 Urenkel, und seit diesem Jahr sogar auf ihren ersten Ur-Ur-Enkel. Kein Wunder, dass sie sich schon auf das kommende Weihnachtsfest freut und hofft, dass möglichst viele ihrer weit verstreuten Familie den Weg zu ihr finden.

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