Osnabrück Kein Smartphone vor 14? Osnabrücker Elterninitiative wirbt für Handy-freie Klassen
Die private Handynutzung von Kindern während der Schulzeit ist ein Problem. Mütter aus Osnabrück haben sich zusammengetan, um Lösungen zu finden. Und gehen dabei über ein Smartphone-Verbot in Schulen hinaus. Das sind ihre Gründe.
Nicht technikfeindlich, sondern kinderfreundlich, oder besser noch: kindgerecht. So könnte man den Ansatz beschreiben, den aktuell einige Mütter aus Osnabrück propagieren, um Kindern einen sanfteren, vor allem aber auch späteren Einstieg in die digitale Welt zu ermöglichen als es gemeinhin in Deutschland üblich ist. Sie schließen sich damit der bundesweiten Initiative „Smarter Start ab 14“ (kurz: S14) an, die in Hamburg gegründet worden ist.
Genau dort hat die Osnabrücker Internistin Carlotte Metreveli eine Schwester und auf diese Weise davon erfahren – auch vom damit verbundenen Modellversuch einer Smartphone-freien Klasse in einer weiterführenden Hamburger Schule. Eine Whatsapp-Gruppe, mit der sie sich darüber mit anderen Eltern austauschen wollte, hat inzwischen in der Stadt mehr als ein Dutzend Nachahmer mit fast 200 Mitgliedern gefunden.
Als Ärztin weiß Metreveli ebenso um die gesundheitlichen Gefahren eines unkontrollierten Smartphone-Konsums wie ihre Mitstreiterin Ruth Marie Krampitz. Insbesondere Kinder zwischen neun und 14 Jahren hätten entwicklungspsychologisch noch nicht die Reife, die internetfähigen Geräte altersgemäß zu nutzen, sagt die Osnabrücker Kindheits- und Jugendpädagogin.
Studien würden zeigen, dass bei Jungs das Einstiegsalter in den Konsum pornographischer Inhalte bei bereits elf Jahren liege. Bei Mädchen sei dagegen tendenziell eher das Thema Körperbild ein Problem. Über die sozialen Medien vermittelte Schönheitsideale würden nicht selten körperliche und seelische Folgen haben – von Essstörungen bis hin zu Depressionen, warnt Krampitz. Der Vorschlag, Kindern bis zum Alter von 14 Jahren kein eigenes Smartphone an die Hand zu geben, hält sie schon deshalb für sinnvoll.
Und ist damit nicht allein. Die Initiative bietet interessierten Eltern die Möglichkeit, sich miteinander zu vernetzen, über Risiken aufzuklären und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Eine davon wäre zum Beispiel, gemeinsam mit den Kindern einen für alle gültigen Mediennutzungsvertrag zu erarbeiten, der den zeitlichen und inhaltlichen Zugang zum Internet reguliert. Dafür müssten allerdings auch die Eltern ihr eigenes Nutzerverhalten reflektieren.
Der privaten Handynutzung in der Schule wollen sie Einhalt gebieten, indem sie hiesigen weiterführenden Schulen eine Bedarfsabfrage unter den Eltern von Schülern der fünften und sechsten Klassen für eine smartphone-freie Klasse nach Hamburger Vorbild nahelegen.
Wenn nicht nur einige wenige, sondern alle zusammen kein Smartphone haben, würde den Eltern auch die Sorge genommen, dass infolge des Gruppenzwangs ihr Kind gemobbt oder ausgegrenzt werden könnte, erläutert Metreveli. Im Alltag außerhalb der Schule gehe es vornehmlich darum, den Kindern ein Smartphone nicht allein zu überlassen und sie nicht allein damit zu lassen – im Sinne einer „smarten“, begleiteten Heranführung. Auf gar keinen Fall sollte man ein Smartphone nachts im Kinderzimmer lassen, sagen die Vertreterinnen der Osnabrücker S14-Regionalgruppe.
Bei der jüngsten Stadtelternratssitzung stieß der Vorschlag auf offene Ohren. An einigen Osnabrücker Schulen renne man damit auch offene Türen ein. Die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Eversburg, die Thomas-Morus- und die Bertha-von-Suttner-Schule sowie das Ratsgymnasium wurden als Beispiele für Schulen genannt, in denen die Smartphones während der Schulzeit weggesperrt werden müssen. Schon die bloße Anwesenheit eines Smartphones auf dem Tisch beeinträchtige die Konzentration, zitieren die Osnabrücker Netzwerkerinnen entsprechende Studien.
Suchtverhalten äußere sich beispielsweise auch durch die heimliche Nutzung auf Schultoiletten. Anstelle von Kontrolle plädieren sie deshalb für Prävention. Und betonen noch einmal, dass sie nichts gegen einen kontrollierten Einsatz von schulisch administrierten Geräten im Unterricht haben. Was auch ein Vorbild für zuhause sein könnte.