Osnabrück  Stadtteil für einen Monat: Osnabrück gemeindet Zirkus Roncalli ein – Direktor reagiert gerührt

Sebastian Stricker
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Von Sebastian Stricker
| 27.11.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Ortsschild für den Osnabrücker „Stadtteil Roncalli“ schenkte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) dem Zirkusdirektor Bernhard Paul am Dienstag beim Empfang im Rathaus. Anlass ist das zehnte Weihnachtscircus-Jubiläum in diesem Jahr. Foto: Jörn Martens
Ein Ortsschild für den Osnabrücker „Stadtteil Roncalli“ schenkte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) dem Zirkusdirektor Bernhard Paul am Dienstag beim Empfang im Rathaus. Anlass ist das zehnte Weihnachtscircus-Jubiläum in diesem Jahr. Foto: Jörn Martens
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Anfang Dezember schlägt Roncalli zum zehnten Mal seit 2014 sein Weihnachtscircus-Zelt in Osnabrück auf. Die Oberbürgermeisterin überrascht Bernhard Paul darum mit einem besonderen Geschenk. Und der Direktor schwört der Stadt im Gegenzug ewige Treue.

Dieses Versprechen, abgegeben von Roncalli-Gründer und Direktor Bernhard Paul höchstpersönlich, dürfte man in Osnabrück gerne hören: „Solange es uns gibt und solange Sie wollen, kommen wir immer wieder mit unserem Weihnachtscircus in Ihre Stadt!“

Was den 78-Jährigen am Dienstag, 25. November, zu diesem öffentlichen Treueschwur im Friedenssaal des Rathauses bewogen hat? Natürlich die „große Liebe der Osnabrücker zu Roncalli“, die Paul spüre, seit er 2014 den Weihnachtscircus an der Halle Gartlage etablierte. Aber auch der überaus warme Empfang, den Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) ihm nun, am Vorabend des Jubiläumsgastspiels, an historischer Stätte bereitete – eingeleitet mit dem Satz „Herzlich willkommen zu Hause!“

So ist es 2025 bereits das zehnte Mal, dass Roncallis Weihnachtcircus über den Jahreswechsel nach Osnabrück kommt. Bereits nächste Woche soll der Zeltaufbau beginnen. Vom 13. Dezember bis zum 5. Januar können Zirkusbesucher dann laut Programmheft ein „malerisches Wintermärchen“ mit internationalen Top-Artisten, Orchestermusik und Balletttanz erleben.

Stadtoberhaupt Pötter bekannte offen, sich sehr darauf zu freuen. Für sie wie für viele andere sei ein Besuch im Osnabrücker Weihnachtscircus liebgewonnene Tradition. Zur Einordnung: Nach Angaben des Kölner Unternehmens sahen bislang über 350.000 Menschen den Roncalli Weihnachtscircus in Osnabrück. Allein im vergangenen Jahr waren es rund 55.000 – Rekord.

Zudem, betonte die OB, verbinde Roncalli und die Stadt nach Jahren voller Höhen und Tiefen (in der Corona-Pandemie musste das Gastspiel zweimal in Folge ausfallen) „eine Freundschaft“. Als Zeichen dafür überreichte Pötter dem Zirkusdirektor als Geschenk ein Ortseingangsschild in Originalgröße.

„Friedensstadt Osnabrück“ steht darauf in Schwarz auf reflektierendem Gelb, darunter der Zusatz „Stadtteil Roncalli“. Denn nur zu gerne, erklärte die Erste Bürgerin, wolle Osnabrück das Weihnachtscircus-Dorf „als 24. Stadtteil eingemeinden“.

Bernhard Paul zeigte sich davon sichtlich gerührt. „Jetzt bin ich total platt“, gestand er, um sich sofort danach mit dem eingangs zitierten Treueschwur zu revanchieren. Die Zusammenarbeit mit der Stadt gestalte sich von Beginn an „hervorragend“. Das anhaltende „Vertrauen der Osnabrücker in Roncalli“ gebe dem Zirkus Kraft. „So aufgenommen zu werden wie hier, ist Balsam für die Seele.“

Doch wie hat es damals überhaupt angefangen mit dem Weihnachtscircus in Osnabrück? Kurz: mit einer Absage. 2014 sei eigentlich ein gemeinsames Tournee-Gastspiel mit der Kelly Family geplant gewesen, erinnerte sich Paul später im Pressegespräch. Doch die Band habe plötzlich passen müssen. So habe Roncalli den bereits gebuchten Platz an der Halle Gartlage eben für ein Experiment genutzt.

Und zwar den Versuch, einen Weihnachtscircus in einem Zelt stattfinden zu lassen. Bei Winterwetter. Zudem in einer vergleichsweise kleinen Stadt. Bis dahin gab es nämlich nur den Roncalli Weihnachtscircus im Berliner Tempodrom, einem festen Bau.

„Osnabrück war ein Wagnis“, räumte der Zirkusgründer ein. „Aber es hat funktioniert!“ Wobei niemand geglaubt habe, „dass Osnabrück so einschlägt“. Mittlerweile betreibt Roncalli jährlich zwei weitere Weihnachtszirkusse im Freien: Bremen kam 2023 dazu, Lübeck 2025.

An der Halle Gartlage sind diesmal täglich zwei Shows geplant, außer an Heiligabend. Der 15. und 16. Dezember sind spielfrei. Insgesamt stehen 43 Vorstellungen auf dem Plan. Zirkusbesucher erwartet im 1250 Plätze fassenden Rund eine brandneue Theaterbestuhlung. Es gibt keine Sitzbänke mehr.

Die Eintrittspreise bewegen sich in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Heißt, Tickets kosten zwischen 26 und 83 Euro für Vollzahler und 23,40 bis 72,90 Euro ermäßigt. NOZ-Abonnenten erhalten 20 Prozent Preisnachlass auf ausgewählte Karten in den Geschäftsstellen.

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