Beschluss  Großer Ganztag für Wiesens und Tannenhausen

Karin Böhmer
|
Von Karin Böhmer
| 26.11.2025 13:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Schulausschuss tagte am Dienstag in der Grundschule Wiesens und sah sich die Klassenräume an. Auch der Ortsrat vor dabei. Foto: Karin Böhmer
Der Schulausschuss tagte am Dienstag in der Grundschule Wiesens und sah sich die Klassenräume an. Auch der Ortsrat vor dabei. Foto: Karin Böhmer
Artikel teilen:

Die Grundschulen in Wiesens und Tannenhausen stellen ebenso wie die Grundschule Upstalsboom alle Jahrgänge gleichzeitig auf kompletten Ganztagsbetrieb um. Wie das möglich wurde.

Aurich - Überall stehen Grundschulen vor der Umstellung auf Ganztagsbetrieb ab dem kommenden Schuljahr. Eine verlässliche Betreuung an allen fünf Schultagen ist im ersten Jahr der schrittweisen Umstellung laut Gesetzgeber aber eigentlich nur für die Erstklässler vorgesehen. Und wird vom Land auch nur für diesen Jahrgang entsprechend finanziert. Das stellt mehrere Auricher Grundschulen vor Herausforderungen. Der Schulausschuss hat nun eine Lösung ermöglicht.

Die meisten Auricher Grundschulen haben bereits Ganztagsbetrieb, aber überwiegend nur ein drei oder vier Tagen. Die Grundschule Tannenhausen bietet bereits jetzt eine Betreuung auch an Freitagen an. Bislang gab es für vier Tage Geld vom Land und für den fünften Tag einen Zuschuss von der Stadt Aurich. Geld, das die Schule unter anderem nutzte, um Aktivitäten mit Kooperationspartnern wie Sportvereinen, der Kunstschule, dem Zentrum für Natur und Technik oder der Naturschutzstation umzusetzen.

In der Mensa findet Förderunterricht statt, obwohl an den Fenstern der Durchgang zur Turnhalle und den sanitären Anlagen verläuft. Foto: Karin Böhmer
In der Mensa findet Förderunterricht statt, obwohl an den Fenstern der Durchgang zur Turnhalle und den sanitären Anlagen verläuft. Foto: Karin Böhmer

Mit dem neuen Schuljahr ist offiziell nicht mehr vorgesehen, dass die 95 Zweit- bis Viertklässler das volle Ganztagsangebot wahrnehmen können, denn das Land zahlt den fünften Tag nur für Erstklässler. Das Geld reicht dann nicht mehr aus, sodass Schulleiterin Claudia Wilting beantragt hatte, dass die Stadt Aurich den Fehlbetrag für die nächsten drei Jahren übernimmt. Für das Schuljahr 2026/27 wären dies 12.340 Euro, für die Folgejahre noch 10.350 beziehungsweise 4380 Euro. Das wurde vom Ausschuss nach kurzer Diskussion in einem einstimmigen Beschluss für sinnvoll erachtet.

Grundschule Wiesens: Anfangs zu wenig Schüler

Auch die Grundschule Wiesens kommt durch die Umstellung in finanzielle Engpässe. Dort liegt es laut Schulleiter Claus Garrelts vor allem an der geringen Schülerzahl, sodass die Schule sofort alle Jahrgänge auf den vollen Ganztagsbetrieb umstellen will. Bislang wird an drei Tagen für 2,25 Stunden betreut. Allein mit den Erstklässlern lasse sich kein volles Ganztagsangebot finanzieren. Denn die tatsächlich teilnehmenden Schüler werden in Lehrerstunden umgerechnet. Dieser Faktor ist so gering, dass die erlasskonforme Betreuung durch Landesmittel alleine nicht gedeckt werden könne, so Garrelts. Er beantragte deshalb ebenfalls einen Zuschuss der Stadt, bis das Land für alle vier Jahrgänge die vollen Kosten übernimmt.

Die beiden Schulleiter aus Wiesens und Tannenhausen warnten davor, dass angesichts der geringen finanziellen Mittel für die ersten Jahrgänge von Landesseite der Ganztagsbetrieb zur reinen „Verwahrung“ der Schüler werden könnte. Sie sehen ihre Schulen aber als Lern- und Lebensort und wollen entsprechend Angebote vorhalten, um Kinder kognitiv, emotional, sozial und körperlich zu fördern, erläuterte die Tannenhausener Schulleiterin. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit.

Der Schulausschuss befürwortete auch für Wiesens einen Zuschuss von zuerst gut 6024 Euro, dann von 4034 und im Schuljahr 2028/29 von 2017 Euro.

Neben diesen beiden Schulen hat sich noch die Grundschule Upstalsboom entschlossen, alle vier Jahrgänge gleichzeitig in den vollen Ganztagsbetrieb zu überführen.

Ausbau der Grundschule Wiesens wird nun geplant

Noch etwas wurde in der Schulausschusssitzung zumindest angestoßen. Die Grundschule Wiesens klagt seit Längerem über Raummangel und fehlende sanitäre Anlagen. Dies sahen die Ausschussmitglieder sich in einem Rundgang in der Schule an.

Förderunterricht muss in Wiesens auch in der Teeküche gegeben werden, die zugleich Kopierraum ist. Störungen seien so unvermeidbar. Foto: Karin Böhmer
Förderunterricht muss in Wiesens auch in der Teeküche gegeben werden, die zugleich Kopierraum ist. Störungen seien so unvermeidbar. Foto: Karin Böhmer

Für Erwachsene gibt es im Schulgebäude nur eine Toilette. Da vormittags bis zu 15 Erwachsene in der Schule seien, bedeute das Schlange-Stehen in der Pause, so Schulleiter Claus Garrelts. Zudem fehle Platz im Lehrerzimmer. Sechs Stühle stehen um einen Tisch. Das reicht rechnerisch gerade für die Lehrkräfte. Alle anderen Mitarbeiter gruppieren sich in einem großen Stuhlkreis darum herum. Und noch drängender sei der Mangel an Differenzierungsräumen. An den Klassenräumen sei zwar schon einiges verbessert worden, lobte Garrelts. Doch der Förderunterricht in Kleingruppen finde entweder in der Teeküche/Kopierraum der Schule oder in der Mensa statt, durch die der Weg zur Toilette und zur Turnhalle führt. Platz sei dort zwar - doch es komme zu regelmäßigen Störungen.

Auch in Tannenhausen gibt es Engpässe

Der Ortsrat hatte sich schon vor Längerem um Abhilfe bemüht, drang allerdings nicht in die Gremien vor. Mit einem Antrag der AWG kam das Thema nun auf die Agenda des Schulausschusses, der sich einig war, dass etwas passieren muss. Da der zuständige Fachdienst im Rathaus derzeit aber in mehreren Großprojekten steckt, wurde vereinbart, dass im kommenden Spätsommer eine mit der Schule abgestimmte Planung vorgestellt werden soll, die dann auch im Haushalt Berücksichtigung finden soll.

Auch Claudia Wilting nutzte die Gelegenheit für den Hinweis, dass sich in Tannenhausen 26 Erwachsene eine Toilette teilen - und überwiegend auf Schulpausen angewiesen sind.

Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts kündigte an, dass im März die Mängelliste vorgestellt werden soll, die nach der Begehung aller Grundschulen zusammengestellt wurde. Ebenso wird dann präsentiert, was bereits erledigt wurde und wie mit den noch offenen Baustellen umgegangen werden soll.

Ähnliche Artikel