Osnabrück Tatort Brasilien: Deshalb spielt Ex-Borowski-Darsteller Axel Milberg in einem Umwelt-Thriller
Ist Aufforstung immer gut? In Brasilien ist Filmregisseur Daniel Harrich fragwürdigen Projekten auf die Spur gekommen. Wir haben mit ihm und Schauspieler Axel Milberg über seinen Doku-Thriller „Verschollen“ gesprochen, der im Hall of Fame in Osnabrück gezeigt wird.
Mit Osnabrück verbindet Daniel Harrich eine ganz besondere Geschichte. Vor rund 15 Jahren habe er sich hier ganz zu Beginn seiner Filmlaufbahn mit Ralf Willinger von Terres des Hommes getroffen, um ihn für sein Recherche-Projekt zu deutschen Waffenlieferungen ins Ausland zu gewinnen, erzählt der heute 42-jährige Regisseur. Inzwischen hat er für „Tödliche Exporte“ den Grimme-Preis erhalten und im vergangenen Jahr auch das Bundesverdienstkreuz – für das von ihm erfundene Genre des investigativen Spielfilms.
Umso mehr freut sich Harrich, mit seinem aktuellen Film „Verschollen“ nun nach Osnabrück zurückzukommen. Erstmalig wird die Produktion samt der dazugehörigen Doku am Donnerstagabend in der Hall of Fame auf einer großen Kinoleinwand gezeigt. Fast noch wichtiger ist dem Regisseur aber die Begegnung und der Austausch mit Osnabrücker Oberstufen-Schülern am Nachmittag zuvor. Sieben Schulen haben sich dafür angemeldet.
Mit ihnen möchte der Filmemacher nicht nur darüber sprechen, was er bei seinem Rechercheprojekt aufgedeckt hat und wie dies einzuordnen ist. Sondern sie auch ganz allgemein für Fragen der Medienkompetenz und Quellenarbeit sensibilisieren. Denn der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag ist dem Regisseur wichtig. Er selbst versteht sich als Aufklärer, der nicht nur über Missstände informieren möchte, sondern sich von seiner Arbeit auch einen politischen Widerhall erhofft.
Im aktuellen Fall werden erstmals monokulturelle Aufforstungsprojekte in Brasilien hinterfragt, die später der Weltvermarktung sogenannter grüner Energie dienen – unter dem Deckmantel des Klimaschutzes, der Zerstörung von biodiverser Natur und der Vertreibung indigener Bevölkerungen. Die Dreharbeiten für den faktenbasierten Öko-Thriller wurden durch diejenigen, deren Geschäfte aufgedeckt worden sind, massiv erschwert – bis hin zu einem Auftragsmörder, der auf das Filmteam angesetzt worden ist.
Daran erinnert sich auch Schauspieler Axel Milberg: „Wir mussten immer ein bisschen schneller sein und höchste Aufmerksamkeit wahren, um drehen zu können“, sagt der ehemalige Kommissar-Borowski-Darsteller, für den Brasilien so beinahe im doppelten Sinne zum Tatort geworden ist. Für ihn war der abenteuerliche Dreh im November und Dezember des vergangenen Jahres auch eine Gelegenheit, zum ersten Mal das Land seiner Mutter zu besuchen, die in Rio de Janeiro geboren worden ist.
Brasilianische Wurzeln hat auch Milbergs Schauspiel-Kollegin Luka Omoto, die im Film eine Anwältin spielt und durch ihre portugiesische Sprachkompetenz dem Team quasi das Leben gerettet hat. „Als wir für die Filmhandlung Schilder in den Boden gerammt haben, dachten die Täter, dass wir eine europäische NGO sind und ihnen das Land nehmen wollen, das sie selbst gestohlen haben“, erinnert sich Milberg.
Und auch er berichtet von einer „lebendigen Erinnerung“ an Osnabrück. Als er zusammen mit Christoph Schlingensief im Jahr 2009 anlässlich der Verleihung des Remarque-Friedenspreises an den befreundeten schwedischen Schriftsteller Henning Mankell in der Stadt war, habe ihm der damalige Oberbürgermeister und heutige Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärt, wie sich die Stadt zum Positiven strukturell erneuert habe. Damals habe er gedacht, dass das auch ein Vorbild für seine Tatort- und Heimatsstadt sein könne, erinnert sich der gebürtige Kieler.