Osnabrück Was braucht Osnabrück in Sachen Wohnen? Diese Tipps gabs vom Gutachter – und Lob für die Wio
In Osnabrück fehlen bis 2040 rund 8000 Wohnungen, viele davon im bezahlbaren Segment. Der Mietwohnungsmarkt ist angespannt. Nun wurde das neue Wohnraumversorgungskonzept erstellt. Was ein Institut der Osnabrücker Politik jetzt empfiehlt.
Das neue Wohnraumversorgungskonzept für Osnabrück ist da. Rund 8000 zusätzliche Wohnungen werden bis zum Jahr 2040 gebraucht. Nicht alle davon müssen neu gebaut werden, viele können im Bestand entstehen. 3600 neue braucht es aber in jedem Fall.
Wie die Hasestadt dieses Ziel erreichen kann und welche Arten von Unterkünften überhaupt gewünscht werden, stellte Stefan Lehnert am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vor. Er ist Stadt- und Regionalplaner beim ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung, das sich Osnabrück ganz genau angeschaut hat. Was empfiehlt das Institut?
Osnabrück ist laut der Analyse ein dynamischer Standort mit einer positiven Entwicklungsdynamik und einer hohen Zentralität als Arbeitsplatzstandort. Seit 2011 sind gut 5000 neue Wohnungen gebaut worden. Trotzdem, konstatiert ALP, steht die Stadt vor großen Herausforderungen: Beim angespannten Mietwohnungsmarkt trifft eine „erhebliche Preisdynamik“ auf zu wenig Angebot und viel zu wenige Sozialwohnungen. Positiv ist, dass ein Generationenwechsel ansteht: Viele Senioren leben in älteren Ein- und Zweifamilienhäusern und wären bereit, umzuziehen.
„Vieles haben Sie schon in der Pipeline“, sagte Stefan Lehnert vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Die Megaprojekte Magnum-Areal und Lokviertel, oder auch die Johannishöfe, das MBN-Vorhaben am ehemaligen Parkhotel und weitere können, wenn sie alle wie geplant real werden, bis zu 2770 Wohnungen bringen. Doch das löst nicht alle Probleme. „Wohnen ist keine Checkliste“, so Lehnert von ALP. Diese Empfehlungen hat das Institut für die Hasestadt.
Momentan sind nur 1,3 Prozent der Mietunterkünfte preisgebunden, aber 45 Prozent der Mieterhaushalte hätten Anspruch auf eine solche Wohnung. 850 neue Sozialwohnungen bis 2040 seien nötig. Dafür brauche es mehr Sozialbindungen, die Stadt sollte und könnte höhere Sozialquoten bei Investoren durchsetzen. Außerdem mehr kommunalen und genossenschaftlichen Wohnraum.
Die noch junge kommunale Wohnungsgesellschaft Wio erhielt Lob, für sie gebe es „gute Gründe“, so Stefan Lehnert. Doch mit 1000 Wohnungen bis 2035 sei ihr Einfluss begrenzt, Investitionen seien nötig. Dazu Heiko Panzer (SPD): „Das Lob für die Wio gebe ich weiter an die Osnabrückerinnen und Osnabrücker, die sich damals dafür eingesetzt haben.“
Zwischen 85 und 90 Prozent der neuen Unterkünfte sollte in Mehrfamilienhäusern geschaffen werden, auf Ein- oder Zweifamilienhäuser fallen die restlichen 10 bis 15 Prozent. Zum Thema eigenes Haus sagte der Stadt- und Regionalplaner von ALP: „Was Preis und Quantität angeht, kann Osnabrück nicht mit dem Umland konkurrieren.“ Das heißt: Die breite Mittelschicht und Geringverdiener fielen bei den aufgerufenen Preisen raus.
Der Gutachter empfiehlt der Stadt Osnabrück, ihre passive Rolle auf dem Grundstücksmarkt aufzugeben und aktiv als Käufer und Verkäufer von Bauland aufzutreten. Mit dem Ziel, mehr Kontrolle über Bauprojekte zu bekommen. Zwei Maßnahmen sind laut Stefan Lehnert dafür entscheidend:
Weil Osnabrück wenig Möglichkeiten hat, im Außenbereich Wohnraum zu schaffen, sollte laut Gutachten auf Nachverdichtung im Innenbereich gesetzt werden. Stefan Lehnert: „Aber nicht einfach nur höher und dichter!“ Es gilt: Qualität vor Quantität. Den individuellen Wohnungsbau könnte man in verdichteten, einfamilienhausähnlichen Typologien, wie etwa gestapelten Reihenhäusern, bedienen.
Stadtbaurat Thimo Weitemeier sagte gegenüber unserer Redaktion: „Es gibt in Wirklichkeit viel mehr Wohnungsarten als das klassische Einfamilienhaus. Was Menschen damit verbinden, ist der Traum von Individualität. Den kann man aber auch anders erfüllen.“ Zum Beispiel über schmal geschnittene Reihenhäuser mit individuellen Fassaden wie dem Jahn-Carrée in der Wüste.
Viele Senioren leben momentan in für sie als zu groß empfundenen Ein- oder Zweifamilienhäusern. Laut Befragung der Stadt würden 22 Prozent davon umziehen – wenn es ein attraktives Angebot gibt. 1600 Wohnungen könnten so frei werden. Um das zu unterstützten, sollte die Stadt einerseits barrierefreie Wohnungen schaffen, und zwar nicht nur in der Innenstadt. Andererseits solle sie umzugswillige Senioren beraten und das bestehende Angebot der Wohnraumversorgungsstelle intensivieren.
Wie geht es nun weiter? Grundsatzbeschlüsse der Politik sind gefragt. Im nächsten Jahr will man sich dem Thema intensiv annehmen, den Auftakt macht ein Workshop der Stadtpolitik im Februar. Es folgen Veranstaltungen für die Öffentlichkeit und mit Bauexperten.